Wie ist deine SBB? – Teil 2

Um mehr über die Beziehung der Schweizerinnen und Schweizer zu ihrer SBB herauszufinden, führt die nächste Fahrt nach Lausanne. Hier ist es ein bisschen weniger heiss als in der Deutschschweiz. Also bleiben wir so lange wie möglich am Bahnhof.

Unsere Kundinnen und Kunden sagen ehrlich, was sie von der SBB halten.
Unsere Kundinnen und Kunden sagen ehrlich, was sie von der SBB halten.

Zuerst gibts ein Gipfeli für die beiden Zwillinge, dann macht er sich rechtzeitig auf den Weg zum Perron. Denn mit zwei Zweieinhalbjährigen ist nichts planbar ausser der Tatsache, dass nichts nach Plan geht: Johann Cauchon, 29 aus Sullens mit Julian und Naomi.

«Meine SBB war ein Kindheitstraum»

«Ich nehme den Zug vor allem, wenn ich abends in die Stadt gehe und auch etwas trinken möchte. Und wenn ich keine Lust habe auf Parkplatzsuche. Von daher bedeutet Zugfahren für mich eigentlich Entspannung. Als Kind fand ich Züge total faszinierend. Wie die meisten kleinen Jungen wollte ich auch Lokführer werden. Aber dann habe ich doch einen anderen Weg eingeschlagen. Meine schlimmste Zugfahrt war von Lausanne ans Montreux Jazz Festival: es war unglaublich voll und eng und wahnsinnig heiss. Schrecklich. Aber irgendwie auch lustig.»

Chanel van der Graaf, 25 aus Vevey steht auf dem Perron und hört Musik. Sie ist auf dem Heimweg vom Französischkurs in Lausanne.

Für Chanel van der Graaf ist die SBB verlässlicher als der Zugverkehr in den Niederlanden.

«Meine SBB ist zu teuer»

«Ich bin zwar Kanadierin, lebte aber ab meinem achten Lebensjahr in Holland. Jetzt bin ich zu meinem Freund nach Vevey gezogen. Der Zugverkehr in den Niederlanden ist völlig anders als hier in der Schweiz, total crazy: Es gibt ständig Verspätungen, wenn es geschneit hat, fahren die Züge oft gar nicht, es gibt immer wieder Parties in den Zügen, Leute, die sich übergeben und so weiter… Da ist es mit der SBB schon sehr viel gesitteter und verlässlicher. Aber teuer. Es nervt mich jedes Mal, wenn ich so viel Geld ausgegeben habe für ein Ticket. Ich versteh es einfach nicht: Hier in der Schweiz kriegt man so viele Anreize, die Umwelt zu schützen, aber das Zugfahren ist so teuer, dass viele doch lieber das Auto nehmen.»

Auf einer Bank im Schatten sitzt José Carlos Feueira Pinto, 28, aus Lausanne und ist mit seinem Handy beschäftigt. Er wartet auf den Zug nach Vevey, der ihn zur Arbeit bringt.

Der Zug ist das Hauptverkehrsmittel von José Carlos Feueira Pinto.

«Meine SBB könnte nachts mehr Verbindungen brauchen»

«Ich habe ein GA, der Zug ist mein Hauptverkehrsmittel. In Portugal, wo ich aufgewachsen bin, habe ich mal angefangen, für die Fahrprüfung zu üben. In der Schweiz habe ich dann schnell gemerkt, dass hier Fahrstunden, ein Auto mit all den Versicherungen und Parkmöglichkeiten unglaublich teuer sind. Deshalb hab ich das sein lassen. Ist ja auch wirklich super erschlossen hier in der Schweiz. Bloss nachts könnten mehr Züge unterwegs sein. Apropos: Als ich mal nach dem Montreux Jazz Festival nach Aigle fahren wollte, bin ich im Zug eingeschlafen und morgens gegen 5 Uhr in Brig aufgewacht, als mich der Zugbegleiter nach meinem Ticket fragte… welches ich natürlich nicht hatte. Ich wollte ja nach Aigle.»

José Carlos Feueira Pinto hat jetzt zwar ein GA, aber hoffen wir trotzdem, dass er bis Vevey wach geblieben ist. Lesen Sie an dieser Stelle schon bald weitere Storys zur SBB.