Liebesglück in drei Akten

Eine Frau auf dem Weg nach München, eine hastige Anweisung eines Zugbegleiters und eine ausserfahrplanmässige Abfahrt auf Gleis 8 im Zürich Hauptbahnhof. Das sind die Zutaten für eine Romanze, die vor neun Jahren ihren Lauf genommen hat. Eine wahre Geschichte in drei Akten.

Verlobung am Bahnhof
Verlobung am Bahnhof

Akt 1: Laurence und der Zugbegleiter

Sie erinnert sich, als wäre es erst gestern gewesen. Laurence ist am 07.08.2008 auf dem Weg nach München, will dort ihre Freunde besuchen. Pünktlich kommt ihr Zug aus der Waadt in Zürich an. Schnell stellt Laurence aber fest, dass der Zug nach München wegen Arbeiten nicht auf dem fahrplanmässigen Gleis abfahren würde. Rasch den Zugbegleiter fragen, denkt sich Laurence, der muss ja wissen, wo der Zug nach München abfährt. «Folgen Sie diesem Mann», antwortet der Zugbegleiter hastig und zeigt dabei auf den Herrn im dunkelblauen Polohemd, der zügig Richtung Perron 8 marschiert. Laurence beeilt sich, sie will ihn nicht aus den Augen verlieren oder womöglich noch den Zug verpassen.

Akt 2: Ein Abenteuer vs. ein reservierter Sitzplatz

Kurz vor dem Einsteigen ergibt sich zwischen den beiden ein kurzes aber sehr höfliches Gespräch. Laurence erfährt, dass der gut gekleidete Herr nur eine halbe Stunde von ihr entfernt wohnt und ebenso nach München für ein Treffen mit Freunden unterwegs ist. Spontan schlägt sie ihm vor, die vierstündige Reise von Zürich nach München gemeinsam fortzusetzen. Laurence leistet ganze Überzeugungsarbeit. «Ich habe versucht, ihn umzustimmen, damit er mit mir in einem Abteil fährt und nicht den von ihm reservierten Sitzplatz beansprucht», schmunzelt Laurence. Silvio, dessen Name Laurence kurze Zeit später erfährt, lässt sich auf das Abenteuer ein. Das Schicksal, manche nennen es auch Zufall, nimmt seinen Lauf: In München angekommen, stellen Laurence und Silvio fest, dass ihre Freunde auch seine Freunde sind. «So sind wir uns das ganze Wochenende immer wieder begegnet und gefolgt» sagt Silvio. «Und noch etwas länger», ergänzt Laurence strahlend.

Akt 3: Kniefall auf dem Perron

Inzwischen sind die beiden seit fast neun Jahren ein Paar. Silvio hat seinen Entscheid, den sicheren Sitzplatz aufzugeben, nie bereut. Ob Zufall oder Schicksal -  das ist ihm egal. Der damalige Rahmen passt für seinen aktuellen Plan perfekt: Wie bereits neun Jahre zuvor fahren Laurence und Silvio erneut den Weg nach München und steigen um in Zürich - mit einem kleinen Intermezzo: Auf dem Perron angekommen, fällt Silvio auf die Knie und macht Laurence einen Heiratsantrag. Sie strahlt und sagt sofort «Ja». Noch immer hallt es ihr in den Ohren. «Folgen Sie diesem Mann...». Auch Silvio ist dem Zugbegleiter sehr dankbar. «Dieser hat seine Anweisung von damals sicher schnell wieder vergessen, für seine bin ich ihm aber ewig dankbar.»

Täglich kreuzen sich tausende Menschen im Zug und im Bahnhof. Vielleicht sind Laurence und Silvio vor diesem schicksalhaften Tag bereits mehrere Monate oder gar Jahre im selben Bus oder Zug irgendwo in der Waadt zusammen unterwegs gewesen. Begegnet sind sie sich nie.

Kennen auch Sie solche oder ähnliche Geschichten? Gibt es in ihrer Familie oder im Freundeskreis Menschen, die sich ebenfalls unterwegs im öffentlichen Verkehr kennen- und lieben gelernt haben? Oder haben Sie gar selber bereits um die Hand ihres Partners oder Ihrer Partnerin im Bahnhof oder im Zug angehalten?

Kommentieren Sie gleich unterhalb in den Kommentaren, wir sind gespannt auf Ihre Liebesgeschichten.