Wie die Drohne zum Schutz der Bahn beiträgt

Für viele ein Spielzeug, für Heinz Müller bald ein alltägliches Arbeitsmittel: Die Drohne. Der erste Drohnenpilot der SBB kontrolliert damit regelmässig das Gerinne am Rossberg bei Arth-Goldau und trägt so zum Schutz der Bahnlinie unterhalb des Hanges bei.

Mit der Drohne überwacht die SBB das Gerinne am Rossberg
Mit der Drohne überwacht die SBB das Gerinne am Rossberg

«Dieser Berg macht schon seit jeher Kummer», sagt Heinz Müller. Der ausgebildete Bergführer weiss, wovon er redet. Er arbeitet seit zehn Jahren bei der SBB als Überwachungsspezialist von Naturrisiken. Sein Job: In der Region Süd die Berge überwachen. Denn von oben kommt nicht nur Gutes.

Im Falle des Rossbergs wurde das 2005 deutlich: 199 Jahre nach dem Bergsturz von Goldau wälzten sich nach starken Regenfällen rund 30 000 Kubikmeter Schlamm und Fels den Rossberg hinunter und begruben die Bahnlinie und Teile des Dorfs unter sich. Zehn Tage lang ging auf der Bahnstrecke nichts mehr.

Damit sich ein derartiges Ereignis nicht wiederholt, wird das Gerinne am Rossberg intensiver überwacht. Denn das muss frei sein: «Wenn sich beispielsweise Holz darin sammelt, kann Regenwasser nicht mehr frei abfliessen. Die Gefahr ist, dass dann alles auf einmal nach unten stürzt.»

Konzentriert steuert Heinz Müller die Drohne. Bisher durfte die SBB nur mit Sichtkontakt fliegen.

Die Gerinneüberwachung ist Teil der Aufgaben der SBB Spezialisten für Naturrisiken. Der Rossberg ist der erste Ort, bei dem die SBB standardmässig Drohnen nutzt. Für Heinz Müller bedeutet das, dass er dieses Gerinne auch ohne Begehung inspizieren kann. Die Drohne macht das sichtbar, was er von unten nicht sehen kann. So wird seine Arbeit schneller und sicherer. «Früher brauchte ich einen Tag, heute bin ich in einer Stunde fertig.»

Zeitgewinn ist aber nicht der einzige Vorteil. Denn die Tätigkeit im Terrain ist je nach Wetter auch für erfahrene Bergführer wie Heinz Müller immer mit einem Risiko verbunden. Und noch einen Vorteil hat die Arbeit mit der Drohne: Sobald er die Bilder im Kasten hat, studiert er sie in Ruhe in seinem Büro im Erhaltungs- und Interventionszentrum Erstfeld. «Durch die Aufnahmen haben wir eine viel umfangreichere Dokumentation zur Verfügung. Ich kann sie mit Bildern von vorherigen Kontrollen vergleichen und im Zweifelsfall den Geologen zum Überprüfen schicken.» Zu seinem Job gehört es auch, allfällige bauliche Massnahmen einzuleiten und zu koordinieren.

Das Gerinne des Rossbergs wird regelmässig überwacht, um sicherzustellen, dass das Gerinne frei ist
Der Rossberg bei Arth ist der erste Ort, bei dem die SBB standardmässig Drohnen zur Überwachung von Gerinnen einsetzt
Die handliche Drohne lässt sich zusammenfalten und ist dank ihres Leichtgewichts unter einem Kilo einfach zu transportieren

Das Gerinne des Rossbergs wird regelmässig überwacht, um sicherzustellen, dass das Gerinne frei ist

Der Rossberg bei Arth ist der erste Ort, bei dem die SBB standardmässig Drohnen zur Überwachung von Gerinnen einsetzt

Die handliche Drohne lässt sich zusammenfalten und ist dank ihres Leichtgewichts unter einem Kilo einfach zu transportieren

Die Skepsis ist buchstäblich verflogen

Grundlegend geändert hat sich die Arbeit von Heinz Müller aber nicht. «Begehungen braucht es immer noch. Es sind einfach weniger als früher.» Seine 800 Gramm leichte Begleiterin sieht er mittlerweile als Bereicherung, auch wenn er zunächst skeptisch war. «Ich habe mich schon gefragt, ob es mich dann überhaupt noch braucht.» Für ihn habe es zwei Optionen gegeben: «Blockieren und mich so sicher aufs Abstellgleis manövrieren oder mitmachen und die Innovation mitgestalten.»

Er entscheidet sich für letzteres – und ist nun mittendrin in einem dynamischen Prozess, der zum ersten September eine ganz neue Wendung bekam: Die SBB hat vom Bundesamt für Zivilluftfahrt die Bewilligung erhalten, Drohnenflüge «im Zusammenhang mit Inspektionen und der Überwachung von Couloirs, Schutzmassnahmen oder ähnlichem in unbewohnten Gebieten oberhalb von Infrastrukturanlagen der SBB» auch ohne direkten Augenkontakt durchzuführen.

Bisher musste Heinz Müller die Drohne nämlich immer im Blick haben. Was einfach tönt, bedeutete in der Praxis eine Einschränkung: «Viele zu überwachende Objekte sind zu hoch oder hinter Felsen gelegen, so dass ich die Drohne nicht ohne Sichtkontakt fliegen könnte.» Unter anderem auch deshalb setzt die SBB bisher nur am Rossberg Drohnen ein.

Für die SBB eröffnen sich mit der Bewilligung ganz neue Möglichkeiten. Noch in diesem Jahr beginnt die SBB zum Beispiel damit, die Gerinne der Rigi mit Drohnen im Auge zu behalten. Heinz Müller wird nicht mehr lange der einzige Drohnenpilot bei der SBB sein.

Neues Kompetenzzentrum Drohnen

Seit August ist das Kompetenzzentrum Drohnen die zentrale Anlaufstelle für den Einsatz von Drohnen bei der SBB. Es unterstützt die Divisionen mit Ideen und Wissen für verschiedene Drohnenanwendungen und bietet Hilfestellung bei Fragen rund um Technik, Ausbildung, optische Bildauswertung und gesetzliche Anforderungen.