Mit der Spartageskarte das Luzerner Eigenthal entdecken

Wenn sich der Herbst langsam dem Ende neigt und die bunten Blätter davonwehen, beginnt für viele Wanderer eine schwere Zeit. Doch auch der nassgraue Spätherbst hat seinen Reiz. Und so empfehle ich, sich mutig raus aus dem Haus zu wagen, um neue Regionen zu ergründen – wie das Luzerner Eigenthal.

Mit der Spartageskarte das Luzerner Eigenthal entdecken
Mit der Spartageskarte das Luzerner Eigenthal entdecken

«Wo liegt bloss das Eigenthal?» – mag sich jetzt sicher der eine oder andere fragen. Falls man an seinen topographischen Kenntnissen zweifeln sollte: bis vor Kurzem hatte ich trotz zweijährigem Wohnsitz in Luzern noch nie vom Eigenthal gehört. Das Tal liegt am Nordfuss des Pilatus und ist nur wenige Kilometer von Luzern entfernt, perfekt also für einen Tagesausflug. Je nachdem, woher man kommt, eignet sich für den Ausflug eine Spartageskarte, mit der man den Geheimtipp schon ab 29 Franken entdecken kann.

Das Zentralschweizer Wandergebiet, etwa 10 km südwestlich der Stadt Luzern, wird mit der Postauto-Linie 71 ab Luzern bedient. In 40 Minuten entflieht man dem Touristen-Gewusel in der Stadt Luzern. Das Postauto windet sich mit unüberhörbaren «TüTaTos», Höhenmeter um Höhenmeter hinauf ins 1000 m ü. M. gelegene Eigenthal. Bei der Wallfahrtskirche Hergiswald erklingt neben dem «TüTaTo» auch noch ein «Oohh» und eine ältere Dame erzwingt einen Fotostopp – das Flehen des Chauffeurs, die Verspätung aufholen zu wollen, ignoriert sie charmant. Einige Minuten später wird die Endhaltestelle Eigenthal Talboden erreicht und wir befinden uns mittendrin in der Idylle.

Das Wetter meint es nur mässig gut mit uns, den Pilatus haben wir aufgrund von Nebelschwaden noch nicht zu Gesicht bekommen und die Wege sind noch durchtränkt vom Regen. Diese Konstellation veranlasst uns, eher eine kürzere Wanderung ohne zu viele Höhenmeter zu unternehmen. Wir entscheiden uns, die Rundwanderung vom Eigenthal Talboden zur Alp Unterlauelen und Oberlauelen unter die Füsse zu nehmen. Die Panoramakarte vom Eigenthal studierend, plane ich insgeheim schon den nächsten Ausflug. Denn der Weg hoch zum Pilatus – vorbei am herzig klingenden «Mittaggüpfi» oder dem vom Namen her besser passenden «Regenflüehli» – hört sich verlockend an und ist somit auf meiner Wunschliste für ein anderes Mal notiert.

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Die Wanderung:

  • Start und Ende: Posthaltestelle Eigenthal

  • Via: Gantersei (988 m) – Unterlauelen (1063 m) – Oberlauelen (1330 m) – Chräigütsch (1081 m)

  • Zeit: ca. 3 Stunden

  • Höhendifferenz: 455 m Aufstieg/Abstieg

  • Kilometer: 9

  • Belag: Pfad 3,8 km – Weg 3,4 km – Asphalt 1,5 km

  • Wandervolk: Sehr ruhige Wanderung mit wenig Wanderern. Ob dies dem mässig guten Wetter geschuldet ist oder nicht, ist schwierig zu sagen. Die Wanderer waren jedenfalls mehrheitlich Touristen aus dem Ausland. Ihnen schien die fehlende Aussicht auf den Pilatus nicht viel auszumachen – das Panorama ist auch ohne Pilatus wahrlich eindrücklich genug.

  • Fauna: Schon einige Meter nach Start der Wanderung haben wir einen Hirsch am Waldrand entdeckt, und wenn der Blick durch den Feldstecher nicht täuschte, auch eine Gämse. Steinböcke soll es auch geben, diese haben sich aber wie der von Wolken eingehüllten Pilatus versteckt. Ansonsten trifft man auf der Wanderung zu der sehr schönen und innovativen Alp Unterlauelen auf zwei neugierige Esel und Schafe.  Zudem muss man aufpassen, nicht einer der überraschend vielen Weinbergschnecken am Waldrand zu zertreten.

  • Pilze: Eigentlich ist meine Angabe der Wanderzeit geschummelt. Wir brauchten nicht die offiziellen drei Stunden, sondern deren fünf. Dies ist der grossen Anzahl an Pilzen geschuldet. Ein Meter vor und ein Meter nach rechts oder links war das Motto. Die Ausbeute waren Steinpilze, ein Maronenröhrling und zahlreiche Hexenröhrlinge (ob nun ein Flocken- oder Netzstieliger, da scheiden sich die Geister) und vereinzelte Eierschwämme. Bitte Pilzsammelbestimmungen beachten.

  • Highlights: Die Aussicht ins Entlebuch, der «Schaukeldom» (4er-Gireitsli) auf dem «Chräigütsch» und die bereits erwähnten Pilze.

  • Einkehren: Die Alpwirtschaft Unterlauelen lädt zum Einkehren ein. Zudem lockt ein Stallrundgang und der abschliessende Besuch im Alp-Lädeli. Und zum Schluss darf ein leckeres Dessert und ein verdienter Suure Most am Ziel nicht fehlen.

Übrigens...

Falls man vor lauter Pilze suchen die Zeit vergessen sollte, im Hotel Hammer würde man sich sofort heimelig fühlen. Die über 100-jährige Geschichte des Hotels wird nicht nur auf zahlreichen Bildern erzählt, auch die knarrenden Holzdielen sprechen für sich. Die Gastgeberin erklärt zudem gerne und spannend von der Familientradition, und so könnte man vor lauter Geschichten fast die fein gebratene und regional im Rümlig-Bach gefangene Forelle auf dem Teller vergessen. Doch der Duft holt einen wieder in die Realität zurück und so geniesst man ein wunderbares Mahl inmitten einer schönen Bergkulisse.

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