Sie bewegt die Schweiz

Wäre der Bahnbetrieb der menschliche Körper, dann wären die Betriebszentralen das Gehirn. Hier laufen alle Fäden zusammen. Zugverkehrsleiterin Chiara Keller ist eine der «Gehirnzellen» und sorgt dafür, dass Kunden und Güterzüge pünktlich und sicher an ihr Ziel kommen.

Zugverkehrsleiterin Chiara Keller
Zugverkehrsleiterin Chiara Keller

Stellen Sie die Signale auf grün – werden Sie Zugverkehrsleiter! Starten Sie beruflich durch und bewegen Sie als Zugverkehrsleiterin oder Zugverkehrsleiter die Schweiz. Die Ausbildung dauert acht Monate und bereitet Sie optimal auf den Berufsalltag vor.

Nächste Ausbildungsbeginne:

01.11.2018 – Olten (deutsch)

01.11.2018 – Basel (deutsch)

01.11.2018 – Lausanne (französisch)

01.02.2019 – Zürich Flughafen (deutsch)

So werden Sie Zugverkehrsleiter

In der Betriebszentrale Mitte in Olten ist es im Sektor «Gurten» ruhig. Ein gutes Zeichen für alle SBB Kunden im Raum Bern: Die Züge verkehren hier pünktlich und störungsfrei. Zugverkehrsleiterin Chiara Keller steht hinter einer Wand von Bildschirmen und überwacht die grünen und roten Linien, die das «Iltis» ihr anzeigt. «Grün zeigt an, wo ein Zug fahren wird. Eine rote Linie bedeutet, dass in diesem Abschnitt ein Zug ist.» Iltis steht für «integriertes Leit- und Informationssystem». Es steuert und überwacht die Anlagen wie beispielsweise die Signale und Weichen. «Zugverkehrsleiter müssen den Zugbetrieb nicht von Hand steuern. Vereinfacht gesagt greife ich nur bei Störungen ein oder wenn beispielsweise für Bauarbeiten Gleissperrungen nötig sind.» Um im Störungsfall schnell reagieren zu können, arbeiten die Zugverkehrsleiter in einem fixen, geografischen Sektor. «Wir müssen unseren Sektor wie unsere Westentasche kennen.»

Zugverkehrsleiterin Chiara Keller überwacht an den Bildschirmen den Bahnverkehr

Von Null auf Hundert

Die abstrakt anmassenden Linien und Bildschirmansichten können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Zugverkehrsleiter eine hohe Verantwortung tragen. Jeder Eingriff in den Betriebszentralen kann über Menschenleben entscheiden: Eine falsch gestellte Weiche oder ein nicht gesperrtes Gleis können fatale Folgen haben. Chiara Keller ist sich dieser Verantwortung bewusst. «Ich stelle mir immer wieder vor, wie Menschen in den Zügen sitzen oder im Gleisfeld arbeiten.» Jede Zugfahrt wird deshalb genau überwacht. Wenn Chiara Keller ihren Arbeitsplatz auch nur kurz verlässt, muss sie sicherstellen, dass in dieser Zeit in ihrem Bereich gerade kein Zug fährt. «Je nach Tageszeit ist das nicht ganz einfach. Ansonsten muss ein Kollege das im Blick behalten.» Denn kommt es hier zu einer Störung, müssen die Zugverkehrsleiter schnell reagieren – und einen kühlen Kopf bewahren. «Dann ist auch Flexibilität gefragt: Einerseits muss man als Zugverkehrsleiter selbstständig sein, andererseits muss man gerade bei Störungen gut im Team arbeiten.» Bei grösseren Störungen übernimmt jeder Mitarbeitende im Sektor eine bestimmte Funktion wie beispielsweise die Ersatzbuskoordination. «Damit auf einen Blick klar ist, wer für was zuständig ist, tragen wir farbige Westen.» Sämtliche Massnahmen wie beispielsweise Ersatzbusse oder die Kundeninformation auf Perronanzeigern und Lautsprecherdurchsagen auf dem Perron werden aus der Betriebszentrale gesteuert.

Langeweile gibt es nicht

Diesen Gegensatz zwischen Ruhe und Sturm schätzt Chiara Keller. «Jeder Tag ist anders.» Die Arbeitszeiten variieren dabei. «In den Betriebszentralen arbeiten wir an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr.» Mit der Schichtarbeit hat sie kein Problem. «Wir können gut vorausplanen. Fixe Tage und Ferien wissen wir ein Jahr im Voraus. Selbstverständlich können wir uns dann untereinander organisieren und Schichten tauschen, falls wir einmal anders frei nehmen möchten als geplant.» Je nach Einteilung ist es möglich, dass Chiara Keller auch einmal acht Tage am Stück arbeitet. Ein Vorteil, wie sie findet. «Dafür habe ich dann wieder vier oder fünf Tage frei und kann das zum Beispiel für einen spontanen Städtetrip nutzen.» Und noch etwas schätzt sie: «Wenn meine Schicht zu Ende ist, ist meine Arbeit für den Tag erledigt. Ich kann abschalten und fange am nächsten Tag wieder frisch an.» Chiara Keller hat ausserdem die fachlichen Entwicklungsmöglichkeiten genutzt und profitiert von noch mehr Abwechslung in ihrem Job. «Ich arbeite zu 40 Prozent als Zugverkehrsleiterin. 60 Prozent arbeite ich an der Teameinteilung.»

In meinem Job bewege ich buchstäblich etwas.

Chiara Keller

Ein Erlebnis bleibt ihr übrigens in besonderer Erinnerung: ein Bundesratszug. Der Zug war abfahrbereit – aber der Bundesrat stand noch auf dem Perron. Sie sagt verschmitzt: «Dann habe ich den Bundesrat per Ansage gebeten, einzusteigen.» Natürlich hat sie es sich nicht nehmen lassen, die Ansage per Mikrofon und nicht per Computer zu machen. Sie grinst und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: «Allzu oft hat man nicht die Gelegenheit, einem Bundesrat zu sagen, was er tun soll.» Jeder Tag ist eben wirklich anders.

Bei der Arbeit

Einblick in andere Berufswelten: Wir portraitieren interessante Menschen mit interessanten Tätigkeiten bei der SBB und ihren Tochtergesellschaften.