«Wir brauchen mehr Rangierer, die planen können»

Rangierer wird es bei der SBB auch nach 2030 brauchen. Eine beruhigende Feststellung. Elektronik und Automation werden das Berufsfeld aber verändern. Einblick in den Dialog zur Berufsfeldanalyse Rangier.

Eine Frau erklärt einer Gruppe Rangierer ein Thema
Eine Frau erklärt einer Gruppe Rangierer ein Thema

«Die Arbeit wird digitaler. Ich rufe meinen Kollegen künftig nicht mehr an, sondern kontaktiere ihn mit dem Tablet.» Der Mann im dunkelroten, karierten Hemd hält sein Gerät in die Höhe, um die Aussage zu untermauern. «Es wird mehr Synergien geben zwischen Rangieren und Reinigen», fährt der Kollege im beigen Wollpullover rechts von ihm fort. «Die Aufgaben werden einheitlicher, dafür körperlich weniger schwer», ergänzt der ältere Mitarbeiter mit Brille und gelassenem Gesichtsausdruck.  

Die drei Rangierarbeiter der Zugbereitstellung Personenverkehr haben auf die Frage geantwortet, wie sie die Veränderungen ihres Berufes sehen. Gestellt hat sie Reto Näf, Regionenleiter Zürich der Zugbereitstellung. Er führt zusammen mit Karin Gröbli von HR Bildung den Dialog mit den acht Männern. Diese repräsentieren die Standorte der Zugbereitstellung in allen Sprachregionen der Schweiz sowie die Berufe Rangierspezialist, Lokführer Kategorie A40 (mit und ohne Zugvorbereitung) und operativer Rangierleiter. 

Manuelle Rangierarbeit nimmt ab 

Die Aussagen der Männer decken sich mit den Ergebnissen der durch die Leitung Zugbereitstellung vorgenommenen Berufsfeldanalyse. Karin Gröbli stellt sie den gespannt wartenden Mitarbeitenden vor: Die manuelle Rangierarbeit wird durch die Einführung neuer elektronischer und automatischer Systeme abnehmen, es wird durch die Reduktion der Rangiertätigkeit mehr Aufgaben in der Reinigung geben, anstatt einzelne Wagen werden hauptsächlich Triebfahrzeuge zu rangieren sein. 

Die Männer zeigen sich nicht besonders überrascht. Das Resultat entspricht in etwa ihren Erwartungen. Ob sie sich persönlich in den neuen Berufsfeldern wiederfinden würden, will Reto Näf von ihnen wissen. Es kommt kein Nein aus der Runde. «Wir brauchen mehr Rangierer, die planen können», stellt einer fest. Reto Näf bestätigt ihn. «Immer mehr Arbeiten werden im Voraus planbar sein, weil uns digitale Systeme unterstützen. Dadurch wird die Arbeit homogener und weniger komplex…» 

«…und deshalb wird der Lohn sinken», wirft ein jüngerer Mitarbeiter kritisch ein. Karin Gröbli versucht, den Betrachtungswinkel zu weiten. «So einfach lässt sich das nicht sagen. Die Anforderungen verändern sich. Grundsätzlich gilt: Nehmen die Anforderungen zu, steigt der Lohn und umgekehrt.» Die Bildungsvertreterin weist die Männer darauf hin, dass es der Wille der SBB sei, ihre Mitarbeitenden auf den Wandel vorzubereiten. Sie appelliert aber an die Selbstverantwortung jedes einzelnen: «Wir alle müssen bereit sein, uns weiterzuentwickeln.» 

Grössere Veränderungen ab 2030

Ob es sich für die SBB auszahlen würde, für die veränderten Funktionen neues Personal anzustellen anstatt auf das bisherige zu setzen, will ein Rangierer mit kurzgestutztem Bart wissen. Karin Gröbli verneint. «Das Gegenteil ist der Fall. Extern zu rekrutieren ist längerfristig teurer als die eigenen Mitarbeitenden weiterzubilden.» Der Mann nickt zufrieden. 

Nach 75 Minuten engagierter Diskussion schliesst Reto Näf das Forum mit der Feststellung, dass das Berufsbild Rangierer bis ins Jahr 2030 nicht auf den Kopf gestellt werde. «Die Berufsfelder werden bestehen bleiben, und die Synergien mit der Reinigung nutzen wir ebenfalls weiter.» Auch wenn er anfügt, dass es im übernächsten Jahrzehnt durch die geplante Standardisierung der Flotten zu grösseren Veränderungen kommen dürfte, können die Teilnehmer des Dialogs ihren Kolleginnen und Kollegen draussen auf den Gleisen ruhigen Gewissens berichten: Die SBB wird auch künftig auf Rangierer setzen. 

Digitalisierung, Transformation, Automation. Begriffe, die in der SBB herumschwirren wie Mücken um eine gleissend leuchtende Glühbirne. Teilweise werden die drei Wörter tatsächlich wie lästige Mücken betrachtet. Denn sie verändern die Mobilität, die SBB und die Arbeit praktisch aller Mitarbeitenden. Von den über 150 Berufen wird bis in 15 Jahren kaum noch einer aussehen wie heute. Eine Vorstellung, die verbreitet für Verunsicherung sorgt. 

Mit so genannten Berufsfeldanalysen will die SBB dafür sorgen, dass weder sie noch ihre Mitarbeitenden von den zu erwartenden Veränderungen überrollt werden. Die Berufsfeldanalysen sind Teil des Programms fit4future, mit dem die SBB ihre Mitarbeitenden auf den beruflichen Wandel vorbereitet. 

Die Berufsfeldanalysen sind kein Prozess, bei dem anonyme Berater im stillen Kämmerlein ein fixfertiges Bild zeichnen, wie die Berufe künftig aussehen. Verschiedene Geschäftsbereiche und Mitarbeitende sowie die Personalkommission sind eingeladen, bei der Skizzierung der künftigen Berufsfelder mitzuwirken. Die Zugbereitstellung Personenverkehr hat vor einigen Wochen den Dialog mit Mitarbeitenden zu den Berufsfeldern Rangier und Cleaning durchgeführt.