Mountainbike WM Lenzerheide: Interview mit den Schweizer Weltmeistern

Vom 5. bis 9. September 2018 kämpfen in Lenzerheide die besten Mountainbiker und Mountainbikerinnen um die begehrten Regenbogentrikots der Weltmeister. Die Weltmeister Nino Schurter und Jolanda Neff sowie der Veranstalter der Mountainbike WM Lenzerheide im Exklusivinterview.

Mountainbike WM Lenzerheide: Interview mit den Schweizer Weltmeistern
Mountainbike WM Lenzerheide: Interview mit den Schweizer Weltmeistern

Interview mit Andy Wirth, Vize Präsident UCI MTB World Championships Lenzerheide.

RailAway: Die Schweiz zählt zu einem der beliebtesten Mountainbike Länder der Welt. Was bedeutet diese Mountainbike-Weltmeisterschaft für die Schweiz als «Mountainbike-Land»? 

Andy Wirth: Aus sportlicher Sicht ist diese WM eine einzigartige Möglichkeit für unsere Schweizer Athletinnen und Athleten, sich dem Heimpublikum zu präsentieren. Die Schweiz ist aktuell die erfolgreichste Nation in der XCO-Disziplin, es muss ein unglaublich schönes Gefühl sein, wenn man zu Hause seinen WM-Titel verteidigen darf. Für die DHI-Disziplin erhoffe ich mir, dass die Schweizer Athletinnen und Athleten einen grossen Schritt in Richtung Weltspitze machen. Aus touristischer Sicht ist die WM selbstverständlich eine einmalige Chance, unsere Trails, die wunderschöne Landschaft und die hochwertige Servicequalität für den Bikegast zu präsentieren. 


RailAway: Haben Sie einen Geheim-Tipp für unsere Leser/innen, wo der beste Zuschauer-Platz an der Rennstrecke der Weltmeisterschaft in Lenzerheide ist? Gibt es speziell spannende Stellen, wo es sich lohnt als Zuschauer hinzugehen?

Andy Wirth: Die XCO-Rennen verfolgt man am besten direkt am Streckenrand. Praktisch die ganze Strecke ist zu Fuss einfach zu erreichen. Der Dual Slalom auf der Nordschlaufe ist spektakulär. Aber auch die technischen Passagen im Wald auf der Südschlaufe sind extrem spannend. Wichtig ist einfach, dass man sich rechtzeitig zum Zieleinlauf in der Bike Arena einfindet um die neuen Weltmeister lautstark zu empfangen.
Am Sonntag, bei den DHI-Rennen begibt man sich mit 10'000 anderen Fans mit der Gondel zum Start. Von dort läuft man direkt neben der Strecke ins Tal und in Richtung Ziel. Der «Fullgas Hotspot» in der Mitte der Strecke bietet eine weite Sicht auf das Rennen sowie einen Live Kommentator und Verpflegung.


RailAway: Wie geht’s in der Region nach der WM weiter?

Andy Wirth: Die Region hat sich in den letzten Jahren einen guten Namen gemacht in der Mountainbike Szene. Natürlich will man diesen Weg weitergehen. Vorarbeiten für neue Trails im Bikepark aber auch auf dem ganzen Trailnetz sind bereits im Gange. Es wird also eine stetige Verbesserung und Erweiterung der Bike-Infrastruktur umgesetzt. Auch im Eventbereich ist die WM nicht das Ende der Fahnenstange. Die Kandidatur für UCI Mountain Bike Weltcup Veranstaltungen 2019/20 ist platziert. Bike Fans können sich auch in Zukunft in Lenzerheide austoben!
 

©Verein Bike Weltcup

Interview mit dem mehrfachen Weltmeister und Olympiasieger Nino Schurter.

RailAway: Was ist die grösste Herausforderung bezüglich der Strecke in Lenzerheide im Vergleich zum letzten Jahr in Australien? 

Nino Schurter: Die grösste Herausforderung ist die Höhe. Die Lenzerheide liegt auf 1550 m ü. M und das spürt man bei jeder Belastung. Um sich darauf vorzubereiten gibt es verschiedene Strategien: eine klassische Akklimatisierung, verschiedene aneinander gehängte Höhenblöcke oder nur am Renntag hochzugehen, damit sich der Körper gar nicht anpassen kann. Auf welche Variante ich setze, entscheide ich in den Wochen davor. 


RailAway: Man munkelt die Zeiten der 29“-Räder sind bereits schon wieder vorbei. Wie siehst du das bzw. was ist deine Meinung/deine Einschätzung? Welche Grösse bevorzugst Du und warum?

Nino Schurter: 29er haben sich bewährt und durchgesetzt. In naher Zukunft wird es da nichts Neues geben. Bei den Reifen- und Felgenbreiten geht aber einiges. Der Trend geht zu immer mehr Volumen, was auch einen grösseren Radumfang zur Folge hat. Durch mehr Volumen kann man einen geringeren Reifendruck fahren, was besseren Grip, mehr Komfort und bessere Rolleingeschaften ergibt.
 

RailAway: Du hast eine kleine Tochter. Erkennst Du bei ihr auch schon Bike-Talent? Was würdest Du sagen, wenn sie ebenfalls die Profi-Karriere einschlagen möchte? Unabhängig davon: was würdest du den MTB Nachwuchs-Sportlern für ihre Karriere empfehlen/weitergeben?

Nino Schurter: Meine Tochter ist nicht untalentiert auf zwei Rädern aber von einem Talent zu sprechen ist etwas früh mit zweieinhalb Jahren. Wir haben bereits Spass gemeinsam auf dem Pump Track aber sie soll immer das machen, was ihr Freude bereitet. Das ist auch mein Tipp an den Nachwuchs, macht das was euch Spass macht mit Leidenschaft und ohne Druck von aussen.

©Verein Bike Weltcup

Interview mit der Weltmeisterin Jolanda Neff.

RailAway: Du bist vielfältig und mit verschiedenen Disziplinen unterwegs. Wenn du dich für eine Disziplin entscheiden müsstest, welche wäre es: Cross Country oder Marathon? 

Jolanda Neff: Ganz klar Cross Country. Obwohl ich in beiden Disziplinen schon den Weltmeistertitel gewonnen habe, bin ich in meinem Leben wohl noch nicht mehr als zehn Marathon Rennen gefahren. Cross Country hingegen fahre ich schon mein Leben lang. Es gefällt mir viel besser, da es erstens eine olympische Disziplin ist. Das Niveau ist höher als im nicht-olympischen Marathon, und zweitens geht es während der 90 Minuten Renndauer im Cross Country richtig zur Sache. Jede Sekunde zählt. Ausserdem sind die Strecken im Cross Country Weltcup technisch anspruchsvoller, was mir sehr gut gefällt. 


RailAway: Du hast einmal in einem Interview gesagt, dass für dich das Studium (Anm. d. Red.: Geschichte im Hauptfach, französische und englische Literaturwissenschaften im Nebenfach) der Ausgleich zum Sport ist. Jetzt machst du ein Urlaubs-Semester. Wie schaltest du zurzeit ab und wie entspannst du dich am liebsten?

Jolanda Neff: Ich frage mich momentan tatsächlich, wie ich überhaupt je studieren konnte, denn auch mit «Urlaubssemester» bleibt mir kaum eine freie Minute. Im letzten Monat führte ich 11 Events überall in der Schweiz mit meinen Partnern durch, daneben beantworte Interviews (wie zum Beispiel jetzt gerade 😉), produziere Videos, habe Fotoshootings, möchte unseren Sport weiterentwickeln, organisiere meine Reisen. Der Hauptinhalt meiner Tage wäre idealerweise Training und Regeneration. Danke also für die Nachfrage zum Entspannen – ich widme mich diesem Thema gerne, sobald ich Zeit fürs Training gefunden habe 😉


RailAway: Was ist die grösste Herausforderung bezüglich der Strecke in Lenzerheide im Vergleich zum letzten Jahr in Australien?

Jolanda Neff: Der Rundkurs in Lenzerheide ist technisch extrem anspruchsvoll und ruppig. Die Strecke im Wald ist zwar nicht steil aber mit Wurzeln und Steinen übersät, an denen man ganz leicht hängen bleiben kann. Um da mit Schwung durchzukommen und die Geschwindigkeit behalten zu können, muss man die Ideallinie millimetergenau treffen. Langsam genug, um nach der Kurve der nächsten Wurzel auszuweichen, aber auch schnell genug, um über den Stein zu springen! Ungefähr so fühlt sich eine Fahrt in Lenzerheide an. Ich freue mich riesig auf die Weltmeisterschaft und auf ganz viele Bikefans, die das Schweizer Team nach vorne jubeln!
 

©Verein Bike Weltcup

Wettbewerb.

Seien Sie live an der Mountain Bike Weltmeisterschaft in Lenzerheide dabei. Wir verlosen 2x2 Eintrittstickets für dieses sportliche Highlight.

Wettbewerbs-Frage:
Welches ist die Lieblings-Disziplin von Jolanda Neff?
a)    Cross Country
b)    Mountainbike Marathon
c)    Strassenrennen

Die Antwort der Wettbewerbs-Frage finden Sie im Interview. Schreiben Sie eine E-Mail mit dem Betreff «Wettbewerb MTB WM» sowie der richtigen Antwort und ihrer vollständigen Adresse an mailing@railaway.ch und schon nehmen Sie an der Verlosung teil.
Teilnahmeschluss: 17. August 2018. Die Teilnahme ist gratis, kein Kaufzwang. Die Gewinner werden per E-Mail persönlich informiert. Teilnahmeberechtigt sind alle in der Schweiz wohnhaften Personen, die mindestens 18 Jahre alt sind. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.