«Wir bringen Leben und Farbe in die Unterführung»

Seit kurzem stehen neue, kunterbunte Bildschirme in der Unterführung des Bahnhofs Bern. Was es damit auf sich hat, erklärt ein solcher gleich selbst.

Kundenströme vor Infoscreen?
Kundenströme vor Infoscreen?

Fangen wir «schawinski-mässig» an: Wer bist Du?
Ich bin einer von 28 digitalen Werbe-Bildschirmen in der Berner Bahnhofsunterführung. Aber Du darfst auch ePanel zu mir sagen.

OK, ePanel. Was machst Du hier in der Unterführung?
Meine 27 Kolleginnen und Kollegen und ich ersetzen die Werbeplakate, die bis Mitte Juli 2018 an den Werbesäulen und damit am fast gleichen Standort angebracht waren. Wir wollen ein bisschen Leben und Farbe in die eher dunkle und oft hektische Unterführung bringen. Auch wollen wir den Reisenden etwa bei Störungen wichtige Infos zum Bahnbetrieb geben. Und – last but not least – etwas mehr Ordnung in die Unterführung bringen. Wir sind eben ziemlich flexibel, und smart (lacht).

Wir geben den Reisenden bei Störungen wichtige Infos zum Bahnbetrieb.

ePanel im Bahnhof Bern

Tönt nicht gerade nach Bescheidenheit. Die Frage sei erlaubt: Wie wollt ihr Ordnung in die Unterführung bringen?
Bern ist der zweitgrösste Bahnhof der Schweiz und mit über 270 000 Reisenden pro Jahr fast an seinen Kapazitätsgrenzen angekommen. Erlösungen werden erst die zweite Personenunterführung und der neue RBS-Bahnhof bringen, welche im Rahmen von www.zukunftbahnhofbern.ch kommen werden. Bis dahin ist es wichtig, dass sich die verschiedenen Passagierströme möglichst wenig vermischen, und so ein grosses Chaos entsteht. Oder ein «Gschtungg», wie wir Berner sagen. Ideal wäre es, wenn die Leute möglichst auf einer Seite der Unterführung rauf und auf der anderen runter laufen. Wir ePanels helfen dabei, in dem wir in einem 30 Grad Winkel zum Personenfluss stehen. Denn Untersuchungen zeigen, dass Menschen mehrheitlich auf bewegte Bilder zugehen. 

Wenn ich Dich so anschaue, so gross, farbig und schillernd: Bist Du nicht ziemlich teuer?
Ich fass das jetzt mal als Kompliment auf. Da ich «state of the art» bin, lasse ich mich kostengünstiger betreiben und bringe erst noch mehr Einnahmen, als bisherige Produkte. Dieses Geld fliesst übrigens ins Bahnsystem zurück, davon profitieren die öffentliche Hand und die Bahnkunden. Bei meinem Bau wurden auch Synergien mit der Installation für die neuen digitalen Zuganzeigen genutzt. Unter anderem sind deren Leitungen, Sicherungen und Kabelanschlüsse in den Metallkonstruktionen meiner Stützen integriert. Auch so floss ein grosser Batzen ins Sparkässeli.
    
Gefällt Dir Dein Job?
Zugegeben: Es gibt angenehmere Orte als die Berner Bahnhofsunterführung. Aber wenn ich etwa mit einer schönen Werbung Leute zu einer Reise animieren kann, oder Reisende bei Zugsverspätungen weiterhelfen kann, ist das schon ein gutes Gefühl. Und weil Zürich ja bald der digitalste Bahnhof sein will können wir hier in Bern zeigen, dass auch wir nicht ganz hinter dem Mond leben…