Entschleunigen erwünscht! Ein Winterausflug nach Gstaad

Ist es nicht zauberhaft, bei strahlendem Sonnenschein querfeldein durch den knirschenden Neuschnee zu stapfen, klare Bergluft einzuatmen und nichts als den eigenen Schritt zu hören? Ich liebe solche Momente!

Wintergenuss garantiert

Rund um Gstaad locken über dreissig ausgeschilderte Winterwanderwege mit einem unvergleichlichen Schneevergnügen. Sei es der bequem mit der Gondel erreichbare Höhenweg auf der Wispile, der aussichtsreiche Pfad zum Vorderen Eggli – dem Hausberg von Gstaad - oder aber die romantischen Spazierwege entlang der Saane. Gemeinsam ist den Routen, dass unterwegs ein kulinarisches Highlight wartet. Vom Fonduerucksack über überdimensionale Caquelons am Wegrand bis hin zu urigen Alpbeizli und edlen Restaurants ist für jeden Geschmack was mit dabei. 

Durch traumhafte Landschaften zum Lauenensee

Bei dieser grossen Auswahl ist es nicht einfach, sich für eine Tour zu entscheiden. Unsere Wahl fällt schlussendlich auf die Rundwanderung Lauenen-Lauenensee, die eine schöne Kombination aus herrlich unberührter Natur und urigem Einkehrstop verspricht. Hierfür setzen wir uns am Bahnhof Gstaad ins Postauto mit der Aufschrift «Lauenen». Das lokale Motto «Come up, slow down», wird ernst genommen. Die Abfahrt verzögert sich um wenige Minuten, weil wir einen Anschlusszug abwarten. Wir nehmen’s gelassen – im Postauto ist es warm und die Zeit rennt uns heute nicht davon.
15 Minuten später erreichen wir den Dorfkern von Lauenen. Draussen schlägt uns eine klirrende Kälte entgegen. Wir haben nicht nur den schönsten Wintertag der noch jungen Saison, sondern vermutlich auch den kältesten erwischt. Die Zeit, bis sich die Sonne hinter den stotzigen Berghängen hervorgekämpft hat, nutzen wir für eine Kaffeepause im Hotel Alpenland am Wegrand. 
 

Mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages und von innen mit Kaffee aufgewärmt fühlen sich die Minustemperaturen nicht mehr gar so beissend kalt an. Motiviert wandern wir los und folgen dem Rundwanderweg gegen den Uhrzeigersinn bergwärts. Bald einmal öffnet sich der Wald und gibt schöne Ausblicke auf die gegenüberliegende Talseite frei. 

Doch das ist noch nicht der Höhepunkt. Der schönste Abschnitt des Rundweges folgt nach dem Weiler «Hinderem See». Hier zweigt der Winterwanderweg von der Strasse auf einen Feldweg ab und leitet uns durch ein tief verschneites Waldstück zu einem herrlichen Aussichtspunkt hoch über dem weiss überzuckerten Lauenensee. Was für eine Idylle! 

Uriges Beizli im Winterwunderland

Am anderen Ende des Sees erblicken wir unser Etappenziel – das Mattestübli, das sich mitten auf einer Lichtung an beneidenswerter Lage befindet. Einzig ein unscheinbarer Wegweiser deutet darauf hin, dass sich hier hinten ein Kleinod für Geniesser befindet. Seit 14 Jahren bewirtet Veronika Brand während der Wintermonate in ihrer Stube Gäste. Mit diesem kleinen Beizli hat sie sich einen Lebenstraum erfüllt. Wieviel Leidenschaft da mitschwingt, spürt man sofort. Die Einkehr im Mattestübli fühlt sich so an, als wäre man bei Freunden eingeladen. 

Wir steigen die knarrigen Holzstufen zur Veranda hoch, ziehen unsere Winterschuhe aus, schlüpfen in die Hüttenfinken und setzen uns an einen der gedeckten Tische im heimeligen Stübli. Der Kachelofen in der Stubenecke strahlt eine wohlige Wärme aus und die von Veronika Brand kreierte Teemischung aus Lindenblüte, Münze, Schwarztee und Zitronensaft ist genau das Richtige für einen kalten Wintertag. Auf der kleinen Karte befinden sich mehrheitlich Gerichte mit Zutaten aus Eigenproduktion. Zu den Mattestübli Klassikern gehören Plättli mit Alpkäse und Trockenfleisch vom eigenen Vieh, Käseschnitten und Fondue. Wir probieren zuerst das hauchdünn geschnittene, würzige Trockenfleisch und beobachten durchs Stüblifenster die kecken Alpenbraunellen und Buchfinken, die uns neugierig vom Fenstersims beäugen. 

Später kosten wir Veronika Brands hausgemachte Fonduemischung und sind uns einig: Konsistenz & Geschmack sind perfekt! Zum Dessert serviert sie uns einen sündhaft feinen Schokoladenkuchen mit frischer Nidle und einer Caramelcrème. Beim Blick auf die Uhr staunen wir, wie schnell die Zeit im Mattestübli vorangeschritten ist. Bevor sich die Sonne hinter der Wispile verabschiedet, nehmen wir den Rückweg in Angriff.

Der kurzweilige Rundweg führt uns durch das Naturschutzgebiet Rohr zurück in den Dorfkern von Lauenen. Der Winterwanderweg wird geziert von sogenannten Tristen: grosse, kegelförmige Heuhaufen, die um eine Holzstange geschichtet und so gelagert werden. Eine Tradition, die nicht mehr an vielen Orten zu sehen ist. Insgeheim sind unsere Gedanken aber noch im wohlig warmen Mattestübli. Kein Wunder sind die meisten von Veronikas Gästen Stammgäste – wir schmieden nämlich auch schon Pläne, hierhin zurückzukehren. 

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