Wie wird man eigentlich Lokführer?

Früher war das Berufsziel Lokführer fast unerreichbar. Etwa so wie Bankdirektor oder Swissair-Pilot. Heute ist das etwas anderes. Weder wird eine Ausbildung als Mechaniker, noch die Militärtauglichkeit vorausgesetzt. Der Lokführerberuf kann von Frauen und Männern gleichermassen erlernt werden.

Wie wird man eigentlich Lokführer?
Wie wird man eigentlich Lokführer?

Welches sind die Voraussetzungen?

  • Eine abgeschlossene 3-jährige Berufslehre oder die Matura

  • (die Ausbildung zum/zur Lokführer/in ist eine Zweitausbildung)

  • Medizinische und psychologische Eignung

  • Interesse für die technischen Belange des Berufs sowie Freude am Kundendienst

Trotz allem gehört wie in jedem Beruf eine gewisse Portion Glück dazu. So können zum Beispiel eine Farbenblindheit, ein eingeschränktes Hörvermögen oder Diabetes das Aus für den Berufswunsch bedeuten. Natürlich müssen auch offene Stellen ausgeschrieben sein, eine Ausbildung auf eigene Faust ist nicht möglich. Auch über die finanzielle Situation sollte man sich im Voraus Klarheit verschaffen: Die Ausbildung ist zwar bezahlt, aber nicht zum vollen Lohn. Der Lohn gleich nach der Ausbildung ist tiefer als das, was viele Arbeitnehmende gewohnt sind. Der Lohn steigt dann langsam aber kontinuierlich an.

Der Lokführerberuf hat Vor- und Nachteile, über die man sich vor der Bewerbung informieren sollte. Über die Vorteile schreibe ich in meinem nächsten Beitrag. Denn ich finde, dieser Beruf bringt so viel Schönes mit sich, das ist einen eigenen Beitrag wert. Wer gerne jedes Wochenende in den Ausgang geht, wird möglicherweise enttäuscht. Generell ist es schwieriger, das Sozialleben aufrecht zu erhalten. Denn wir arbeiten dann, wenn andere den Feierabend geniessen und haben dann frei, wenn alle anderen im Büro sitzen.

Eine gute Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich zu informieren, bieten übrigens die Infoanlässe der SBB. Auf der gleichen Seite findet sich auch ein sehenswerter Film über den Lokführerberuf.

Es gibt viele Leute, für die klar ist: «Ich will Lokführer werden». Sie informieren sich auf der Webseite über offene Stellen und reichen die Bewerbungsunterlagen ein. Und nun beginnt ein spannender Marathon.

In einem ersten Schritt werden psychologische Aspekte getestet. Wie sieht es mit der Konzentration aus? Kann sich der Kandidat oder die Kandidatin Zahlen merken? Wie gross ist das Durchhaltevermögen? In einer Befragung werden Aspekte wie Frusttoleranz, der Umgang mit Einsamkeit und Monotonie sowie die allgemeine psychische Stabilität getestet. Die dritte Untersuchung ist den körperlichen und medizinischen Aspekten gewidmet. Für Lokführer und Lokführerinnen ist Gesundheit eine zentrale Voraussetzung. Wer alle Tests bestanden hat, wird zuletzt noch in einem klassischen Bewerbungsgespräch «auseinander genommen».

Pro Klasse werden in der Regel 12 Personen ausgebildet. Die Vollzeitausbildung dauert ca. ein Jahr, es wurden aber auch schon Teilzeitklassen angeboten. Zuerst wird man mit der Theorie vertraut gemacht. Zentral sind dabei die Fahrdienstvorschriften, welche schweizweit für alle Bahnen gültig sind. Diese Fahrdienstvorschriften haben es in sich. Reines «Juristendeutsch» und etwa so gut verdaulich wie ein Fondue mit Doppelrahmkäse.

Später in der Ausbildung kommt die Praxis dazu. Als erstes sitzt man als «Heizer» neben seinem Lehrlokführer. Plötzlich erhält die Theorie ein Gesicht. In Theorie und Praxis lernt man die verschiedenen Fahrzeuge kennen. Jedes Fahrzeug hat seine Eigenheiten. Bald führt man – überwacht von einem erfahrenen Kollegen – selbst die ersten Züge. Die Ausbildung wird mit theoretischen und praktischen Prüfungen abgeschlossen.

Ein unvergessliches Erlebnis ist die erste Fahrt ganz allein im Führerstand. Auch wenn ein gewisser Bammel dabei war, freute ich mich doch sehr, meine erste S9 von Zug nach Uster führen zu können. Meine Eltern sassen als Passagiere hinten im Zug und waren mächtig stolz!