Flammenwerfer für freie Fahrt

Krieg und Gewalt: Daran denkt man beim Wort «Flammenwerfer». Vor 50 Jahren setzte aber auch die SBB ein solches Gerät ein – zum Kampf gegen Eis und Schnee.

Feuerspeier auf Schienen (Rapperswil, 1968)
Feuerspeier auf Schienen (Rapperswil, 1968)

Einige erinnern sich an jenen Nationalrat, der vor zwei Jahrzehnten «Linke und Grüne an die Wand nageln und mit dem Flammenwerfer drüber» wollte. Seine Partei operierte mit dem Slogan «Freie Fahrt für freie Bürger». Für freie Fahrt sollte der Flammenwerfer auch bei der SBB sorgen. Der mobile Feuerspeier hatte zum Zweck, vereiste und eingeschneite Weichen wieder flott zu machen. Die Apparatur mit zwei grossen Brennern und einem 1800-Liter-Tank wurde von einem Schienentraktor bewegt.

Offenbar erfüllte das furchteinflössende Gerät seinen Zweck: «Während der starken Schneefälle konnten innerhalb einer Stunde alle Weichen freigemacht werden», meldete das SBB Nachrichtenblatt stolz. Die weiteren Spuren des Einzelstücks verlieren sich aber nach wenigen Jahren Einsatz in Rapperswil im Schnee.  Zur gleichen Zeit begannen sich nämlich ortsfeste Weichenheizungen – mit Propangas oder Strom betrieben – durchzusetzen. Diese waren langfristig zweckmässiger. Heute spenden bei Bedarf netzweit 7400 Anlagen Wärme.  

Mit Dampf ging es besser

Noch etwas war vor 50 Jahren neu: zwei selbstfahrende Schneeschleudern für den Winterbetrieb am Gotthard.

Mit Dampf gegen Eis: Dampfschneeschleuder Xrot 100 «Rotary» von 1896 am Gotthard (aufgenommen 1966)
Hier dampft es doppelt – die Dampfschneeschleuder «Rotary» von 1896, geschoben von einer schweren Güterzuglokomotive C 5/6 (1968)
Seit 50 Jahren in Bereitschaft gegen Schneemassen: die selbstfahrende, abdrehbare Schneeschleuder Xrot 97 (ca. 1968)

Mit Dampf gegen Eis: Dampfschneeschleuder Xrot 100 «Rotary» von 1896 am Gotthard (aufgenommen 1966)

Hier dampft es doppelt – die Dampfschneeschleuder «Rotary» von 1896, geschoben von einer schweren Güterzuglokomotive C 5/6 (1968)

Seit 50 Jahren in Bereitschaft gegen Schneemassen: die selbstfahrende, abdrehbare Schneeschleuder Xrot 97 (ca. 1968)

Ihre zwei Schleuderräder konnten den Schnee bis zu 40 Meter fort speien. Vor den Schleuderrädern war je ein Propeller angebracht, um harten und schweren Lawinenschnee vorweg aufzulockern. Die drehbaren Schleudern sollten die legendäre Dampfschneeschleuder «Rotary» aus dem Jahr 1896 ersetzen.

Doch im Lawineneinsatz blieb der Veteran aus Vor-SBB Zeit überlegen. So frass sich der «Rotary» noch im Lawinenwinter 1975 durch Schneemassen im Urner Reusstal und der Leventina. Heute steht er im Verkehrshaus.

Schneeräumen ist auch Handarbeit: kräftige Männer mit Schaufeln in Göschenen (ca. 1960)
Schneeräumen auch auf dem Perron (an der Gotthardstrecke, 1960)

Schneeräumen ist auch Handarbeit: kräftige Männer mit Schaufeln in Göschenen (ca. 1960)

Schneeräumen auch auf dem Perron (an der Gotthardstrecke, 1960)

Unterdessen haben Klimaerwärmung und der Basistunnel die Einsätze der Schneeschleudern vermindert. Heute stehen bei der SBB noch drei grosse Schneeschleudern in Bereitschaft; die letzten beiden hatte sie 1982 beschafft. 

Zeitreise

In dieser Rubrik blicken wir zurück auf alten Bahnzeiten. Bahntradition und Bahnwissen stehen im Mittelpunkt.