Ostschweiz: Zuerst die Bauarbeiten, dann das Vergnügen

Der neue Fahrplan mit markanten Verbesserungen für die Reisenden im Raum Zürich/Ostschweiz ist in den Startlöchern. Hierfür schraubte und hämmerte die SBB am Bahnnetz kräftig herum: Über 40 Bauprojekte wurden umgesetzt. Sabrina Schmid und Manfred Lüscher waren an vorderster Front dabei.

Sabrina Schmid, Bauleiterin, steht vor der neu gebauten Doppelspur.
Sabrina Schmid, Bauleiterin, steht vor der neu gebauten Doppelspur.

«Neuerungen für Winterthurer Zugreisende» oder «Besserer Bahnverkehr für Zürich und Ostschweiz» lauteten kürzlich die Schlagzeilen zum alljährlichen Fahrplanwechsel, wo dieses Jahr besonders die Region Zürich und Ostschweiz zum Handkuss kommen. Rund ein Drittel aller Linien (Zürcher S-Bahn, Thurbo, Fernverkehr Ostschweiz) erhält ein besseres Angebot. Oder anders ausgedrückt: Ab Fahrplanwechsel profitieren rund 170 000 von 510 000 Reisenden täglich von einer Verbesserung auf ihrer Strecke.

Wer sich in der Vergangenheit beispielsweise auf der Fahrt von Zürich nach Kreuzlingen gefragt hat, was die SBB an jeder Ecke baut, erhält mit dem neuen Fahrplan eine Antwort. Ein Fahrplanwechsel dieser Dimension bedarf einer Menge an Anpassungen und Ausbauten der bestehenden Bahninfrastruktur.

Von der Idee bis zum fahrenden Zug dauerte es rund 20 Jahre und unzählige Abstimmungen zwischen Bund, Kantonen und der SBB als Infrastrukturbesitzerin. Daraus sind über 40, teils eng miteinander verknüpfte Bauprojekte entstanden, die ihrerseits wieder Basis für weitere Ausbauschritte des Bahnnetzes sind. Das Investitionsvolumen betrug gesamthaft fast 1 Milliarde Schweizer Franken.

An dieser Stelle hätte die Anzahl der Mitarbeitenden, die bei Planung und Umsetzung all dieser Projekte beteiligt waren, stehen sollen. Doch die Recherche blieb erfolglos. Dass es mehrere Tausend sind, ist zweifelsfrei. Sichtbar sind sie selten, unentbehrlich aber auf jeden Fall.

Bahnausbau Kanton Thurgau

Besonders viele Baumaschinen waren in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Kanton Thurgau im Einsatz. Dies, damit ab Fahrplanwechsel fast alle Regionalverkehrszüge im Halbstundentakt fahren können oder sich die Anschlüsse von der Seelinie (Schaffhausen, Kreuzlingen, Romanshorn und Rorschach) an die Fernverkehrszüge verbessern. So baute die SBB zahlreiche Bahnhöfe zu sogenannten Kreuzungsstationen aus, damit die Züge reibungslos und ohne Wartezeiten aneinander vorbeikommen. Oder aber passte auf kilometerlangen Strecken Signale und Fahrleitungen an, um den Mehrverkehr bewältigen zu können. Finanziert wurde der Bahnausbau im Thurgau vom Bund; er liess ihn sich rund 300 Millionen Franken kosten.

Doppelspur Kehlhof: «Von Weiche zu Weiche – 1000 Erinnerungen»

Sabrina Schmid ist Bauleiterin und arbeitet in der «ig ottenberg» bei SNZ Ingenieure und Planer AG, eine der über 60 beteiligten Drittfirmen, die beim SBB Projekt Doppelspur Weinfelden–Kehlhof beteiligt waren. Der Bau des zweiten 4,7 Kilometer langen Gleises war das aufwändigste aller Projekte im Thurgau: Neben 86 Millionen Franken verschlang das Projekt auch 400 Tonnen Stahl und 85 Kilometer Kabel, was notabene der Strecke St.Gallen–Chur entspricht. Nötig ist es, damit sich die Fernverkehrszüge im Raum Kehlhof kreuzen können und dem neu halbstündlich fahrenden Regionalverkehr nicht in die Quere kommen. Warum Sabrina Schmid zufrieden ist, dass das Projekt erfolgreich fertig ist, und mit welchen Schwierigkeiten sie und ihr Team beim Projekt zu kämpfen hatten, erzählt sie gleich selber.

Leistungssteigerung Bahnhof Winterthur

Wer bei dem Begriff «Leistungssteigerung» an Doping denkt, liegt gar nicht so falsch. Weil der Zuwachs an Zügen und damit Reisenden am Bahnhof Winterthur in den vergangenen Jahren massiv angestiegen ist und dies weiterhin tut, war und ist es nötig, den Bahnhof entsprechend aufzurüsten und eben leistungsfähiger machen: Konkret heisst das, zusätzliche und schnellere Weichen im Westen des Bahnhofs, Seite Zürich, einzubauen und die Perrons 1,2, 6/7 und 8./9. an den Enden zu verlängern und verbreitern, damit ab dem Fahrplanwechsel längere und vor allem mehr Züge von und nach Winterthur fahren können. Ein absolut legales Doping, von dem die Reisenden auf der gesamten Ost-West-Achse und in der ganzen Region profitieren. Gekostet haben die Bauarbeiten 123 Millionen Franken.

«Ich bin stolz, dass ich bei diesem Projekt dabei sein durfte»

Manfred Lüscher arbeitet seit 42 Jahren für die SBB. Seine Karriere auf Schotter und Schienen startete er mit einer Lehre zum Gleismonteur. Danach war er als Vorarbeiter-Stellvertreter und Vorarbeiter tätig. Heute ist er Polier Gleisbau und hat mit seiner jahrelangen Erfahrung massgeblich zum Gelingen der Leistungssteigerung Winterthur mitgeholfen: So wurden zum Beispiel 42 Weichen verbaut oder die Fahrleitung auf einem Abschnitt von 1,5 Kilometern über mehrere Gleise mitsamt 320 Fundamenten erneuert. Dies oft nachts in den Betriebspausen, da die Bauarbeiten den regulären Zugverkehr nicht stören durften. Ob die Nachtarbeit die grösste Herausforderung für Manfred Lüscher war und was er an seiner Arbeit besonders mag, verrät er im Video.