Wer steckt hinter dem Fahrplan des Léman Express?

In 14 Monaten rollt im Grossraum Genf die grösste grenzüberschreitende S-Bahn Europas an. «SBB News» zeigt in einer Serie jene Mitarbeitenden, die am Erfolg des Léman Express arbeiten. In diesem Beitrag: Julien Leuenberger, Angebotsplaner Personenverkehr.

Im Dezember 2019 wird der Léman Express komplett in Betrieb genommen
Im Dezember 2019 wird der Léman Express komplett in Betrieb genommen

Der Countdown läuft. In 14 Monaten wird die grösste grenzüberschreitende S-Bahn Europas in Betrieb gehen. Mit «SBB News» erhältst du einen Blick hinter die Kulissen und begegnest den Menschen, die daran arbeiten, dass die Betriebseinführung zum Erfolg wird. Aber beginnen wir von vorne. Bevor eine neue Strecke gebaut wird, muss das Angebot bestimmt werden. Julien Leuenberger ist Leiter Angebotsplanung Fernverkehr Romandie. Er erläutert hier seine Rolle in diesem Projekt.

Julien an der Arbeit in seinem Büro in Lausanne

Julien Leuenberger, Leiter Angebotsplanung Region West

Wie alt bist du? 
34-jährig. Ich arbeite seit 3 Jahren bei der SBB.

Wie wirst du den Léman Express erleben? 
Als gebürtiger Genfer werde ich ihn oft benutzen, um meine Schwester in der Nähe von Annemasse zu besuchen, mit Freunden bei Champel-Hôpital etwas trinken zu gehen, in Carouge-Bachet ein Puppentheater jener Truppe zu sehen, in der mein Partner mitspielt, oder meine Schwiegerfamilie in Chambésy zu besuchen.

Welche Rolle hast du in der Organisation Personenverkehr für die Betriebseinführung Léman (OVMEL)? Und seit wann bist du hier tätig?
Ich bin Leiter des Teilprojekts Angebot. Wir sind ein Team aus Angebotsplanern, Verkehrsplanern (sie entwickeln Modelle für die Angebotsprognose) und Finanzmanagern. Zusammen mit unserer Tochter Lémanis arbeiten wir an der Harmonisierung zwischen unseren Fernverkehrsprodukten und dem Léman Express. Zusammen mit den Infrastrukturbetreibern (SBB-I und SNCF-Réseau) definieren wir den Fahrplan, die Haltepolitik, die Flottengrösse und die quantitativen Indikatoren (Zugkilometer, Fahrstunden usw.). Alle diese Elemente fliessen in die finanzielle Berechnung des Regionalverkehrsangebots ein. Ich bin von Anfang an bei der OVMEL tätig.

Wie sieht das Ergebnis deiner Arbeit nach der vollständigen Inbetriebnahme des Léman Express konkret aus?
Das Hauptergebnis meines Teams wird die Verlässlichkeit und die Qualität des Angebots beim Fahrplanwechsel 2019 sein. Unsere Herausforderung besteht darin, dass der Léman Express unseren Kunden von Anfang an einen stabilen Fahrplan und ein ausreichendes Sitzplatzangebot bietet und die Qualitätsanforderungen der SBB erfüllt.

Wir bieten den Menschen eine Mobilitätsalternative an, die bis heute gefehlt hat.

Julien Leuenberger

Was macht deine Arbeit besonders interessant?
Mir gefällt insbesondere, dass sich unsere Arbeit direkt auf unsere Kunden auswirkt. Wir werden einen echten Unterschied im Leben der Menschen machen, denn wir bieten ihnen eine Mobilitätsalternative an, die bis heute gefehlt hat. Als gebürtiger Genfer weiss ich, seit wie lange dieses Projekt schon ein Thema ist. Darum finde ich es total spannend, jetzt an der Umsetzung mitzuarbeiten. Es bedeutet aber auch, dass die Erwartungen der Öffentlichkeit riesig sein werden. Wir müssen alles daran setzen, dass die Betriebseinführung diesen Anforderungen gerecht wird.

Welche Herausforderungen siehst du als nächstes?
Natürlich steht die Inbetriebnahme zuvorderst. Wir versuchen, unterschiedliche Szenarien zu erstellen, um bis dahin für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Sobald der Léman Express fährt, müssen wir uns daran machen, unsere Prognosen mit der effektiv gemessenen Nachfrage in den Zügen zu vergleichen. Da es sich beim Léman Express um ein komplett neues Angebot handelt, ist es äusserst schwierig, die Anzahl unserer Kunden für die ersten Monate abzuschätzen; erst noch in einem grenzüberschreitenden Kontext und für ein so grosses Einzugsgebiet. Möglicherweise werden wir unser Angebot also der effektiven Kundennachfrage anpassen müssen.

OVMEL: die ganze Bahnproduktionskette an einem Tisch.

Die Organisation Personenverkehr für die Betriebseinführung Léman wurde im Februar 2017 lanciert, um den kommerziellen Betrieb des Léman Express bis Dezember 2019 aufzugleisen und dabei die Projekte von Léman 2030 zu berücksichtigen. In dieser Struktur sind alle Kompetenzen der Division Personenverkehr zusammengefasst. Somit bildet sie die gesamte Bahnproduktionskette ab. Die OVMEL ist also eine Art Division Personenverkehr in Miniatur. Die Bauarbeiten an der CEVA-Strecke gehen Mitte 2019 zu Ende. Damit sind nun alle Augen auf das künftige Personenverkehrsangebot gerichtet.

Die OVMEL besteht aus einer Projektleitung und zehn Teilprojekten (Losen). Für jedes Los ist je ein Fachkader verantwortlich. Vom Standort der Billettautomaten über die Anzahl der im Netz verkehrenden Züge bis zur Lokführerausbildung werden hier alle konkreten Aspekte des künftigen Léman-Express-Angebots entworfen und genehmigt. Und dies immer in Zusammenarbeit mit der SNCF und unserer Tochtergesellschaft Lémanis AG.

Weniger als 450 Tage vor Inbetriebnahme des Léman Express soll mit dieser Porträt-Serie gezeigt werden, wie umfassend und vielfältig die Arbeiten sind, die unsere Kollegen und ihre Teams – insgesamt etwa 60 Personen – dafür erbringen. Dabei werden auch die facettenreichen Aspekte vorgestellt, welche die Schaffung dieses beispiellosen grenzüberschreitenden Bahnangebots mit sich bringt. Steigt mit uns in den Léman Express ein!