Als wäre nichts gewesen: Mit Facility Management an der Street Parade

Samstag, Zürich Hauptbahnhof: Es ist schwül-heiss, die Abendsonne brennt durch die grosse Fensterfront auf den Treffpunkt. Jeder Zug, jede Rolltreppe spuckt einen nicht enden wollenden Strom von Menschen aus. Nackte Haut, bunte Haare. Aus mobilen Boxen wummern die Beats. Es ist Street Parade.

Als wäre nichts gewesen: Mit Facility Management an der Street Parade
Als wäre nichts gewesen: Mit Facility Management an der Street Parade

Dieser Artikel entstand an der Streetparade vom 13. August 2016.

Eine knappe Million Menschen besuchen die Party am Zürcher Seebecken. Ein Grossteil davon reist mit den über hundert Nacht- und Extrazügen – und hinterlässt Spuren im Bahnhof. Unbeeindruckt vom Trubel fliegt Niki de Saint Phalles Nana – Schutzengel der Reisenden – hoch über unseren Köpfen. Farbig wie sie leuchtet, könnte sie Teil der Street Parade sein. Aber die dicke Nana ist unser Treffpunkt, denn wir sind nicht zum Feiern da. Wir begleiten heute Abend die Putzengel von Facility Management bei der Reinigung eines Bahnhofs im Ausnahmezustand.

Im Laufschritt durch den Bahnhof. 

Dominique nimmt uns lächelnd in Empfang. «Tragt ihr gute Schuhe? Dann los!» Sie ist Gruppenleiterin bei Facility Management. Eine von 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jeden Tag von früh bis spät dafür sorgen, dass die Bahnhöfe sauber sind. Zu den Aufgaben von Facility Management gehört weit mehr, als Böden reinigen und Abfallkübel leeren. Auch die Hauswartung, das Entfernen von Graffitis und der Winterdienst an den Bahnhöfen liegt in ihrer Verantwortung.

Dominique schlägt ein rasantes Tempo an. Immer wieder treffen wir unterwegs auf Zweierteams in orangen Leuchtwesten, die im Bahnhof und in der Europaallee Böden reinigen, Abfall aufsammeln, WCs auf Vordermann bringen. «Die Leute meinen, das bisschen Putzen sei nicht schwer.» Dabei sei die Ausbildung zur Reinigungsfachfrau oder zum Reinigungsfachmann anspruchsvoll, der Job erfordere viel Fachwissen. Und offenbar ein hohes Mass an Organisationstalent: Abwechselnd beantwortet Dominique Fragen am Telefon, gibt Anweisungen übers Funkgerät – die Teams sind per Funk miteinander verbunden – und bückt sich alle paar Meter nach Abfall, der am Boden liegt.

Bekanntschaft mit Glutton, Jonas und Juma.

Was es zur Reinigung eines Bahnhofs alles braucht, erfahren wir im Materialraum: Hier steht neben den Paletten mit Handtüchern, WC-Papier und Reinigungsmitteln, auch eine beeindruckende Fahrzeugflotte. Wir machen Bekanntschaft mit «Glutton» dem Riesenstaubsauber. Ein Vielfrass, der Zigarettenstummel, angebissene Hamburger und Kaugummipapier mühelos in seinem langen Rüssel verschwinden lässt. «Jonas» ist kein Kollege von Dominique, sondern eine Maschine für die Trockenreinigung von Böden. «Kärcher B 250 R Bp» für die Nassreinigung von klebrigen Böden wird heute Nacht sicher noch einige Male zum Einsatz kommen, angesichts der vielen verschütteten Biere draussen. Und die Reinigungsmaschine Juma Rotomac 360 putzt sogar hartnäckige Kaugummis aus den Ritzen der Rolltreppen.

Peter und «Glutton» der Riesenstaubsauber im Kampf gegen den Abfall.

«Krchchschzt.» Im Funkgerät von Dominique rauscht es. Die Überwachungszentrale ÜWZ meldet eine grosse Pfütze auf Perron 33/34, Sektor B. Sofort schickt die Gruppenleiterin eines der mobilen Reinigungsteams dorthin. In wenigen Minuten wird das Malheur behoben sein.

An einem normalen Samstag wären 18 Personen im Schichtbetrieb unterwegs, um den Bahnhof sauber zu halten. An der Street Parade sind es über Fünfzig. Zu bewältigen ist die Aufgabe nur mit Temporär-Angestellten. Diese werden mit Handschuhen, Schutzbrille und Greifzange ausgerüstet und unterstützen die Facility Management-Mitarbeiter bei ihrer Arbeit.

Recyclen wie die Weltmeister.

Im HB Zürich stehen seit letztem Jahr Recyclingstationen. Diese werden dreimal am Tag geleert. Erfreulich sei, dass die Reisenden fast alle Wertstoffe korrekt entsorgen würden, sagt Dominique. Jedes Jahr kommen so 750 Tonnen wiederverwertete Zeitungen, PET-Flaschen und Alu-Dosen zusammen, die zuvor in der Kehrichtverbrennung landeten.

Schweizweit werden jedes Jahr übrigens 38 000 Tonnen Abfall aus Bahnhöfen entfernt. Bei 400 Mitarbeitern macht das  95 Tonnen pro Person. Jeder Mitarbeiter entsorgt täglich also rund 260 Kilogramm Abfall.

Der sauberste Ort in Zürich.

In der Passage Löwenstrasse – dem während der Street Parade wohl saubersten Ort in Zürich – treffen wir auf Giezel. Während er uns seinen Reinigungswagen erklärt, hetzt eine Meute als Tiere verkleideter Menschen an uns vorbei in die nächste S-Bahn in Richtung Stadelhofen. Mitten ins Herz der Parade. Oft wird Giezel auch nach dem Weg gefragt: «Sie, wo finde ich den Burger King?» «Die Treppe hoch, links.» Eben, bei Facility Management zu arbeiten ist weit mehr als reinigen.

Giezel bei der Arbeit im Bahnhof Löwenstrasse.

Helle Marmorböden, grelles Licht, weisse Wände: Wünscht man sich da manchmal nicht einen Bahnhof, in dem nicht jedes Staubkorn zu sehen ist, frage ich Dominique. «Nein, der Aufenthalt im Bahnhof soll für die Reisenden möglichst angenehm sein», widerspricht sie. Mit viel Licht und einer hellen Umgebung wurde hier sogar im Untergrund eine freundliche Atmosphäre geschaffen. «Der Boden lässt sich übrigens super reinigen», fügt sie an und strahlt mit den blütenweissen Wänden um die Wette.

Die Party ist vorbei.

Um 22 Uhr ist die Party auf der Strasse zu Ende. Während die einen in den Clubs weiterfeiern, geht es für andere mit dem Zug nach Hause. Auch wir verabschieden uns und drehen eine letzte Runde durch den Bahnhof. Müde Raver sitzen matt und mit schmerzenden Füssen am Boden. Dort bleibt auch ihr Abfall liegen. Doch Aniba ist zur Stelle und dreht mit «Jonas» stoisch seine Runden durch die Haupthalle.

Aniba macht sich bereit für seinen Einsatz in der Haupthalle.
Die Party ist vorbei, das Aufräumen danach noch lange nicht.

Aniba macht sich bereit für seinen Einsatz in der Haupthalle.

Die Party ist vorbei, das Aufräumen danach noch lange nicht.

Für Dominique, Giezel, Peter, Lulu, Aniba, Samuel und alle anderen ist der Einsatz noch lange nicht zu Ende. Sie arbeiten weiter bis in die frühen Morgenstunden. Am Sonntagmorgen wird der Bahnhof wieder aussehen, als wäre nichts gewesen.

Mit dem Extrazug an die Streetparade

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Fahrpläne der Extrazüge