Einbezug der Personalkommissionen: Wunsch oder Wirklichkeit?

In den Gesamtarbeitsverträgen (GAV) SBB und SBB Cargo bekennt sich die SBB auch zur betrieblichen Mitwirkung.

Ralph Kessler, Präsident der Personalkommission Personenverkehr.
Ralph Kessler, Präsident der Personalkommission Personenverkehr.

So lese ich im GAV unter anderem, dass eine rechtzeitige und umfassende Orientierung erfolgt, dass die Zusammenarbeit auf dem Grundsatz von Treu und Glauben basiert und dass die Leitungen aller Stufen die Bedeutung der Personalkommissionen (PeKo) anerkennen und die gewählten Mitglieder bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen. Schöne Worte – aber wie sieht es in der Praxis mit diesen geschriebenen Zeilen aus?

Im Grossen und Ganzen funktioniert der Informationsaustausch, wobei dieser nicht in allen Fällen umfassend und rechtzeitig erfolgt. Wie sollen die Mitglieder der Personalkommissionen Auswirkungen eines Projekts richtig einschätzen, wenn ihnen wichtige Informationen dazu fehlen? Wie geht die SBB mit Rückmeldungen der Personalkommissionen um? Wird regelmässig über laufende Projekte informiert? Für Mitarbeitende, die Führungsfunktionen übernommen haben und für neu gewählte Mitglieder der Personalkommissionen ist es nicht immer leicht, den richtigen «Draht» zu finden.

Aktuell sind die Nachwahlen für die vakanten Sitze der Personalkommissionen bei der Division Personenverkehr im Gang. Es ist zunehmend schwierig, Mitarbeitende zu finden, die bereit sind, sich für die Anliegen des Personals zu engagieren. Ich möchte aber auch erwähnen, dass es Aufgabe und Pflicht einer gewählten Personalkommission ist, Rückmeldungen des Personals entgegenzunehmen, diese zu prüfen und an die definierten Ansprechpersonen bei der SBB weiterzuleiten, allenfalls unter Wahrnehmung der Vertraulichkeit. Dass dabei nicht immer Einigkeit und eitel Sonnenschein herrscht, liegt in der Natur der Sache und an den unterschiedlichen Interessenlagen.

Die gewählten Mitglieder sind ausserhalb der PeKo-Tätigkeiten ihren Ansprechpartnern hierarchisch unterstellt. Dies kann zu schwierigen Situationen führen, insbesondere wenn die Linie nicht zwischen den Funktionen PeKo und der eigentlichen Funktion als Mitarbeitender unterscheiden kann. Wenn bei der Wahrnehmung der PeKo-Tätigkeit Druck durch die Hierarchie auf den PeKo-Vertreter erfolgt, dann überschreitet die Linie mutwillig eine Grenze, die nicht tolerierbar ist. Als PeKo-Mitglied kann durch den rechtzeitigen den Einbezug in Projekte und andere Mitwirkungsthemen die «Stimme des Personals» eingebracht und damit auch etwas bewirkt werden.

Ich hoffe, dass es sich bei den bisherigen «Entgleisungen» um absolute Einzelfälle handelt und die im GAV niedergeschriebenen Texte zur betrieblichen Mitwirkung weiterhin ihre Gültigkeit haben und auch so gelebt werden. Die betriebliche Mitwirkung mit den gewählten Mitgliedern der Personalkommissionen kann nur funktionieren, wenn eine gegenseitige Akzeptanz vorhanden ist und ein regelmässiger Informationsaustausch stattfindet.

 

Peko-Stimme

Die Peko-Stimme ist die Plattform der Personalkommissionen. Die Präsidenten der Peko Konzern, Personenverkehr, Cargo, Infrastruktur sowie Konzernbereiche/Immobilien äussern im Turnus ihre Meinung zu einem selbst gewählten Thema.