SBB und Mietvelos – jederzeit eine erfolgreiche Partnerschaft

Die langjährige Zusammenarbeit der SBB mit dem Mietvelo-Anbieter Rent a Bike ist ein Erfolgsmodell – und bewährt sich auch in Krisenzeiten. Stefan Maissen, CEO von Rent a Bike, sagt im Interview, wie sich das Geschäft während der Pandemie verändert hat.

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Es ist nun schon ein paar Monate her, als in der Schweiz fast alles stillstand. Was bedeutete der Lockdown für Rent a bike? 
Am Anfang verspürten wir eine grosse Verunsicherung. Wir mussten den Laden schliessen; an den Bahnhöfen war es verboten, das Mietgeschäft zu betreiben. Das war alles andere als toll. Doch schon nach ein paar Tagen liefen bei uns Telefon und E-Mail heiss. Die Menschen suchten nach Alternativen, um weiterhin mobil zu bleiben. So entstand die Idee, mehr auf Langzeitmiete zu setzen als auf kurzzeitige Vermietung. Vor allem unsere E-Bikes gingen weg wie frische Weggli.  

Inwiefern hat Rent a bike die Angebote angepasst? 
Nachdem die Langzeitmiete bei den E-Bikes in den Agglomerationen so populär wurde, haben wir gemerkt, dass wir zur Verteilung der Fahrräder am besten auf die Bahnhöfe als Verteilzentren setzen. Der Bahnhof ist immer der Dreh- und Angelpunkt einer Stadt.  

Veränderte sich auch das Kundensegment?
Absolut. Vor Corona waren es vor allem ältere Leute, die sich für ein E-Bike interessierten oder Personen, die das Bike gezielt für ihre Freizeit nutzen wollten. Während der Pandemie wollten aber plötzlich auch die Städterinnen und Städter ein E-Bike, um den Arbeitsweg damit zu bewältigen und mobil zu sein, ohne den öffentlichen Verkehr zu nutzen.  

Die Zusammenarbeit zwischen Rent a bike und der SBB bewährt sich aber nicht nur in Krisenzeiten? 
Wir pflegen mit der SBB eine lange Tradition der Zusammenarbeit und seit zwei, drei Jahren hat sich die Dynamik in der Kooperation nochmals verstärkt. Gemeinsam können wir schnell kundenfreundliche Lösungen umsetzen. Zudem pflegen die SBB und wir einen ähnlichen Mindset. Beide Unternehmen setzen auf nachhaltige Mobilität und sind überzeugt, dass Sharing-Konzepte auf der ersten und letzten Meile Erfolg haben. 

Wo orten Sie die Gründe für die Popularität von Sharing-Konzepten? 
Es ist einerseits eine Kostenfrage. Ein neues E-Bike kann schnell über 5000 Franken kosten. Da kommt die Miete für ein paar Monate deutlich günstiger, zumal man ein E-Bike meistens nicht das ganze Jahr über braucht. Der Vorteil unserer Mietangebote ist auch, dass «alles inklusive» gewählt werden kann: Service, Versicherung und vieles mehr ist beim Bike mit dabei. 

Aber werden sich Sharing-Konzepte auch nach der Pandemie behaupten können? 
Ich stelle fest, dass sich immer mehr Menschen überlegen, wie sie ihre Mobilität optimieren können. Statt ein eigenes Auto, ein eigenes E-Bike, ein eigenes Trotti und dazu noch ein ÖV-Abo zu kaufen, wünschen sie sich ein Angebot, das alles abdeckt. Wenn ich persönlich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir ein Flatrate-Abo für Mobilität wünschen – wobei dies durchaus etwas kosten darf. 

Ein solches Angebot wird ja gerade getestet: «yumuv», an dem die ETH Zürich beteiligt ist. 
Stimmt, das ist eigentlich genau das, was ich meine. Je nach Reiseweg will ich flexibel entscheiden, welches Verkehrsmittel ich nutzen will. Ich muss nichts kaufen, sondern kann einfach für einen bestimmten Betrag alles nutzen, was mir zur Verfügung steht. Damit muss ich auch kein Velo mehr in den Zug schleppen, sondern ich nutze einfach ein Fahrrad am Ankunftsort. Oder nehme den Bus, wenn es regnen sollte. Das müsste einfach über die ganze Schweiz funktionieren. 

Blicken Sie noch tiefer in die Kristallkugel: Werden E-Bikes sogar das Auto aus den Städten verbannen können? 
Zumindest teilweise, ja. Denn wer ein Auto braucht, kann Carsharing mit Mobillity nutzen. Parkplätze hat es in den Städten eh immer zu wenig. Mit dem E-Bike sind die Menschen viel platzsparender unterwegs. Es fehlen nur noch entsprechende Velo-Schnellstrassen, so wie es zum Beispiel in der Corona-Zeit in Paris umgesetzt wurde. 

Mit der Langzeitmiete von E-Bikes hat Rent a bike den Nerv der Zeit getroffen. Wie gehts jetzt weiter? 
Als Unternehmer muss man sich ja immer den Gegebenheiten anpassen. So stellen wir zum Beispiel fest, dass immer weniger Firmenanlässe stattfinden, an denen Bikes gemietet werden. Hingegen gibt es immer mehr Unternehmen, die gerne eigene Fahrradflotten hätten. Hier sehe ich Potenzial für uns. 

Rent a bike in Zahlen 

  • Ausleihe an 150 Stationen möglich 
  • 4500 Mietfahrzeuge stehen zur Verfügung 
  • 100 000 Vermietungen im Jahr  
  • In allen Sprachregionen vertreten 

 

Rent a bike und die SBB 

  • 23 Abgabestellen für die Kurzzeitmiete (weniger als 1 Monat) sind in Bahnhöfen untergebracht (5 nur für Rückgabe) 
  • An diesen Abgabestellen in den Bahnhöfen stehen total 1000 Fahrzeuge zur Verfügung 
  • Von den 1000 Fahrzeugen sind 60% Velos und 40% E-Bikes 
  • An 20 Abgabestellen in den Bahnhöfen in allen Sprachregionen ist auch die Langzeitmiete (1 bis 12 Monate) von E-Bikes möglich