Er plant den Fahrplan des Léman Express: Manuel Dal Molin

Während Ingenieure, Architekten und Gleismonteure Tunnels, Fahrbahn und Bahnhöfe der CEVA bauen, plant Manuel Dal Molin den Fahrplan für die Züge des Léman Express, die auf dieser Neubaustrecke fahren werden.

Er plant den Fahrplan des Léman Express: Manuel Dal Molin
Er plant den Fahrplan des Léman Express: Manuel Dal Molin

Manuel Dal Molin hält grosse A3-Blätter in der Hand. Jedes mit einer Excel-Tabelle und lauter farbigen Zellen. Das sind die Fahrpläne des künftigen Léman Express, der ab Dezember 2019 auf den Gleisen des Neubauprojekts CEVA verkehren wird. Léman Express? Das ist die grösste grenzüberschreitende S-Bahn Europas mit 230 Streckenkilometern, 45 Bahnhöfen und einem Einzugsgebiet von knapp 1 Million Einwohnern im Grossraum Genf.

Es scheint keine leichte Aufgabe zu sein, die Fahrpläne zu planen, wenn die Schienen der CEVA noch gar nicht fertig verlegt sind. Doch die grösste Schwierigkeit für den 37-jährigen Geografen aus dem französischen Burgund besteht darin, zum Wohle der künftigen Kunden die Wünsche und Einschränkungen aller Partner zu berücksichtigen. Und der Partner gibt es viele: einmal die Eisenbahnunternehmen SBB und SNCF, dann die Infrastrukturbetreiberinnen SNCF Réseau und SBB Infrastruktur und nicht zuletzt die Besteller in beiden Ländern: das Bundesamt für Verkehr, der Kanton Waadt und Genf in der Schweiz, die Region Auvergne Rhône-Alpes in Frankreich.

Hier kommt Manuel Dal Molin seine Berufserfahrung bei der französischen Region Bourgogne Franche-Comté und später bei der SBB zugute: «Man muss beide Kulturen beachten und die Besonderheiten beider Bahnnetze kennen. Das zeigt sich etwa bei der Überwachung und Instandhaltung der Infrastruktur: In der Schweiz geschehen diese Arbeiten vornehmlich nachts und wirken sich kaum auf den Betrieb aus. In Frankreich aber tagsüber und schränken somit den Zugverkehr ein. Gerade erst habe ich von ihnen eine geänderte Planung erhalten und muss meinen Fahrplanentwurf anpassen …», erläutert der Angebotsplaner und setzt hinzu: «Die Firma Lémanis, die zu 40 Prozent der SNCF, zu 60 Prozent der SBB gehört, wurde aus dem ganz realen Bedürfnis nach Konzertierung und Vereinfachung gegründet. Als Vertreterin der beiden historischen Bahnunternehmen nimmt sie in den Bereichen Planung und Vermarktung des künftigen Angebots des Léman Express eine Rolle als Vermittlerin und einziger Ansprechpartnerin für die Besteller wahr.»

Dazu gehört nicht nur der Fahrplan. Die Arbeit von Manuel Dal Molin besteht auch darin, das Angebot so auszugestalten, dass es der geplanten Nachfrage gerecht wird: So ist etwa die Zuglänge zu den Hauptverkehrszeiten nicht dieselbe wie an Wochenenden. Und um welche Zeit soll der letzte Zug von Genf nach Annecy fahren? «In der ersten Fahrplanversion war das kurz vor 20 Uhr, das heisst früher als bei den anderen Verbindungen. Nun habe ich bei den Bestellern beantragt, die Bediendauer mit den anderen Verbindungen zu harmonisieren und die letzte Fahrt am Abend kurz vor 22 Uhr anzusetzen», so Manuel Dal Molin weiter.

Ein brandneuer Zug: Manuel Dal Molin vor einem der ersten Triebzüge des Léman Express im Bahnhof Genf.

Ein brandneuer Zug: Manuel Dal Molin vor einem der ersten Triebzüge des Léman Express im Bahnhof Genf.

In den letzten Wochen sind auf der Strecke Coppet–Lancy-Pont-Rouge die ersten Flirt-France-Züge des Léman Express aufgetaucht. Manuel Dal Molin bringt uns zum Perron, um ein in den Farben des Léman Express bekleidetes Exemplar auf der Durchfahrt in Genf Cornavin zu bewundern. «Nach Jahren der Planung endlich etwas Konkretes!» freut er sich.

Doch es bleibt noch viel zu tun bis zur kompletten Inbetriebnahme des Léman Express am 15. Dezember 2019: «Wir müssen die Trassen bestellen und natürlich die ganzen Vertragswerke mit den Bestellern abschliessen», erklärt Manuel Dal Molin. Und stellt sich schon diesen ganz speziellen Tag vor, an dem das neue S-Bahn-Netz in Betrieb gehen wird: «Ich werde frühmorgens, vor 5 Uhr da sein, um die Abfahrt der ersten Züge zu begutachten und zu sehen, ob rasche Verbesserungsmassnahmen nötig sind.»

Der brandneue Flirt France des Léman Express fährt ab Richtung Coppet. In ein paar Monaten eröffnen sich diesem Zug und den rund 50 000 Passagieren, die täglich auf dem Léman Express erwartet werden, ganz neue Horizonte.

CEVA, Lémanis, Léman Express – ein Glossar zum Mitreden:

CEVA (Cornavin–Eaux-Vives–Annemasse): Das Bauvorhaben für die Bahninfrastruktur: Tunnels, Fahrbahn und Bahnhöfe. In Partnerschaft mit SBB Immobilien.

Léman Express: Die S-Bahn, die den Grossraum Genf bedienen wird. Früher hiess sie S-Bahn «franco-valdo-genevois» (Frankreich, Waadt, Genf). Der Léman Express fasst den TER-Verkehr in Frankreich und den Regionalverkehr in der Schweiz zusammen.

Lémanis: Das Unternehmen, das für die Planung und Vermarktung des Léman Express zuständig ist. Es gehört zu 60% der SBB und zu 40% der SNCF.

Léman 2030: Das Ausbauprogramm des Jahrhunderts in der Romandie! Zu den Projekten gehört auch der Bau der Kreuzungsstellen in Mies und Chambésy, die für den Léman Express zwischen Coppet, Genf und Lancy-Pont-Rouge den Viertelstundentakt ermöglichen.

Zur Person:

Manuel Dal Molin, 37-jährig, Leiter Angebot Léman Express und Verträge bei Lémanis.

Sein Lesetipp:

«Blackout – Morgen ist es zu spät» von Marc Elsberg. «Ein Krimi, in dem alle Stromnetze Europas zusammenbrechen und die Kernkraftwerke ausfallen … eine faszinierende Auseinandersetzung mit unserem Verhältnis zur Energie.»

Seine Lieblingsmusik:

«Ich mag die Musik der französischen Rockband Noir Désir. Da ist auch viel Energie drin!