Intervention SBB: Die Feuerwehr der Bahn

Es ist alles andere als ein Nine-to-five-Job: Die Mitarbeitenden der Abteilung Intervention SBB sind 24 Stunden im Einsatz – für ein störungsfreies Schienennetz, pünktliche Züge und die Sicherheit der Passagiere.

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Jeder, der regelmässig mit dem Zug unterwegs ist, kennt die Situation: ein plötzlicher Halt mitten auf der Strecke. Eine Durchsage aus der Führerkabine orientiert über die Störung und bittet die Passagiere um etwas Geduld. Die Ursachen sind vielfältig: Gegenstände oder Personen im Gleisbereich, Störungen bei Signalen und Fahrleitungen oder ein Defekt am Zug. Häufig dauert es nur einige Minuten, bis die Fahrt weitergeht. Das ist der Verdienst der rund 330 Mitarbeitenden der Intervention SBB, die an 16 Standorten in der ganzen Schweiz dafür sorgen, dass Hindernisse rasch beseitigt werden und die Zugreisenden sicher ans Ziel gelangen. Als professionelle Einsatzorganisation kommt die Intervention auch bei schwerwiegenden Ereignissen zum Einsatz: Kollisionen, Zugentgleisungen, Personenunfällen, Gefahrgutaustritten und nicht zuletzt Bränden von Schienenfahrzeugen, an gleisnahen Objekten oder – zum Glück selten – in Tunnels. Mehr als 7000 Mal sind die Mannschaften der Intervention im Jahr 2019 ausgerückt. Damit alles reibungsfrei läuft, braucht es klar definierte Prozesse, eine akribische Planung der Diensteinteilungen, hoch kompetentes, routiniertes Personal – und Schnelligkeit.

Facts & Figures zur Intervention SBB

7000 Einsätze pro Jahr

16 Standorte

330 Mitarbeitende

16 Lösch- und Rettungszüge

6 Hilfswagen

12 Feuerwehr-Lastwagen

50 Einsatzfahrzeuge Strasse

Tag und Nacht einsatzbereit

Im Ereignisfall sind die Interventionsteams oft die Ersten vor Ort, leiten die nötigen Sofortmassnahmen ein und stellen die Koordination mit internen und externen Partnern sicher. «Wenn ein Alarm eingeht, bleiben wenige Minuten, um abfahrbereit zu sein», erklärt Christian Witschi, Standortleiter Intervention Bern. «Und das Tag und Nacht.»

Gearbeitet wird deshalb in 24-Stunden-Schichten – Schichtwechsel ist um halb sieben morgens. Je fünf Personen sind zum Dienst eingeteilt. Damit bei einem Alarm keine Zeit verloren geht, arbeiten die Mitarbeitenden tagsüber im Erhaltungs- und Interventionszentrum. Ausserhalb der regulären Arbeitszeit bewohnt die jeweilige Tagesmannschaft eine Wohnung am Interventionsstandort. Die «Berner WG» befindet sich im obersten Stock des Interventionsgebäudes in Ostermundigen. Sie verfügt über eine grosse, modern ausgestattete Küche, ein Wohnzimmer mit TV, Duschen und Zweierzimmer, die nach Möglichkeit nur einzeln belegt sind, damit sich die Männer zurückziehen können. «Das ist wichtig, schliesslich ist das hier fast wie ein zweites Zuhause», sagt Witschi. Die einzige Frau im 18-köpfigen Berner Team hat ein Einzelzimmer. Nicht zuletzt gehört zur Wohnung auch ein Fitnessraum. «Mit der freundlichen Empfehlung, diesen auch zu nutzen», so Witschi. Körperliche Fitness gehöre zu einem Beruf, bei dem man auch mal zupacken müsse.

Ein Zug für alle Fälle

Die fünf Männer, die an diesem Tag zum Dienst eingeteilt sind, treffen sich gegen neun in ihrer Küche zum Kaffee. Noch ist es ruhig. Doch sie wissen: Das kann sich jederzeit ändern. Am Standort Bern sind im vergangenen Jahr gegen 600 Alarme eingegangen. Das sind durchschnittlich 1,5 pro Tag. «Häufig rücken wir wegen Tierkadavern oder anderen kleineren Hindernissen im Gleisbereich aus», sagt Standortleiter Christian Witschi. Zum Alltag gehört aber auch, defekte Züge abzuschleppen, Passagiere in einen Ersatzzug zu evakuieren oder Brände zu löschen. Dazu stehen den Teams verschiedene Schienen- und Strassenfahrzeuge zur Verfügung. Prunkstück der Intervention ist der sogenannte Lösch- und Rettungszug, ein 240 Tonnen schweres, mehrgliedriges Schienengefährt zur Rettung von Personen und Gütern sowie für die Brand- und die Ölschadensbekämpfung. Jeder Standort verfügt über ein eigenes drei- oder vierteiliges Fahrzeug dieser Art. Mit ihnen können schweizweit alle Orte auf dem normalspurigen Bahnnetz schnell erreicht werden.

Bähnler und Feuerwehrler

Um den Lösch- und Rettungszug zu bedienen, braucht es eine Lokführerausbildung mit entsprechender Weiterbildung. Zudem müssen die Lokführer jährlich ihre Trainingsfahrten absolvieren. «Denn nur die ständige Übung bringt die lebenswichtige Routine», weiss Witschi aus Erfahrung. Zu jeder Schicht sind zwei Lokführer eingeteilt. Die anderen werden als Gruppenführer oder Offiziere eingesetzt und übernehmen etwa Führungsaufgaben während des Einsatzes. Alle Mitarbeitenden der Intervention verfügen über eine Feuerwehrausbildung. Das Tätigkeitsfeld geht aber übers Feuerlöschen und Zugfahren hinaus: Periodische Weiterbildungen – seien es Kurse zur Erdung der Fahrleitung, technische Hilfeleistung oder Sanitätsausbildungen – gehören auf die Jahresagenda. Dass alle fast alles können, ist für Witschi ein grosses Plus, weil es die Diensteinteilung erleichtert.

«Nur die ständige Übung bringt die lebenswichtige Routine.»
Christian Witschi, Standortleiter Intervention Bern

Kein Job für jedermann

Wer also gern unregelmässig arbeitet, die täglichen Herausforderungen nicht scheut, eine sinnvolle Arbeit machen möchte und Abwechslung schätzt, ist bei der Intervention SBB richtig. Trotzdem ist der Beruf nicht für jedermann geeignet: Die ständige Bereitschaft kann schwierig mit einer Familie vereinbar sein. «Das familiäre Umfeld muss dahinterstehen», sagt Witschi. Das spreche er auch an Bewerbungsgesprächen an. Während des Pikettdienstes am Wochenende müssen die Mitarbeitenden in 15 Minuten an den Standort ausrücken können. Sind die Mitarbeitenden ausserhalb dieses Bereichs wohnhaft, können sie die Infrastruktur am Interventionsstandort nutzen. Zahlreiche Mitarbeitende des Standorts Bern wohnen ausserhalb dieses Bereichs und bewohnen am Wochenende den Standort. Der Schichtdienst hat aber durchaus auch Vorteile: Man arbeitet entweder Montag, Mittwoch, Freitag oder Dienstag und Donnerstag sowie Samstag und Sonntag im Pikettdienst. Zusätzlich kommen noch einzelne Tagesdienste für Ausbildungen dazu. Die restlichen Tage hat man frei und kann sich ganz der Familie widmen.