Ein halbes Jahrhundert bei der SBB

Ein eher seltenes Jubiläum: Im April feiert Gabriel Maillard 50 Jahre bei der SBB. Die Laufbahn eines Bähnlers, der viele Veränderungen bei der SBB erlebt hat: vom Papier zum iPad, von der Handarbeit zur High-Tech-Kleidung.

Gabriel Maillard arbeitet seit 50 Jahren für die SBB.
Gabriel Maillard arbeitet seit 50 Jahren für die SBB.

Drehen wir den Film mal zurück: Am 16. April 1968 beginnt für Gabriel Maillard ein neues Leben. Er tritt eine Lehrstelle als Gleismonteur bei der SBB an. Mit 15 Jahren verlässt er seine Familie in Belfaux (FR) und zieht nach Lausanne. «Am Anfang wohnten alle Lehrlinge zusammen vor Ort», erklärt er. Ohne WhatsApp, Soziale Medien und allgegenwärtige Kommunikationsmittel war das Leben fern von der Familie gar nicht so einfach: «Man musste seine Freunde unter den Kollegen finden.» Auch finanziell musste man sich in der fremden Stadt durchschlagen. Nach einiger Zeit im Lehrlingswohnheim zog er mit einem anderen Lehrling zu einer Schlummermutter. «Wir verdienten 50 Franken pro Woche, aber die Miete betrug 80 Franken», erinnert sich der Bähnler. «Um durchzukommen, arbeiteten wir im Haushalt mit. Im Gegenzug kochte die Vermieterin manchmal für uns. Da waren wir zufrieden!»

Was ich besonders mochte, war die Arbeit im Freien mit ganz unterschiedlichen, spannenden Leuten.

Gabriel Maillard

Die Welt der Eisenbahn

Zu diesem neuen Leben gehörten viele neue Entdeckungen. «Das Gewicht des ersten Kanisters, den mir ein Kollege aus dem Wagen reichte, hat mich sehr überrascht!» lacht Gabriel Maillard: «Ich dachte, ich falle gleich um.»

Aber rasch gewöhnt sich der Jungarbeiter an die körperliche Arbeit: Schienen verschieben, Muttern anziehen, stehen, knien – «Ganz klar: Heute erinnern mich Rücken und Kniee tagtäglich an diese harten Jahre!» Vor 50 Jahren standen den Mitarbeitern weniger Maschinen zur Verfügung: «Um eine Schiene zu verschieben, hatten wir nur mechanische Werkzeuge für vier Hände. Und ein Meter Schiene wog immerhin 50 Kilo. Meistens verschoben wir vier Gleismeter auf einmal …»

Damit wurden die Maschinen verschoben. Heute kommen mehr Maschinen zum Einsatz.
Die Arbeitskleidung hat sich stark verändert. Gabriel Maillard ist der Zweite von links.

Damit wurden die Maschinen verschoben. Heute kommen mehr Maschinen zum Einsatz.

Die Arbeitskleidung hat sich stark verändert. Gabriel Maillard ist der Zweite von links.

«Diese Werkzeuge werden noch heute verwendet, aber weniger oft.» Das erstaunt nicht, denn heute wiegen die Schienen über 60 Kilo pro Meter. Trotz der harten Arbeit hat Gabriel Maillard nie daran gedacht, die SBB zu verlassen: «Was ich besonders mochte, war die Arbeit im Freien mit ganz unterschiedlichen, spannenden Leuten.»

Gleismonteur, Vorarbeiter, Aufseher, Streckeninspektor: Die Liste der Stellen, die Gabriel Maillard in der Romandie innehatte, ist lang. Erst 2013, nach 45 Arbeitsjahren, hört er mit der Arbeit an der Front auf. Aus medizinischen Gründen kann er nicht mehr im Gleisfeld arbeiten. «Dank meiner Erfahrung konnte ich eine Bürostelle übernehmen. »

Andere Werkzeuge, andere Sitten

Nicht nur die Werkzeuge haben sich im Laufe der Jahre verändert. Gabriel Maillard erinnert sich noch an die damaligen Kleider: «Wie Feuerwehruniformen, aber ohne Helm.» Er findet, dass die heute verwendeten orangen Kleider stark zum Komfort und zur Sicherheit beitragen. Und das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie sehr sich die Arbeit im Gleisfeld verändert hat: «Dank den Hilfsmitteln wie etwa den Tablet-Computern sind wir heute effizienter. Was damals Berge von Papier brauchte, überträgst du heute, dank Tablet oder Smartphone, in ein paar Sekunden von der Arbeitsstelle ins Büro.» Auch die Sitten sind anders geworden: «Als ich begann, siezte man sich unter Kollegen. Es war völlig undenkbar, den Chef oder schon nur einen älteren Kollegen zu duzen.» Obschon sich das während seiner Laufbahn verändert hat, war Gabriel Maillard überrascht, dass das Duzen als Teil der SBB Unternehmenskultur breit eingeführt wurde. Ob das gut sei. Er zuckt mit den Schultern: «Ich weiss nicht. Möglich. Aber Eines weiss ich: Wenn ich Philippe Gauderon auf der Strasse treffe, dann sieze ich ihn.»

Viel Zeit zum Umgewöhnen bleibt nicht: Am 28. Juni 2018 feiert Gabriel Maillard den 65. Geburtstag, und damit einen neuen Lebensabschnitt, die Pensionierung. «Bevor ich gehe, möchte ich all jenen danken, mit denen ich nach der Restrukturierung die letzten drei Jahre zusammen gearbeitet habe. Ihnen gehört mein tiefer Dank.»

Bei der Arbeit

Einblick in andere Berufswelten: Wir portraitieren interessante Menschen mit interessanten Tätigkeiten bei der SBB und ihren Tochtergesellschaften.