Warum auch Güter pünktlich ankommen müssen

Die Pünktlichkeitswerte von SBB Cargo fliessen neu zu 20 Prozent ins Konzernziel Pünktlichkeit der SBB AG ein. Roland Walter, «Mister Pünktlichkeit» bei SBB Cargo, erklärt, warum dieser Schritt Sinn macht und wieso er für den Güterverkehr wichtig ist.

Auch bei SBB-Cargo ist Pünktlichkeit wichtig
Auch bei SBB-Cargo ist Pünktlichkeit wichtig

Pünktliche Züge von SBB Cargo: Das ist Roland Walters grosses Anliegen. Als Pünktlichkeitsverantwortlicher bei der Division Güterverkehr ist es nämlich seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass das Ziel von 91 Prozent Kundenpünktlichkeit erreicht wird. Von seinen Kollegen wird Walter darum auch «Mister Pünktlichkeit» genannt. Er setzt also alles daran, dass die Güterzüge zur rechten Zeit am rechten Ort sind. Und er kämpft dafür, dass sie auf dem Schienennetz gleich behandelt werden wie Personenzüge. Offiziell ist der Güterverkehr seit Sommer 2016 nämlich dem Personenverkehr gleichgestellt. Das heisst: Die Mitarbeitenden in den Betriebszentralen sind angehalten, bei einem Engpass die Verbindungen im Personen- und im Güterverkehr gleichwertig zu behandeln.

Der «Mister Pünktlichkeit» bei SBB Cargo, Roland Walter, setzt sich dafür ein, dass Güterzüge auf dem Netz gleich behandelt werden wie Personenzüge – und so ebenfalls pünktlich ankommen.

Eine halbe Stunde später im Stau

Kann denn ein Güterzug überhaupt wichtiger sein als ein Zug mit Passagieren, die rechtzeitig nach Hause wollen? Roland Walter antwortet mit einem einfachen Beispiel: «Stellen Sie sich vor, Sie haben im letzten Moment Tickets für ein Konzert bestellt und sich diese mit A-Post schicken lassen», erklärt Walter. Muss der Postzug an einem Engpass warten und erhält eine halbe Stunde Verspätung, verpasst er seinen Anschluss in Zürich Mülligen für die Feinverteilung in der internen Logistik der Post. Das Ticket liegt dann nicht wie gewünscht am nächsten Tag im Briefkasten, sondern erst einen Tag später. Zu der Zeit ist das Konzert aber schon vorbei.

Die Pünktlichkeit von Güterzügen sei aber nicht nur bei Postsendungen entscheidend, erklärt Roland Walter. Auch andere Kunden seien darauf angewiesen, dass die Güter pünktlich bei den Umschlagterminals ankommen. «Ist am frühen Morgen ein Güterzug eine halbe Stunde zu spät, werden die Güter demnach zu spät auf den LKW umgeladen. Dieser kommt dann genau in den Morgenverkehr und verspätet sich so noch mehr», erklärt der 29-Jährige. Genau das wolle er verhindern. Denn solche Szenarien seien für den Endkunden extrem mühsam.

Pünktlichkeit ist natürlich auch im Personenverkehr ein grosses Thema

Seit dem 1. Januar 2018 ist die Pünktlichkeit von SBB Cargo im Konzernziel Kundenpünktlichkeit der SBB integriert. Das heisst: Die Werte von SBB Cargo haben einen Einfluss von 20 Prozent auf das Endergebnis der SBB Pünktlichkeit. Roland Walter findet das gut: «Wir sind alle ein Teil eines Konzerns, deshalb finde ich es wichtig, dass auch alle Werte in die Gesamtmessung integriert werden.» Er verspreche sich denn auch eine bessere Sensibilisierung bei allen Beteiligten in den Prozessen zum Thema Pünktlichkeit.

 

Pendlerströme im Bahnhof Bern: Als pünktlich gilt jeder Reisende, der an seinem Ankunfts- bzw. Umsteigebahnhof mit weniger als drei Minuten Verspätung ankommt.
Sarah Tischhauser, Leiterin Business Intelligence, hat bis vor Kurzem das Konzernziel Pünktlichkeit verantwortet.

Pendlerströme im Bahnhof Bern: Als pünktlich gilt jeder Reisende, der an seinem Ankunfts- bzw. Umsteigebahnhof mit weniger als drei Minuten Verspätung ankommt.

Sarah Tischhauser, Leiterin Business Intelligence, hat bis vor Kurzem das Konzernziel Pünktlichkeit verantwortet.

Im Personenverkehr ist die Pünktlichkeit schon seit jeher das A und O des Tagesgeschäftes. «Die Schweizer Kunden setzen eine hohe Pünktlichkeit voraus», sagt Sarah Tischhauser, Leiterin Business Intelligence. Darum habe das Thema als Top-Konzernziel einen sehr hohen Stellenwert im Unternehmen. «Die Pünktlichkeit ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aller Beteiligten, aus Rollmaterial, Anlagen, Planung und Produktion. Kennen alle ihren direkten Beitrag zur Pünktlichkeit und setzen ihn gut um, dann sind wir rechtzeitig unterwegs», erklärt es Tischhauser einfach. Dennoch werde es immer Störungen geben, ob technischer oder auch externer Ursache – beispielsweise Unwetter. «In solchen Momenten setzt die SBB alles daran, Dauer und Ausmass der Verspätung so klein wie möglich zu halten», erklärt Tischhauser. Und Walter ergänzt: «Genau das Gleiche gilt natürlich auch für den Güterverkehr.» Denn die beiden haben ein gemeinsames Ziel: Dass alle Züge der SBB, egal ob im Personen- oder im Güterverkehr, auf dem Schweizer Netz pünktlich ankommen.

Wie wird «pünktlich» eigentlich gemessen?

Pünktlichkeit im Personenverkehr

Grundsätzlich misst die Pünktlichkeitskennzahl den Anteil der pünktlichen Reisenden. Als pünktlich gilt jeder Reisende, der an seinem Ankunfts- bzw. Umsteigebahnhof mit weniger als drei Minuten Verspätung ankommt. Es handelt sich um eine digitale Berechnung (pünktlich oder unpünktlich). Grössere Verspätungen werden nicht stärker gewichtet. Ist ein Reisender von einem Zugsausfall betroffen, gilt seine ganze Reise als unpünktlich, auch wenn seine nächste Verbindung pünktlich ankommt.

Pünktlichkeit im Güterverkehr

Die Pünktlichkeit im Güterverkehrt setzt sich aus der Sendungspünktlichkeit sowie der Pünktlichkeit von Schlüsselverbindungen zusammen. Die Sendungspünktlichkeit misst einerseits den Anteil zugestellter Wagen im versprochenen Bedienzeitfenster. Die 50 definierten Schlüsselverbindungen bestehen aus Verbindungen im Wagenladungs- und im Ganzzugsverkehr, die für einen reibungslosen Ablauf in der Logistikkette der Kunden sehr relevant sind. Beide Kennzahlen fliessen zu je 50 Prozent in die Kennzahl Kundenpünktlichkeit SBB Cargo ein.