Wie ist deine SBB? – Teil 1

In einer guten Beziehung ist man offen, ehrlich miteinander und sucht das Gespräch. Um zu erfahren, was unsere Kundinnen und Kunden von der SBB halten, sind wir deshalb ein paar Tage durch die Schweiz gefahren und haben der Frage «Ist der Platz hier noch frei?» ein paar weitere hinterhergeschickt.

Unsere Kundinnen und Kunden sagen ehrlich, was sie von der SBB halten.
Unsere Kundinnen und Kunden sagen ehrlich, was sie von der SBB halten.

Es ist Hochsommer, aber es scheint dieses Jahr immer noch ein bisschen höher zu gehen. Die Wiesen, die am Fenster vorbeiflitzen, waren schon grüner; aus dem klimatisierten Zug zu steigen, fühlt sich an, wie wenn man frittiert würde. Im Moment aber gleiten wir noch bei angenehmer Temperatur am glitzernden Neuenburgersee entlang und setzen uns in ein Abteil, in dem drei Erwachsene und drei Kinder eine ziemlich unübersichtliche Gruppe formieren. Die Kinder spielen quietschend auf, unter und zwischen den Sitzen, es herrscht ein Sprachengewirr aus Französisch und Spanisch, und irgendwann stellt sich heraus, dass der Mann ein fremder Fahrgast ist, der bloss auf sein sehr soziales Kind aufpasst, das sich einfach der anderen Reisepartei angeschlossen hat. Die spanischsprachige Frau ist eine Freundin, die beiden anderen Kinder gehören zu Virginie Pacassi, 41, aus Zürich.

Virginie Pacassi lernt im Familienwagen oft interessante Leute kennen.

«Meine SBB gehört zur Familie»

«Mein Vater hat bei der SBB gearbeitet, er war Ingenieur und so fuhren wir schon immer viel Zug. Meine ersten Erinnerungen ans Zugfahren sind Familienausflüge, zum Beispiel nach Winterthur ins Technorama. Ich wohne in Zürich und meine Eltern in Rolle im Kanton Waadt, deshalb fahre ich diese Strecke sehr oft mit meinen Kindern. Meistens sind wir dann im Spielplatzabteil, das ist für alle Beteiligten am coolsten. Man kommt auch manchmal ins Gespräch mit den anderen Eltern, weil die Kinder miteinander spielen während der Fahrt, da habe ich schon oft interessante Leute kennengelernt. Mit dem Auto so eine Strecke zu fahren finde ich viel anstrengender, auch ohne Kinder. Wenn ich mal alleine unterwegs bin – was selten genug vorkommt – geniesse ich es extrem, im Speisewagen etwas zu trinken und einfach zu entspannen. Das ist fast ein bisschen wie Wellness für mich.»

 

Wir steigen in Yverdon-les-Bains aus. In einer schattigen Ecke beim Gleis 1 steht eine junge Frau mit grossem Gepäck und wildem Haar, die Kopfhörer in den Ohren. Marie Carosiella, 15, aus Lussery-Villars ist gerade auf dem Weg nach Biel in die Ferien zu einer Freundin, die Gäste aus den USA zu Besuch hat: Englisch lernen in der Westschweiz also. Wir fahren mit ihr mit.

Für Marie Carosiella sind die Zugbegleiter manchmal zu streng.

«Meine SBB ist manchmal ziemlich hart»

«Ich fahre fast täglich Zug – einerseits, um in die Schule zu kommen, andererseits, weil es für mich als Minderjährige das einzige Fortbewegungsmittel ist für längere Strecken. Meistens bin ich am Handy während der Fahrt, am Chatten mit Freunden oder am Musikhören, manchmal mache ich auch noch schnell Hausaufgaben. Ich finde es immer unangenehm, wenn Zugbegleiter kommen, und jemand kein Billett hat. Sonst sind die Zugbegleiter ja total nett, aber ich habe einzelne auch als hart wahrgenommen. Ich verstehe schon, dass sie einfach ihren Job machen, aber manchmal haben die Menschen auch gute Gründe, weshalb sie ohne Ticket unterwegs sind.» 

 

In Biel thront das Sportzentrum Magglingen fast wie ein Wahrzeichen am Berg – und Marino Capelli, 22, aus Davos Platz kommt von eben dort oben. Der Profi-Langläufer ist einer von nur 70 Rekruten pro Jahr, die es in die Spitzensport-Abteilung der Armee schaffen und hat eine ganz besondere Beziehung zum Zugfahren. 

Marino Capelli hat fast die ganze Schweiz mit dem Zug bereist.

«Meine SBB war ein Kindheitsabenteuer mit meiner Grossmutter»

«Ich bin Profisportler und Soldat und reise dementsprechend oft durch die Schweiz. Das ist manchmal etwas mühsam mit der ganzen Langlaufausrüstung, die ist ja gross und sperrig, man ist allen im Weg und kann sie nirgends richtig versorgen… dann ist es mit dem Teambus schon einfacher. Aber ansonsten liebe ich das Zugfahren. Als Kind war es schon fast eine Obsession für mich. Ich bin mit meiner Grossmutter oft ganze Tage durch die Schweiz gefahren, ich hatte ein Streckennetz, auf dem ich alle unsere Fahrten markiert habe. Vorher habe ich ausgetüftelt, wo wir am besten durchfahren, ohne zu viele Strecken doppelt zu machen. Das Ziel war es, das ganze Netz der Schweiz abgefahren zu haben. Ich habs auch tatsächlich fast geschafft, aber irgendwann fehlte mir durch den Sport dann halt die Zeit. Die schönste Strecke ist meiner Meinung nach Fribourg Richtung Lausanne, bei Sonnenuntergang am See entlang, das ist schon ziemlich magisch.»

Als wir in Zürich ankommen, montiert Marino das schwarze Béret und macht sich auf den Weg zur nächsten Verbindung. Lesen Sie an dieser Stelle schon bald weitere Storys zur SBB.