Barrierefrei reisen – online und offline

Mit der Bahn von A nach B fahren ist für viele eine einfache und selbstverständliche Sache. Gerade aber für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es auf Reisen ganz unterschiedliche Barrieren. Oft sind diese unsichtbar und schwieriger zu überwinden, als man denkt.

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Disclaimer Bilder: Diese Bildaufnahmen entstanden zeitlich vor der Maskenpflicht in den Bahnhöfen.  

Barrierefreies Reisen wird bei der SBB grossgeschrieben. An den Bahnhöfen, in den Zügen aber auch online setzt sich die SBB ein, um Barrieren für Menschen mit Beeinträchtigungen zu beseitigen. Menschen mit einer Beeinträchtigung sollen das gesamte Angebot der SBB barrierefrei nutzen können – online sowie offline. Die Weichen sind gestellt, das Ziel aber noch nicht erreicht.  

Neues Rollmaterial beseitigt physische Hürden  

Während im Regionalverkehr bereits heute praktisch alle Züge einen niveaugleichen Einstieg aufweisen, gibt es im Fernverkehr noch mehr Flotten mit Hocheinstieg. Damit Reisende mit eingeschränkter Mobilität die Züge der SBB autonom benützen können, rangiert das Unternehmen alte Züge mit Hocheinstieg Schritt für Schritt aus. Ausserdem ist bei Neubeschaffungen der niveaugleiche Einstieg zwingend verlangt. 

Vereinzelte Flotten ohne niveaugleichen Einstieg werden jedoch auch nach 2023 im nationalen Verkehr im Einsatz sein. Die SBB achtet darauf, dass diese wenn möglich als Module in Züge eingereiht werden, deren Einstiege bereits niveaugleich sind. Auch beim internationalen Rollmaterial sind noch häufiger Züge im Einsatz, die über keinen niveaugleichen Einstieg verfügen. Aus diesem Grund achtet die SBB darauf, auf den entsprechenden Linien alternierend auch Züge mit niveaugleichem Einstieg einzusetzen. 

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Stufenfreie Bahnhöfe – eine zentrale Voraussetzung 

Auch ihre Bahnhöfe baut die SBB laufend um, damit diese von Personen mit eingeschränkter Mobilität autonom genutzt werden können. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) verlangt bis Ende 2023 unter anderem barrierefreie Zugänge zu den Perrons und Einstiege in die Züge.  

Heute können 68 Prozent der Reisenden in den Bahnhöfen der SBB durch Perronerhöhungen, Rampen und Lifte barrierefrei ein- oder aussteigen. Bis Ende 2023 werden gemäss aktueller Planung 86 Prozent aller Reisenden barrierefrei ein- und aussteigen können (für Details zum aktuellen Stand siehe Box). 

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Viele der Barrieren sind aber auf den ersten Blick weniger ersichtlich und gehen weit über sichtbare Hürden wie Treppen zu den Perrons oder hohe Einstiege in die Züge hinaus. Gerade in der digitalen Welt sind Hürden oft komplexer zu beseitigen, als man annimmt. Diese stellen vor allem für Menschen mit einer Sehbehinderung eine Herausforderung dar. Die SBB nimmt auch den Abbau dieser Hürden sehr ernst und unternimmt grosse Anstrengungen, damit all ihre Dienstleistungen und Angebote in der digitalen Welt barrierefrei genutzt werden können.  

So geht Barrierefreiheit digital – ein Beispiel zur Veranschaulichung 

Stellen wir uns zur Veranschaulichung vor, dass ein Mensch mit einer Sehbehinderung eine Reise von Bern nach Lausanne antritt. Am Bahnhof angekommen, folgt die erste Hürde. Der IC1 von Bern nach Genève-Aéroport auf Gleis 5 fällt aus und die Alternativverbindung fährt neu auf Gleis 6. Doch wie kommt nun unser Reisender an die Informationen, wenn er die Anzeigetafeln nicht sieht und vielleicht gerade die Durchsage verpasst hat? 

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Damit er an die notwendigen Informationen kommt, erfüllen der SBB.ch Onlinefahrplan als auch die SBB Mobile App oder die App «SBB Inclusive» Standards in Bezug auf eine barrierefreie Nutzung: alles was auf dem Bildschirm zu sehen ist, ist akustisch abrufbar. Dabei geht es nicht nur darum, die gewünschten Informationen abzurufen, sondern alle sichtbaren Komponenten mittels hinterlegtem Alternativtext hörbar zu machen. Das beginnt bei Logos, Bildern, Symbolen, Farben bis hin zum eigentlichen Informationstext. Ist dieser Alternativtext fehlerhaft oder gar nicht vorhanden, entsteht schnell Orientierungslosigkeit und die Webseite oder App wird für diese Nutzerinnen und Nutzer komplett unbrauchbar. Die SBB Applikationen müssen also komplett fehlerfrei und zugleich in Echtzeit Informationen abliefern.  

Dasselbe gilt auch für die interaktiven Bildschirme in den Bahnhöfen, die für Menschen mit einer Sehbehinderung eine grosse Hilfe sind. Sie sind auch für Menschen mit einer Hörbehinderung ein grosses Plus, da gerade an kleineren Bahnhöfen heute häufig keine visuellen Informationen in Echtzeit zum Bahnverkehr zur Verfügung stehen. Mehr zu den interaktiven Bildschirmen gibt es hier zu lesen.  

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Ist der Weg in den Zug geschafft, ist das Ziel doch noch fern. Die Anzeigen in den Zügen sind für Menschen mit einer Sehbehinderung teilweise nicht nutzbar. Umso wichtiger sind Durchsagen, welche akustisch auf den nächsten Halt hinweisen. Zudem ist der Fernverkehr der SBB mit sogenannten Beacons ausgerüstet. Diese kleinen Sender ermöglichen in Kombination mit der App «SBB Inclusive» zusätzliche Informationen zur Identität des Zuges und zum Streckenverlauf. 

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Hilfestellungen sind unumgänglich – auch in Zukunft 

Absolute Barrierefreiheit verlangt einen hohen Technologiestandard. Es gibt bis heute Hürden, die auch aus technischer Sicht sehr schwer zu überwinden sind. Beispielsweise ist die akustische Aufbereitung von Bahnhof-Lageplänen eine echte Knacknuss. Sie lassen sich aufgrund ihrer Komplexität nur bedingt barrierefrei gestalten. Einen Lageplan mittels Alternativtext zu beschreiben, ist also kaum möglich. Bei solch unüberwindbaren Barrieren hilft beispielsweise das Personal des SBB Call Center Handicap oder Personal vor Ort.  

Klar ist: Menschen mit einer Beeinträchtigung sollen das gesamte Angebot der SBB barrierefrei nutzen können – online sowie offline. Die Entwicklungen dazu sind auf Kurs, das Ziel jedoch noch nicht erreicht. 

Aktueller Stand Umsetzung Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) 

  • Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) verlangt bis Ende 2023 unter anderem barrierefreie Zugänge zu den Perrons und Einstiege in die Züge.  

  • Heute können 68 Prozent der Reisenden in den Bahnhöfen der SBB durch Perronerhöhungen, Rampen und Lifte barrierefrei ein- oder aussteigen. 

  • Aufgrund von Projektänderungen, Abhängigkeiten zu anderen Bauprojekten oder Ressourcenengpässen sind Änderungen in der Bauplanung nie ausgeschlossen. So ist es auch im vergangenen Jahr zu einzelnen Verschiebungen gegenüber der Planung im Vorjahr gekommen. In solchen Fällen informiert die SBB die betroffenen Gemeinden aktiv und stimmt die weitere Planung eng mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV) und den Gemeinden ab. 

  • Bis Ende 2023 wird die SBB 135 weitere Bahnhöfe umbauen, sodass dann gemäss aktueller Planung 86 Prozent aller Reisenden barrierefrei ein- und aussteigen können.  

  • Wo der Umbau der Bahnhöfe erst nach 2023 erfolgt, wird die SBB Ersatzmassnahmen anbieten, beispielsweise in Form von Hilfestellung durch das Personal. 

  • Der aktuelle Stand der Planung pro Bahnhof ist auf folgender Karte ersichtlich.