Was taugt das neue Gratis-Internet in Schweizer Zügen?

Warum macht WLAN in Schweizer Zügen wenig Sinn und was taugt SBB FreeSurf als neues Gratis-Internet der SBB? Nachgefragt bei Jörg Halter, seit 20 Jahren Studienautor des Telekom Ratings der «Bilanz».

Gratis-Internet in Schweizer Zügen
Gratis-Internet in Schweizer Zügen

Jörg Halter, ganz kurz: Was ist der Unterschied zwischen WLAN zu Hause und WLAN im Zug? 
Per Definition ist WLAN eine drahtlose Im-Haus-Verbindung, welche mit einem idealerweise schnellen Drahtanschluss mit dem Internet verbindet, was im Stationären immer der Fall ist. In mobilen Transportmitteln wie dem Zug ist dieser drahtgebundene Anschluss gar nicht verfügbar. Es bleibt also nur der Weg über den Mobilfunk, was es natürlich schwieriger macht, dieselbe Qualität zu erreichen. 

Jörg Halter, Studienautor des Telekom Ratings der «Bilanz».

Kunden und Medien wollen WLAN im Zug. Können Sie das nachvollziehen?
Ja, da dies früher richtig war. Mit einem WLAN in mobilen Transportmitteln sind Verbesserungen jedoch nur dann möglich, wenn die Mobilfunkabdeckung schlecht ist. Die Schweiz ist international anerkannt eines der Länder mit einer nahezu vollständigen Abdeckung, speziell auch entlang der Bahnstrecken. Für diese taten sich die Mobilfunkanbietern zudem zusammen und bieten gemeinsam eine sehr hohe Abdeckung. Im Weiteren leistet die SBB mit zusätzlichenVerstärkern in den Zügen und mobilfunkdurchlässigen Fenstern ergänzende Optimierungen für einen guten Mobilfunkempfang. Ein zwischengeschaltetes WLAN im Zug würde in der Regel eher verlangsamen, muss es doch in jedem Fall auf dieselben Antennen zugreifen wie das einzelne Smartphone.

Aber in internationalen Zügen ist WLAN eingebaut?
Unsere Nachbarländer verfügen in der Fläche über eine deutlich schlechtere Abdeckung. Hier macht ein WLAN, welches Daten zwischenspeichert und von Anbieterantenne zu Anbieterantenne springt, Sinn. Die Mobilfunkanbieter in diesen Ländern konnten sich im Gegensatz zur Schweiz auch nicht auf ein gemeinsames Vorgehen entlang der Bahnstrecken und Tunnels einigen. Dies verschlechtert deren Mobilversorgung zusätzlich. Das darum notwendige WLAN setzen die ausländischen Bahnen dann halt auch in der Schweiz ein, respektive muss die SBB im Ausland ebenfalls ein WLAN einsetzen.

Die hohe Anzahl Antennen entlang der Strecken bringt den besseren Erfolg als eine WLAN Verbindung im Zug.

Jörg Halter

Wie beurteilen Sie die Versorgung entlang der Bahnstrecken?
Wie schon gesagt, haben wir in der Schweiz eine besonders gute Ausganslage mit überdurchschnittlicher Mobilfunkversorgung. Die hohe Anzahl Antennen entlang der Strecken bringt damit deutlich den besseren Erfolg, als eine WLAN Verbindung im Zug, welche dann keinen schnelleren Weg gegen aussen besitzt. Weitere Antennen werden auch laufend noch gebaut, um den höheren Bedarf an Datenverbindungen aus dem Zug entgegen zu kommen . Die Fortschritte,  erfolgten in vielen Schritten, so dass diese den Reisenden gar nicht mehr auffallen. Und: Eine wirklich hundertprozentige Versorgung wird es wohl nie geben. Den Mobilfunknetzbauern steht eine zu hohe Anzahl Hürden wie ungewünschte Antennenstandorte, Kundenwachstum, schnellere Handys, oder grössere Datenvolumen im Weg. Die SBB ist wie jedes andere Transportunternehmen mit oder ohne WLAN auf diese Infrastruktur angewiesen. 

Wie wichtig ist eine Gratis-Verbindung vom Zug zum Internet für die Reisenden überhaupt?
Schon weit über die Hälfte der mobilen Nutzerinnen und Nutzer verfügt über einen Flatrate-Tarif. Diese Zahl nimmt mit neuen Angeboten der Anbieter weiter zu und damit das Interesse an Gratis-Verbindungen ab. Wer jedoch noch keine Flatrate hat, dem bietet die SBB neben Free WiFi in den Bahnhöfen mit «SBB FreeSurf» eine echte Innovation. Nach der einmaligen Anmeldung über die SBBFreeSurf-App übernimmt die SBB die Verbindungskosten und die Kunden surfen gratis im Internet. Anstelle des extra anzuwählenden WLAN Anschlusses, der ja zudem häufig langsamer ist als der direkte Mobilfunk, behalten die Reisenden ihre gewohnte Verbindung mit dem Smartphone bei. Für die Kosten kommt die SBB auf, was diese Reisenden sicher zu schätzen wissen.

Ist SBB FreeSurf auch auf die Zukunft ausgerichtet?
Die von der SBB angestrebte Lösung passt bestens in die Marktentwicklung. So führt zum Beispiel die anstehende 5G-Einführung zu keinen Änderungen und erzeugt dadurch weder Verzögerungen noch bedingt sie wieder Anpassungen. Der Service bleibt auch bei jeder App Neuheit ohne Massnahmen der Reisenden oder der SBB immer derselbe. Somit erweist sich diese Lösung als der richtige Weg für die Zukunft.

So funktioniert SBB FreeSurf