«Um Hilfe fragen ist ein Zeichen von Stärke»

Wie können wir unserer Seele Gutes tun? Die 12 Schritte der SBB zu mehr psychischer Gesundheit enthalten zahlreiche Tipps für den Alltag. Mirjam Wolf, Projektleiterin psychische Gesundheit bei der SBB, sagt, wie wir unser Wohlbefinden auf einfache Weise verbessern können.

Was bringen mir als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter die 12 Schritte?

Die 12 Schritte sind als Handlungsmöglichkeiten für den Alltag gedacht und sollen Anregungen geben, was wir als Mitarbeitende tun können, um unsere psychische Gesundheit zu pflegen und zu stärken.

12 Schritte zu mehr psychischer Gesundheit

Der Leistungsdruck bei der Arbeit nimmt zu. Können da die 12 Schritte wirklich helfen?

Es ist richtig: Die Veränderungen in der Arbeitswelt stellen zunehmend Herausforderungen an unsere psychische Gesundheit. Deshalb wird es immer wichtiger, dass wir Menschen uns bewusst sind, was uns hilft, um in der Balance zu bleiben. Die 12 Schritte sind eine Hilfe, um uns vorsorglich um die eigene psychische Gesundheit zu kümmern und ihr Sorge zu tragen.

Wie viele der 12 Schritte muss ich machen, um einen Effekt zu erzielen?

Das ist bei jedem Menschen anders. Es hängt auch stark von der persönlichen Situation ab. Wichtig ist, dass die Massnahmen, die ich anwende, mir Freude bereiten und ich in ihnen einen Sinn sehe. Dann haben sie einen positiven Effekt auf mein Wohlbefinden und helfen mir, die Batterien zu laden. Bei den meisten Schritten wie zum Beispiel sich entspannen oder mit Freunden in Kontakt bleiben, ist auch die Regelmässigkeit entscheidend.

Die 12 Schritte sind eine Hilfe, um der eigenen Psyche Sorge zu tragen.

Mirjam Wolf, Projektleiterin psychische Gesundheit

Sind die 12 Schritte ein Ersatz für psychologische Hilfe?

Nein. Werden die Belastungen zu gross, ist es sinnvoll und nötig, professionelle Hilfe beizuziehen. Wichtig ist, nicht lange zu warten. Wenn es bei einem Menschen Hinweise auf eine psychische Überlastung gibt, ist es angezeigt, diese anzusprechen und zu handeln, sprich Unterstützung zu organisieren. Die 12 Schritte können jedoch eine gute Ergänzung zu psychologischer Hilfe sein.

Unter den Massnahmen hat es auch Banalitäten, zum Beispiel einem Freund eine Karte schreiben. Was soll das meiner Psyche nützen?

Das Beispiel mit der Karte stammt aus dem Schritt «mit Freunden und Kollegen in Kontakt bleiben». Dabei geht es um die Pflege von Beziehungen. Das soziale Umfeld ist eine zentrale Stütze in unserem Leben. In hektischen Zeiten wird diese Kraftquelle oft vernachlässigt. Doch gerade in schwierigen Lebensphasen ist das soziale Umfeld besonders wichtig. Deshalb lohnt es sich, dieses regelmässig zu pflegen. Der Vorschlag mit der Karte zeigt zudem, wie wir in einfacher Form die Verbundenheit mit einer anderen Person ausdrücken können. Die jeweiligen Tipps sind immer als Ideen zu verstehen und sollen den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

Was kann ich tun, wenn mir die 12 Schritte nicht helfen?

Einer der 12 Schritte lautet «um Hilfe fragen». Um Hilfe fragen und diese auch annehmen, ist ein Zeichen von Stärke. Wer dies tut, zeigt, dass er oder sie die eigene schwierige Situation erkannt hat und Verantwortung für sich selber übernimmt. Innerhalb und ausserhalb der SBB gibt es verschieden Stellen, die weiterhelfen können.

Wie sind die Reaktionen der Mitarbeitenden bisher?

Sehr positiv. Stellvertretend zitiere ich gerne einen Mitarbeiter, der sich im Intranet geäussert hat: «Ich habe erlebt, dass eigene Akzeptanz, ein gesunder ‹Egoismus›, Aktivität und ein gutes soziales Umfeld helfen, in schweren Zeiten zu bestehen. In den 12 Schritten ist viel enthalten, was ich als Wahrheit sofort unterschreiben kann. Bärenstark, dass sich ein Arbeitgeber diesem Thema offen stellt.»

Fühlst du dich in deiner Gesundheit, deinem Wohlbefinden oder der Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, und weisst du selber nicht mehr weiter? Dann können dir verschiedene Stellen und Personen weiterhelfen:

  • Die Anlaufstelle Sozialberatung / psychische Gesundheit der SBB. Sie ist unter 051 220 37 34 oder ags-fei@sbb.ch erreichbar.

  • Nahestehende Personen aus dem Privatleben, Arbeitskollegen oder die Führungskraft.

  • Pro Mente Sana, die Dargebotene Hand oder auch dein Hausarzt.