Zäune und Abschrankungen für mehr Sicherheit und Pünktlichkeit

Wie kann die Pünktlichkeit der Züge verbessert werden? Nach dem Motto «Innovation und Tests» hat Cédric Locatelli konkrete Massnahmen vorgeschlagen, um die Risiken im Zusammenhang mit dem Eindringen von Dritten auf Gleisen zu mindern.

Massnahmen für mehr Sicherheit und Pünktlichkeit
Massnahmen für mehr Sicherheit und Pünktlichkeit

Mit Zügen, Schienen und dem Bahnbetrieb ist Cédric Locatelli vertraut, da er seine berufliche Laufbahn bei der SBB vor rund 15 Jahren mit einer Lehre als Kaufmann öffentlicher Verkehr begonnen hat. 2017 stiess Cédric Locatelli zum Programm Léman 2030. Worin besteht seine Aufgabe? «Ich sorge dafür, dass die erfolgten Arbeiten mit dem angestrebten Angebot übereinstimmen. Wenn auf den Baustellen unerwartet Probleme auftreten, bin ich dafür verantwortlich, ein für Kunden, Besteller und Projektleiter akzeptables Angebot zu finden», erklärt Cédric Locatelli, der auch das Projekt «Offensive Qualité Clients» leitet.

Doch was verbirgt sich hinter dieser Qualitätsoffensive für die Kunden? Eine Reihe von konkreten, divisionsübergreifend ausgearbeiteten Massnahmen, welche die Kundenzufriedenheit auf der Achse Villeneuve–Lausanne–Genf verbessern sollen. «Wir überlegen uns Massnahmen, die unsere Bahn verbessern und stärken. Dazu braucht es viel Kreativität», setzt der Projektleiter fort.

Einfache Massnahme für eine stärkere Bahn

Ein Beispiel? «Zwölf Prozent der Verspätungen auf der Linie Villeneuve–Lausanne–Genf werden durch Personen in Gleisnähe verursacht, etwa durch Spaziergänger oder Personenunfälle, wobei es sich nicht immer um Suizide handelt», erläutert Cédric Locatelli. «Wir haben die Fälle auf dieser Linie sehr genau analysiert und untersucht, ob manche Stellen kritischer sind als andere. Bei den Personenunfällen haben wir versucht, die emotionale Seite dieses schwierigen Themas auszublenden, um Fortschritte zu erzielen.»

Auf der Linie Villeneuve–Lausanne–Genf wurden elf kritische Stellen identifiziert. «Zusammen mit Kollegen von Intervention, Anlagen und Sicherheit haben wir die Stellen inspiziert», so der Projektleiter. Dabei stellte sich heraus, dass die kritischen Stellen unterschiedlicher Natur sind:

Zwischen Lausanne und Genf gibt es mehrere gerade Abschnitte, die mit 140 oder 160 Stundenkilometern befahren werden und deren Trassee sich auf gleicher Höhe befindet wie die angrenzenden Strassen und Wege. «An diesen Stellen gibt es nichts, das Personen daran hindert, die Gleise zu betreten. Selbst ein Spaziergänger mit Hund, der den Gleisen etwas zu nahe kommt, kann einen Lokführer beunruhigen und aus Sicherheitsgründen die Fahrt auf Sicht der Folgezüge verursachen. Dies führt zu Verspätungen», präzisiert Cédric Locatelli.

Sobald die kritischen Stellen identifiziert sind, ist sein Urteil gefragt: Patrick Vouillamoz, Leiter Lokpersonal Genf, kennt die Strecke wie seine Westentasche.
Cédric Locatelli: «Ich sorge dafür, dass die erfolgten Arbeiten mit dem angestrebten Angebot übereinstimmen.»

Sobald die kritischen Stellen identifiziert sind, ist sein Urteil gefragt: Patrick Vouillamoz, Leiter Lokpersonal Genf, kennt die Strecke wie seine Westentasche.

Cédric Locatelli: «Ich sorge dafür, dass die erfolgten Arbeiten mit dem angestrebten Angebot übereinstimmen.»

Zwischen Lausanne und Villeneuve ist die Problematik etwas anders gelagert. Die Spezialisten identifizierten mehrere gefährliche Stellen, an denen Personen die Gleise überqueren oder auf Kabelschächten entlang der Gleise gehen, um zu unberührten Uferabschnitten zu gelangen. Dieses Verhalten führt jedes Mal zu Geschwindigkeitsverminderungen und Verspätungen.

Was ist die «Offensive Qualité Clients»?

Im Jahr 2017 ereigneten sich auf der Strecke Genf–Lausanne–Villeneuve mehrere umweltbedingte und technische Störungen mit weitreichenden Auswirkungen für unsere Kunden. Unter diesen schwierigen Umständen wurde das Projekt «Offensive Qualité Clients» (abgekürzt OQC) ins Leben gerufen – mit dem Ziel: die Verbesserung der Kundenzufriedenheit im Personen- und Güterverkehr auf dieser Linie. Die Schwerpunkte von OQC liegen in der Fahrplan- und Arbeitsstellenplanung, der Verfügbarkeit von Rollmaterial und Infrastruktur, der Kundeninformation, im Preis-Leistungs-Verhältnis und in der Kundenorientierung.

Wertvolle Tipps der Lokführer

«Wir haben die Resultate unserer Analyse mit Plänen, Fotos und Beschreibungen der momentanen Situation sowie der geplanten Massnahmen Patrick Vouillamoz unterbreitet, einem Lokführer mit ausgezeichneten Streckenkenntnissen. Er war froh, dass das Problem angegangen wird, bestätigte die kritischen Stellen und gab uns wertvolle Tipps zum Verhalten der Personen», setzt Cédric Locatelli fort.

Die Suche nach Lösungen führte zu folgenden Massnahmen: An den kritischen Stellen werden 1,80 Meter hohe Zäune errichtet, alte Abschrankungen werden ersetzt und in Gleisbereichen in Seenähe werden neue Zäune errichtet. Manche Massnahmen wurden bereits vor Ort umgesetzt, bei anderen steht die Genehmigung noch aus. «Natürlich erfordern die Massnahmen einen finanziellen Aufwand, aber man muss auch bedenken, dass die Verspätungsminuten jedes einzelnen Unfalls mehrere zehntausend Franken kosten. Ausserdem lohnt sich der Aufwand bereits, wenn wir damit auch nur einen einzigen Unfall vermeiden können.»

Zur Person:

Cédric Locatelli, 32, Leiter Kundenorientierung beim Programm Léman 2030

Sein Lesetipp:

«Die Ameisen» von Bernard Werber. «Ich mag dieses Buch ganz besonders, weil es beweist, dass man die Dinge je nach Lebenserfahrung und persönlicher Situation ganz unterschiedlich interpretieren kann.»

Seine Lieblingsmusik:

«Ich finde Muse toll, besonders ihr neues Stück ‹Psycho›, weil ich ganz einfach gut drauf bin, wenn ich es höre.»

Portraitreihe

Die Macherinnen und Macher der Mobilität von morgen in der Genferseeregion ist eine Portraitreihe. Wir stellen jeden Monat die Menschen vor, die sich in Büros, Zügen und auf Baustellen mit den Herausforderungen der Mobilität von morgen in der Westschweiz beschäftigen.