Bei 1000 Volt doppelt konzentriert

Achtsame Mitarbeitende helfen mit, Zugausfälle zu verhindern und die Zuverlässigkeit der SBB zu steigern. Alf Hollenstein von der Produktionstechnik im Werk Altstetten weiss, was passieren kann, wenn die Verschraubung des Heizkabels an einem Wagen nicht richtig angezogen ist.

Bei 1000 Volt doppelt konzentriert
Bei 1000 Volt doppelt konzentriert

Die Nachricht tönt für Laienohren brisant: «Nach Auftrag zum Einschalten der Zugsammelschiene erfolgte eine Funkenbildung.» Es gab einen Knall, und das Verbindungskabel, das den Zug mit 1000 Volt für Heizung und Klimaanlage versorgt, war lahmgelegt.  

Aus dem Vorfall lernen 

Alf Hollenstein hat die Meldung aus dem Betrieb vor sich auf dem Bildschirm. Er sitzt in seinem Büro im Werk Altstetten, wo er für die Produktionstechnik verantwortlich ist. An den Fall erinnert er sich noch genau. Die Untersuchung des Wagens aus der IC-2000-Flotte förderte die Ursache schnell zu Tage. Bei Unterhaltsarbeiten hatte jemand die Verschraubung des Heizkabels nicht fest genug angezogen.  

Als das Zugpersonal die Stromversorgung einschaltete, kam es zu einem Kurzschluss, der ein Loch in die Verteilerdose am unteren Ende des Wagenkastens riss. Anstatt mit Passagieren durch die Schweiz zu fahren, musste der Wagen ausrangiert werden und landete zur Reparatur in Altstetten. 

Die kleine Ursache hatte eine grosse Wirkung. Immerhin war der Schaden nicht massiv ausgefallen. Alf Hollenstein öffnet ein Foto im Anhang. Es zeigt die versengte, schwarze Plastikdose in Grossaufnahme. Für den Fachmann war sofort klar: Der Kurzschluss hätte gravierendere Auswirkungen haben können. Etwa bei ordentlichen Unterhaltsarbeiten. «Hätte ein Mechaniker den Wagen an das Kabel mit 1000 Volt Spannung angeschlossen und wäre sein Kollege direkt neben der Dose für die Heizung gestanden, hätte dieser Verbrennungen oder einen Schaden am Trommelfell erleiden können.» 

Obschon die an dem Wagen im Verlauf der Jahre vorgenommenen Unterhalts- und Reparaturarbeiten in der Datenbank akribisch vermerkt waren, konnten Alf Hollenstein und seine Kollegen nicht rekonstruieren, wie es zu dem losen Kabel gekommen war. «Wenn wir herausfinden, wo innerhalb eines Arbeitsprozesses ein Fehler passiert ist, informieren wir den betroffenen Bereich. So können die Lehren daraus gezogen werden.»

Zum Schluss am Kabel ziehen 

Da ein direkter Adressat fehlte, hat Alf Hollenstein auf Anraten seines Chefs den Fall bei der Kampagne «Kleine Ursache – grosse Wirkung» gemeldet. Er hat eine klare Botschaft: «Wir sollten bei unserer Arbeit voll bei der Sache sein. Wenn ich weiss, dass ich mit 1000 Volt hantiere, dann bin ich doppelt konzentriert.» Der erfahrene Techniker hat sich eine simple Methode zurechtgelegt, um zu überprüfen, ob die Arbeit an der Verschraubung des Heizungskabels sauber ausgeführt ist. «Bevor ich den Deckel der Dose schliesse, ziehe ich kurz an dem Kabel.» Eine Kontrolle, die eine halbe Sekunde dauert, aber Stunden an Reparaturarbeiten und umständliches Umdisponieren von Rollmaterial einsparen kann.

«Kleine Ursache – grosse Wirkung»: Im Rahmen der Kampagne für Sicherheit und Qualität werden Geschichten aus dem Arbeitsalltag von SBB Mitarbeitenden gesucht. Wenn du ähnliche Erfahrungen wie Alf Hollenstein mit dem losen Heizungskabel gemacht hast, dann teile sie mit, damit weitere Mitarbeitende davon profitieren können. Mehr Informationen und Praxistipps findest du auf www.sbb.ch/sicherheit-qualitaet.