Auf zu neuen Perrons

Mit viel Liebe blickt Lokführer und SBB News-Kolumnist Markus Leutwyler auf seine Zeit im Führerstand zurück. Lies hier von seinen emotionalsten Momenten bei der SBB.

Beginn einer Bildergalerie

Zuerst war es nur ein vorbeihuschender Schatten im Hinterkopf. Dann ein kleines Flämmchen, das flackerte und fast erlosch. Doch dann wuchs die Flamme zu einem lodernden Feuer und war nicht mehr zu stoppen: die Sehnsucht nach einer Veränderung.  

Ich spürte diese bereits vor rund dreizehn Jahren, als ich der Filmbranche den Rücken zukehrte, um nur noch diejenigen Filme zu machen, die ich selber wollte. Stattdessen wurde ich Lokführer bei der SBB. Ein Entscheid, den ich nie bereut hatte. 

Bei der SBB konnte ich rasch Kontakte knüpfen und so das eine oder andere Mal Beiträge in Bild- und/oder Textform publizieren. Ein paar Jahre lang erschienen meine Texte regelmässig im Stories Blog der SBB, der später in die SBB News integriert wurde. Es war mir eine grosse Freude, einen Einblick in meinen wunderbaren Beruf geben zu dürfen. 

Nachdem wir im März 2018 meine Parodie auf die SBB im Stil von „Fischer Bettwaren“ an der Generalversammlung des Verbands Schweizer Lokführer und- anwärter gezeigt hatten, publizierten wir diese aus lauter Euphorie auf Facebook. Dies in der Annahme, dass damit vor allem ein internes Publikum erreicht werde. Doch bereits wenige Stunden später ging das Video viral... Ich hatte einen dicken Kloss im Hals und konnte kaum Schlafen. Wie würden die SBB-Chefinnen und Chefs wohl reagieren? Zum Glück mit Humor – dafür bin ich heute noch dankbar! 

Dieser iframe enthält Inhalte von Drittanbietern, die möglicherweise nicht zugänglich sind.

Schönheit und Sinnhaftigkeit 

In diesem Achteljahrhundert, währenddessen ich bei der SBB als Lokführer arbeiten durfte, hat sich vieles verändert. Zum Beispiel in technischer Hinsicht: Als ich anfing, war der analoge Zugfunk noch weit verbreitet. Die Zugsicherung wurde weiterentwickelt. Viele neue Zugstypen rollen heute über unsere Schienen. Automatische Zugsdurchsagen und Displays in den Zügen sind Standard. Offene WCs dagegen Geschichte. Noch mehr ist aber gleich geblieben: Züge fahren immer noch auf Schienen, die Physik dahinter hat sich nicht verändert. Nach wie vor ist die gleiche Aufmerksamkeit gefordert. Am beständigsten war aber das, was für mich diesen Beruf ausmacht: Das tägliche Schauspiel des Wetters und der Jahreszeiten, die faszinierende Technik, die Eleganz und Effizienz der Eisenbahn und vor allem die Sinnhaftigkeit. Ich hatte nie das Gefühl, etwas Nutzloses zu tun. 

Im vergangenen Jahr fing es in mir aber wieder an zu lodern. Erneut verspürte ich den Wunsch nach Veränderung und irgendwann entschloss ich mich, die Weiche in eine andere Richtung umzulegen. Dem Führerstand bleibe ich treu, aber ab 1. Oktober führe ich Züge für eine andere Eisenbahngesellschaft. Ich bedanke mich bei allen, mit denen ich in der Zeit bei der SBB zusammenarbeiten und -wirken durfte. Dies tue ich – wie könnte es anders sein – mit einem Film. Ich nehme euch mit in den Führerstand und teile meine schönsten Erlebnisse. 

Dieser iframe enthält Inhalte von Drittanbietern, die möglicherweise nicht zugänglich sind.

Ein Achteljahrhundert lang (2008 - 2020) durfte ich für die #SBB #Züge führen. Nun hat mich die Sehnsucht gepackt, und...

Posted by Markus Urs Leutwyler on Tuesday, September 29, 2020

Ihr, liebe Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, seid das Herz und die Seele der SBB. Ihr seid grossartig! Nach dem Sturm wird wieder die Sonne scheinen, ihr werdet sehen.  


Markus Leutwyler. Foto: Gian Vaitl.

Markus über sich

Mein Leben ist ein Mosaik. So habe ich Umweltnaturwissenschaften studiert, jedoch anschliessend als Werbefilmer gearbeitet. Im Jahr 2008 konnte ich mir einen (weiteren) Traum verwirklichen und wurde Lokführer. Mit meinen Berichten möchte ich die normalerweise geschlossene Führerstandstüre öffnen und die schönen Erlebnisse mit euch teilen. Ich bin 45 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern.

SBB Mitarbeitende berichten 

Unter «SBB Mitarbeitende berichten» erscheinen auf SBB News in losen Abständen Beiträge von Mitarbeitenden. Diese kommen aus verschiedenen Divisionen und Konzernbereichen. In der Themenwahl sind sie frei. Möchtest auch du über deine Arbeit bei der SBB berichten? Dann melde dich bei sarah.stiefel@sbb.ch.