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Das ABC der Konzernrechnung

Konzernergebnis, Schuldendeckungsgrad, Free Cash Flow… Was bedeuten diese Begriffe im Geschäftsbericht genau? Finanzexperte Stefan Jaggi erklärt, wie die Konzernrechnung richtig gelesen wird.

Die Konzernrechnung 2017
Die Konzernrechnung 2017

Zahlen machen dir Angst und der Geschäftsbericht ist ein Buch mit sieben Siegeln für dich? Keine Sorge. Auch wenn es für Laien schwierig ist, das Rechnungswesen zu verstehen – eine Hexerei ist es nicht. Schliesslich funktioniert die Milchbüechli-Rechnung zu Hause nach ähnlichem Prinzip. Um die Konzernrechnung zu verstehen, hilft es darum, die Parallelen zu einem privaten Haushalt zu ziehen. Finanzexperte Stefan Jaggi erklärt, wie das geht und definiert die wichtigsten Begriffe.

Finanzexperte Stefan Jaggi, verantwortlich für die Konzernrechnung bei der SBB

Betriebsertrag

Bezeichnet die Summe aller Einnahmen.

SBB: Bei der SBB sind die grössten Posten bei den Einnahmen die Verkehrserträge (Zahlungen der Kunden des Personenverkehrs und des Güterverkehrs) sowie die Entgelte von Bund und Kantonen für die Infrastruktur und den Regionalverkehr. Zudem fallen hier auch die Mieterträge von Immobilien ins Gewicht.

Privathaushalt: In einem Privathaushalt entsprechen die Löhne der verschiedenen Familienmitglieder dem Betriebsertrag. Die Entgelte der öffentlichen Hand entsprechen zum Beispiel Beiträgen für die Steigerung der Energieeffizienz des eigenen Hauses oder Kinderzulagen als Kostenbeitrag an den Unterhalt der Kinder.

 

Betriebsaufwand

Bezeichnet die Summe aller Ausgaben.

SBB: Der mit Abstand grösste Ausgabeposten bei der SBB sind die Löhne fürs Personal. Sie machen fast die Hälfte des gesamten Aufwandes aus. Ein weiterer grosser Posten sind die Abschreibungen.

Privathaushalt: Gewöhnliche, meist wiederkehrende Ausgaben wie etwa für die Verpflegung, für die Miete, für Versicherungen und Kleider.

 

Abschreibungen (Teil des Betriebsaufwandes)

Bezeichnet die Wertminderung von Anlagen, die in der Jahresrechnung auf der Aufwandseite berücksichtigt werden müssen.

SBB: Die SBB besitzt zahlreiche Anlagen, die mit der Zeit an Wert verlieren. Unter anderem trägt die technische Abnutzung zur Wertminderung bei. Die Wertminderung muss in der Rechnung erfasst werden. Das ist für Unternehmungen gesetzlich vorgeschrieben. Weil die SBB in den letzten Jahren den Bahnbetrieb ausgebaut hat (Bahnhöfe, Doppelspur, Tunnel, neue Fahrzeuge…), sind auch die Abschreibungen gestiegen.

Privathaushalt: Abschreibungen kann man in einem Privathaushalt mit einem Sparbetrag vergleichen. Beispiel: Familie Muster kauft sich ein neues Fernsehgerät für 2000 Franken. Um dieses Gerät nach Ablauf seiner Lebensdauer durch ein neues ersetzen zu können, legt sie jedes Jahr einen Beitrag dafür auf die Seite.

 

Betriebsergebnis

Differenz zwischen Betriebsertrag und Betriebsaufwand.

SBB und Privathaushalt: Fällt das Resultat positiv aus, bleibt Geld übrig. Fällt das Resultat negativ aus, müssen (zusätzliche) Schulden gemacht werden.

 

Finanzergebnis

Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen von nicht betrieblichen Positionen wie zum Beispiel Zinsen oder Fremdwährungserfolge.

SBB: Der Zinsaufwand (die SBB muss für das Geld, das sie bei Banken ausgeliehen hat, Zinsen bezahlen) sowie der Aufwand für die Steuern werden nicht beim Betriebsaufwand hinzugerechnet. Diese speziellen Aufwände beeinflussen also nicht das Betriebsergebnis, sondern das Finanzergebnis.

Privathaushalt: Falls die Beispielfamilie Muster Zinsen für ein Darlehen zahlen muss, wird das nicht beim Betriebsaufwand eingerechnet. Es beeinflusst aber das Finanzergebnis negativ. Zweites Beispiel: Familie Muster besitzt Aktien, diese werfen eine Dividende ab. Dann wird das Finanzergebnis positiv beeinflusst.

 

Erfolg aus Immobilienveräusserungen

Einnahmen aus dem einmaligen  Verkauf von Objekten, die nicht mehr benötigt werden.

SBB: Landstücke, die nicht mehr für den Bahnbetrieb benötigt werden, werden teilweise verkauft.

Privathaushalt: Familie Muster verkauft ein paar Antiquitäten, die sie von der verstorbenen Grossmutter erhalten hat.

Konzerngewinn

Wird errechnet aus den Zahlen des Betriebsergebnisses, des Finanzergebnisses und des Erfolgs aus Immobilienveräusserungen.

 

Free Cash Flow

Der Free Cash Flow bezeichnet die Mittel, die aus dem operativen Geschäft nach Abzug der Investitionen  dem Unternehmen frei zur Verfügung stehen.

SBB: Ist der Free Cash Flow positiv, hat das Unternehmen mehr verdient als investiert. Das bedeutet, dass auch die Verschuldung gesunken ist. Der Schuldendeckungsgrad kann in einem solchen Fall verbessert werden. Der Schuldendeckungsgrad bezeichnet die Anzahl Jahre, die benötigt werden, um die heutigen Schulden zurückzuzahlen. Dies unter der Annahme, dass das Ergebnis so ausfällt wie in Berichtsjahr.

Privathaushalt: Beispielfamilie Muster verbleibt nach Abzug aller Ausgaben von ihrem Lohn ein Betrag von 8000 Franken. Sie kauft sich ein gebrauchtes Auto für 5000 Franken. Der Free Cash Flow ist also im Plus, er beträgt 3000 Franken.  Die Familie kann Schulden zurück zahlen oder das Geld dem Sparkonto gutschreiben.

 

Konzernbilanz

Bezeichnet das Verhältnis zwischen Vermögen und Schulden. Alle Posten, die im Konzerngewinn enthalten sind, tauchen in der Bilanz nicht auf. Hingegen werden in der Bilanz die Investitionen aufgeführt. Investitionen sind Anschaffungen, die über mehrere Jahre genutzt werden können. Das Anlagevermögen sollte höher sein als die Schulden. Die (positive) Differenz wird Eigenkapital genannt.

SBB: Die SBB hat Aktiven von 45 Milliarden Franken, ein Fremdkapital von 33 Milliarden Franken und ein Eigenkapital von 12 Milliarden Franken.

Privathaushalt: Auf der Vermögensseite («Aktiven») wird das von der Familie Muster gekaufte TV-Gerät und das Auto aufgelistet (Vermögen=«Aktiven»). Auf der negativen Seite tauchen dort die Schulden («Passiven») auf.

SBB Konzern und SBB AG

Der Begriff SBB Konzern bezeichnet die SBB AG samt SBB Cargo, Cargo International, Regionalverkehrstöchter sowie alle anderen Tochtergesellschaften wie Elvetino oder Securitrans. Für die Rechnungslegung wird der Konzern samt Töchter als Einheit betrachtet; interne Verrechnungen werden nicht berücksichtigt. Die Zahlen, die an der Bilanzmedienkonferenz präsentiert werden, beziehen sich stets auf den SBB Konzern. Die Bilanz der SBB AG wird lediglich separat ausgewiesen, weil es das Gesetz so verlangt.