Fahrplanwechsel: wie ein neuer Fahrplan entsteht

Mitte Dezember ist Fahrplanwechsel. Dahinter steht eine hochkomplexe und über mehrere Jahre dauernde Planungsarbeit. Wegen Corona war diese 2020 eine besondere Herausforderung.

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Per 13. Dezember 2020 ist Fahrplanwechsel.

Alle Informationen zum neuen Fahrplan sind auf der Website der SBB zusammengestellt.

Der Online-Fahrplan ist stets aktuell.

Rund 300 Personen aus der Abteilung SBB Infrastrukturplanung und eine Vielzahl von Planern bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen sind am Fahrplanwechsel beteiligt. Marc Marlétaz, Leiter Planung SBB für die Region Mitte am Standort Olten, vergleicht die Fahrplangestaltung gerne mit dem Bild eines Zahnradgetriebes: «Wir arbeiten Hand in Hand, es braucht jedes einzelne Rädchen, damit es läuft.»

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Corona legte Baustellen still

«Durch den Lockdown ergaben sich für die SBB dieses Jahr diverse Verschiebungen in den Vorbereitungen des Fahrplanwechsels», erklärt Marlétaz. «Unter anderem mussten wir etliche Bauarbeiten auf dem Streckennetz runterfahren, um die Sicherheit des Baupersonals zu gewährleisten. Dies führte schliesslich dazu, dass für das Jahr 2021 zwei Fahrplanwechsel – der ordentliche am 13. Dezember 2020 und dessen Finalisierung im kommenden Frühjahr – nötig wurden.

Der ganze Prozess vom Konzept bis zum Fahrplan dauert gemäss Marlétaz rund 20 Jahre. An dessen Anfang steht das Bundesamt für Verkehr (BAV). Dieses erarbeitet zusammen mit den Kantonen und Transportunternehmungen ein Konzept, das die Infrastrukturbauten und Trassen für den Personen- und Güterverkehr über einen definierten Zeithorizont bestimmt. Das Parlament stimmt schliesslich über das Angebotskonzept und die Finanzierung der dafür nötigen Ausbauten ab.

Das aktuelle Konzept ist bis 2025 ausgerichtet, im Jahr 2021 wird dasjenige für 2035 veröffentlicht. «Dank dieser Abstimmung können wir in der Schweiz den öffentlichen Verkehr sehr zielgerichtet und kontinuierlich ausbauen», ist Marlétaz überzeugt. «Und so dem gesetzten Ziel Jahr für Jahr einen Schritt näher kommen.»

Teste dein Wissen zum Fahrplanwechsel!

Wie viele Mitarbeitende der SBB arbeiten am Fahrplan?
Wie lange dauert es, bis aus einem Konzept ein Fahrplan wird?
Wie viele «Konflikte» fielen für das Jahr 2021 an, die gelöst werden mussten?
«Unsere Aufgabe ist es, für jeden eine gute Lösung zu finden»

Konflikte gehören dazu

Die konkrete Umsetzung für ein Fahrplanjahr erfolgt ebenfalls unter der Federführung des BAV zusammen mit den Kantonen, den Eisenbahnverkehrsunternehmen, Bahninfrastrukturbetreibern sowie weiteren Verkehrsunternehmen. Zu welchem Zeitpunkt welcher Angebotsschritt eingeführt werden kann, ist von vielen Faktoren abhängig wie etwa Rollmaterialbeschaffung, Ausbauten am Netz sowie Infrastruktur und Finanzierung.

Ungefähr zwölf Monate vor dem Wechsel wird der Jahresfahrplan unter der Aufsicht der unabhängigen Trassenvergabestelle konkretisiert. Nachdem die Eisenbahnunternehmen im April ihre Zugverbindungen bestellt haben, muss die Planung SBB diese prüfen und allfällige Konflikte lösen. «Solche Konflikte gibt es immer wieder, wenn mehrere Besteller zur gleichen Zeit die gleichen Teilstrecken befahren möchten. Unsere Aufgabe ist es dann, für jeden eine gute Lösung zu finden», erklärt Marlétaz.

Auch der Bahnkunde redet mit

Sämtliche Interessen, Änderungen und Wünsche zu berücksichtigen und mit anderen Verkehrsunternehmen abzustimmen, nennt Marlétaz eine Knochenarbeit. Weil der Fahrplanwechsel in ganz Europa stattfindet, müssen auch die ausländischen Bahnverkehrsunternehmen in den Gestaltungsprozess miteinbezogen werden. Und nicht zuletzt die Bedürfnisse der Kunden.

Jeweils Anfang Juni wird der aktuelle Stand des neuen Fahrplans der Öffentlichkeit vorgestellt. Während ungefähr zweier Wochen haben Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, sich zum Fahrplanentwurf zu äussern. Die Kantone sammeln die eingegangenen Stellungnahmen, werten diese aus und unterbreiten sie den betreffenden Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die Planung SBB prüft die Eingaben bezüglich Umsetzbarkeit. «Wir versuchen aber das ganze Jahr hindurch, aufgrund von Kundenreaktionen und Umfragen, die Bedürfnisse zu eruieren», ergänzt Marlétaz. «Das ist wichtig, denn der öffentliche Verkehr ist für die Schweizerinnen und Schweizer von sehr grosser Bedeutung.»

«Ein Fahrplanwechsel ist ein stetiger Prozess, der nie aufhört.»
Marc Marlétaz

Ist er erleichtert, wenn am 13. Dezember der neue Fahrplan endlich angelaufen ist? «Dann beginnt die ‹Bewährungsprobe›», erklärt Marlétaz. Nötige, kleine Verbesserungen und Anpassungen seien in dieser Phase an der Tagesordnung. Zudem laufen bereits die Arbeiten am Fahrplan 2022. «Ein Fahrplanwechsel ist ein stetiger Prozess, der nie aufhört», so Marlétaz. «Aber genau das macht die Tätigkeit ja so spannend.»

Die wichtigsten Verbesserungen im Fernverkehr.

International

Neu verkehren täglich sechs EuroCity-Züge zwischen Zürich und München pro Richtung, die Fahrzeit verkürzt sich um 45 Minuten. Für Reisende ab Basel gibt es neu eine zweite tägliche EC-Direktverbindung via Luzern nach Mailand. Die Fahrt von Zürich nach Mailand dauert neu 3 Stunden 17 Minuten, das Angebot ab Zürich nach Mailand wird auf täglich zehn Direktverbindungen ausgebaut.

Tessin

Die Fahrzeit Zürich–Lugano verkürzt sich auf weniger als zwei Stunden. Die Schweizerische Südostbahn AG (SOB) fährt neu stündlich alternierend von Basel und Zürich via Arth-Goldau über die Gotthard-Panoramastrecke bis nach Bellinzona und ab 5. April 2021 weiter nach Locarno. Zudem verkehrt ab dem 5. April 2021 die S-Bahn Ticino im Dreieck Lugano–Bellinzona–Locarno halbstündlich.

Ostschweiz

Zwischen Zürich und St. Gallen werden mehr schnelle Verbindungen mit einer Reisezeit von neu 59 Minuten angeboten. Für die schnellere Reisezeit sorgt der IC 5, der nur noch in Winterthur und Zürich Flughafen hält. Zwischen Zürich HB und St. Gallen hält der IC 1 neu auch in Zürich Oerlikon, Wil SG, Uzwil, Flawil und Gossau.

Arth-Goldau

Zwischen Zürich und Arth-Goldau wird wochentags der durchgängige Halbstundentakt eingeführt.

Olten

Zwischen Olten und Bern betreibt die BLS ab dem Fahrplanwechsel neu den IR 17 Bern–Olten (heutiger RE Bern–Olten). Die Inbetriebnahme des Vierspurausbaus Olten–Aarau bringt mehr Verbindungen und bessere Anschlüsse.

Luzern

Mit dem IR 75 besteht neu zweimal pro Stunde eine direkte Verbindung Luzern–Zürich Flughafen. Auf dem Abschnitt Luzern– Zug–Zürich setzt die SBB die neuen FV-Dosto ein, welche über mehr Sitzplätze verfügen.