Weltweit wird an Bahnhöfen kaum noch geraucht

Ab dem 1. Februar 2018 führt die SBB an sechs Bahnhöfen einen Praxistest mit rauchfreien Zonen durch. Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Das Rauchen am Bahnhof ist fast überall verboten.

Adieu Zigarettenqualm
Adieu Zigarettenqualm

Basel SBB, Bellinzona, Chur, Neuchâtel, Nyon und Zürich Stadelhofen: In diesen sechs Bahnhöfen testet die SBB in den nächsten Monaten unterschiedlich ausgeprägte rauchfreie Zonen. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln, die später in eine schweizweit einheitliche Lösung an SBB Bahnhöfen einfliessen sollen. Während in Basel SBB, Nyon und Zürich Stadelhofen das Rauchen während der Testphase ganz verboten ist, werden in Bellinzona, Neuchâtel und Chur spezielle Raucherzonen auf den Perrons eingerichtet. Mit diesen Massnahmen soll die Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen verbessert und die Aufenthaltsqualität der Kundinnen und Kunden gesteigert werden.

Ein Blick in andere Länder zeigt, dass dort an den Bahnhöfen kaum mehr oder nur noch sehr eingeschränkt geraucht werden darf.

Deutschland: Rauchen nur in der gelben Zone

Grundsätzlich gilt auf deutschen Bahnhöfen Rauchverbot, seit das Bundesnichtraucherschutzgesetzes im Jahr 2007 in Kraft getreten ist. Ausnahme bilden die mit gelben Bodenmarkierungen gekennzeichneten und mit Aschenbechern ausgestatteten Raucherbereiche auf den Perrons. Bei Verstössen gegen das Rauchverbot wird eine Busse von 15 Euro fällig.

Österreich: Kein Rauch mehr in Wien

Die gleiche Regelung wie in Deutschland wird auch in Österreich angewandt: Grundsätzlich herrscht auf Bahnhöfen Rauchverbot, Ausnahme bilden die mit Bodenmarkierungen gekennzeichneten Zonen auf den Bahnsteigen. Die Ausnahme von der Ausnahme bildet der Wiener Hauptbahnhof: Hier gilt seit Anfang September 2017 ein komplettes Rauchverbot, alle Raucherzonen und Aschenbecher wurden entfernt. Das rigorose Rauchverbot funktioniere sehr gut, verlautete ein ÖBB-Sprecher gegenüber der österreichischen Presseagentur APA. Verstösse und Verschmutzungen würden sich in einem überschaubaren Rahmen halten.

Frankreich: «Fumer strictement interdit»

Auch in Frankreich ist das Rauchen in Bahnhöfen und auf Perrons strikte verboten. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Busse von 68 Euro rechnen. Auf ungedeckten Perrons kleinerer Bahnhöfe werden Raucherinnen und Raucher geduldet – solange der Rauch andere Reisende nicht stört. Für alle Bahnhöfe in der Stadt Paris hingegen gilt: fumer strictement interdit – selbst wenn den Wartenden der Regen auf einem ungeschützten Perron auf die Stirne tropft.

Italien und weitere europäische Länder: «Rauchen verboten»

Dieselbe Regelung wie in Frankreich gilt auch in Italien: Für Bahnhöfe und überdachte Bahnsteige besteht eine striktes Rauchverbot, auf Freiluftperrons wird das Rauchen geduldet.

Rauchen verboten: Das gilt an den Bahnhöfen der meisten europäischen Länder

Wie die Recherche zeigt, besteht in fast allen andern europäischen Staaten ein komplettes Rauchverbot an Bahnhöfen und auf Perrons, so beispielweise in den Niederlanden, in Dänemark, in Belgien, Spanien und in Polen. Auch in Griechenland gibt es kein Pardon für Raucher, und selbst in Tschechien, das lange als europäisches Raucherparadies galt, darf seit einem Jahr an Bahnhöfen und Haltestellen nicht mehr gequalmt werden.

Türkei: Striktes Rauchverbot

«Rauchen wie ein Türke» lautet eine Redewendung in vielen europäischen Sprachen. Seit einigen Jahren sorgen jedoch gesetzliche Regelungen dafür, der einst so innigen Beziehung der Türken zum Tabak den Garaus zu machen. Die Türkei hat heute eines der strengsten Anti-Tabakgesetze weltweit. Nicht einmal mehr in Parks, auf überdachten Terrassen, vor Bars und Restaurants darf mehr geraucht werden. Versteht sich von selbst, dass auch das Rauchen an Bahnhöfen strikte untersagt ist.

USA: Non smoking area

Freiheit, Abenteuer und ein zigarettenrauchender Cowboy. Dass diese Zeiten endgültig passé sind, weiss jeder, der in den letzten Jahren die USA bereist hat. Rauchen in der Öffentlichkeit ist fast immer und überall verboten – selbstverständlich auch an Bahnhöfen. Wer raucht, manövriert sich zudem auf direktem Weg ins soziale Abseits: In den USA gilt Rauchen heute als Charakterschwäche und schlechtes Benehmen.

Russland: Von der Rauchernation zum Rauchverbot

Am 1. Juni 2013 trat in Russland ein umfassendes Rauchverbot in Kraft. Es gilt an Arbeitsplätzen und in Arbeitsbereichen, in Behörden, Schulen, medizinischen Einrichtungen, an Stränden, auf Kinderspielplätzen, in Treppenhäusern und Fahrstühlen, im städtischen Nahverkehr und in Vorortbahnen, ferner in Flughäfen, in der Metro, in Bahnhöfen und in einer 15 Meter weit gefassten Zone vor deren Eingängen. Polizeikontrollen stellen sicher, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der weltweit zweitgrössten Rauchernation das Verbot einhalten.

Nur in China wird munter weitergequalmt

315 Millionen Chinesen rauchen. Nur in wenigen Grossstädten greifen strenge Gesetze zum Nichtraucherschutz, die das Rauchen in allen öffentlichen Innenräumen und im Strassenverkehr verbieten. Die Durchsetzung der Verbote ist nicht zuletzt deshalb schwierig, weil bisher noch kein staatliches Rauchverbot besteht. Und so wird in China munter weitergequalmt – widerrechtlich und auch an den Bahnhöfen.