Unterwegs mit dem Mitfahrbillett: Ein Museum zum Staunen und Lachen

Charlie Chaplins Filme haben mich immer sehr berührt – höchste Zeit also, die dem Ausnahmekünstler gewidmete «Chaplin’s World» in Vevey endlich einmal zu besuchen.

Eine Reise mit dem Mitfahrbillett ins Chaplin's World bei Vevey
Eine Reise mit dem Mitfahrbillett ins Chaplin's World bei Vevey

An einem Regentag Zug zu fahren, hat durchaus seinen Reiz, erst recht, wenn man zu zweit mit einem Mitfahrbillett unterwegs ist. Die Landschaft saust zwar in dunkleren Farbtönen vorbei, dafür sieht der Himmel schön dramatisch aus. Und angesichts unseres Reiseziels oberhalb von Vevey, vergeht uns das Lachen sowieso nicht: In der Ausstellung Chaplin’s World spielt es keine Rolle, ob Petrus gnädig ist oder nicht.

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Das Mitfahrbillett ist von 18. März bis 5. Mai 2019 gültig für alle Kunden, die zusammen mit einer Person mit GA, Tageskarte zum Halbtax, Spartageskarte, Ausflugs-Abo oder Monatskarte zum Halbtax reisen. In Kombination mit den genannten Fahrausweisen bezahlt eine Begleitperson nur 38 Franken für ein Mitfahrbillett und reist in der gleichen Klasse einen ganzen Tag mit Zug, Schiff, Tram, Bus und Postauto quer durch die Schweiz. Weitere Infos: www.sbb.ch/mitfahren

Ein Kompliment an die Ausstellungsmacher – sogar die Übergänge sind unterhaltsam und wegweisend.
Diese Filmrollen erinnern mich unvermittelt an Wagenräder – Rollen, die für Charlie das Leben bedeuteten und Räder, die unsereins vorwärtsbringen.

Wo sich alles um Filmspulen dreht

Das Museum, das 2016 eingeweiht wurde, ist in Corsier-sur-Vevey zu finden. Vom Bahnhof Vevey aus führt der Bus Nr. 212 direkt vor die Tore des ehemaligen Wohnhauses von Charles Chaplin, dem bekannten und gleichermassen beliebten Regisseur, Schauspieler, Komponist und Ausnahmekünstler. Am 16. April 2019 jährt sich sein Geburtstag zum 130. Mal. Ein weiterer Grund, diese faszinierende Ausstellung zu besuchen. Meinen ersten Sichtkontakt mit Charlie hatte ich in meinen frühen Kinderjahren im Zürcher Bahnhofkino (gibt es seit 1985 nicht mehr). Aber ich bin nicht mehr sicher ob es «The Kid» oder «Modern Times» war. Beide Filme habe ich sowieso mehrmals gesehen und ich war stets überrascht, immer wieder neue Details zu entdecken. «Modern Times» hat sogar heute noch Aktualitätswert… Auch die Erinnerung meines Mitfahrers geht in die späten 1960er-Jahre zurück, als Buster Keaton, Dick und Doof und eben auch Charlie Chaplin für die grossen Kinolacher sorgten. 

Mit dieser Szenerie aus «The Kid» lässt es sich prima eintauchen in die Zeiten von Charlie Chaplin.

Irgendwie habe ich aber vergessen, was Charlie Chaplin sonst noch alles gemacht hat. Das wird mir im ersten Teil der Ausstellung in Chaplin’s World bewusst. Nach dem einführenden Film landen wir unvermittelt in Charlies beruflichem Leben. Da geht es um Filmsets, Schauspielerkollegen und Auszeichnungen, um Erinnerungsstücke wie Charlies Schuhe, seinen Hut – die berühmte Melone – und den Bambusstock. Und irgendwie auch um den Charme und den Witz, aber auch um die Unbeholfenheit der Kunstfigur «Charlie» – mit dem Zweifingerbart, den übergrossen Hosen und der zu kleinen Melone. Zur Freude aller Selfie-Fans sei erwähnt, dass es hier wirklich reichlich Gelegenheiten gibt, mit Charlie und anderen Berühmtheiten zu posieren.

Das Manoir de Ban, liegt eingebettet in einen wunderschönen Park mit altem Baumbestand. Ein Spaziergang, der Naturfreunde zu begeistern vermag.
Die Szene im Wohnzimmer der Chaplin-Villa, wie sie sich vor vielen Jahren wohl zugetragen hat: Oona und Charlie gucken sich einen Film an.

Gastfreundschaft in Chaplins Manoir de Ban

Den Spuren des Privatmannes Charlie Chaplin folgen wir im benachbarten ehemaligen Wohnhaus der Chaplins. 1953 zog er mit seiner Familie in die Schweiz und wohnte bis zu seinem Lebensende im Manoir de Ban. Beeindruckt wandeln wir nun durch das Haus, das mit Originalmöbeln aus Chaplins Zeit eingerichtet ist und schon viele prominente Gäste gesehen hat. Mathematikgenie Albert Einstein zum Beispiel, der ein guter Freund der Familie war, aber auch Pianist Vladimir Horowitz. Und für das quirlige Leben in der Villa hat natürlich auch die grosse Familie Chaplin selbst gesorgt. Allein mit Ehefrau Oona hatte Charlie acht Kinder. Drei weitere stammen aus einer früheren Ehe. Den Kindern stand ein riesiger Park als «Spielwiese» zur Verfügung. Auch Charlie hatte stets eine besondere Beziehung zu den Rehen, Füchsen und Dachsen, die im Park hausten und zu den damals schon mehr als hundert Jahre alten Bäumen, die auch uns in ihren Bann ziehen. Es sind wahre Baumriesen, manche mit Blitzableitern versehen, damit ihnen kein Gewitter etwas anhaben kann. So werden sie locker noch weitere hundert Jahre alt – oder mehr.

Sieht er nicht aus wie echt?! Woody Allen ist ein grosser Fan von Charlie Chaplin.
Im Badezimmer der Chaplins werden wir von Albert Einstein überrascht.

Auf unserer Rückreise lehnen wir uns im Zug bequem zurück, geniessen ein Glas Weisswein und lassen zufrieden den Tag Revue passieren. Wir haben gestaunt, gelacht und im Restaurant The Tramp erst noch gut getafelt. Was will man mehr?!

Im Shop The Garage kann man kaum widerstehen, die Melone wenigstens einmal aufzusetzen. Naschkatzen und Küchenfreaks werden im Shop «The Kitchen» glücklich.

Fotoausstellung

Zum 130-Jahre-Jubiläum wird vom 20. Februar bis 5. April 2019 im Dachgeschoss des Manoir de Ban eine Fotoausstellung von Yves Debraine gezeigt. 20 Jahre lang war er Chaplins «Hoffotograf».

Shopping

Wer sich mit Souvenirs eindecken möchte, hat dazu gleich in zwei Shops die Gelegenheit. Der eine, «The Garage», ist im Eingangsgebäude zu finden und deckt die typischen Erinnerungsstücke ab, wie Notizbücher, Kugelschreiber und Charlies Melone. Der andere, «The Kitchen», ist in der ehemaligen Küche des Familiensitzes eingerichtet. Hier findet man geblümte Teeservices, allerlei Küchenutensilien aus der Zeit Chaplins und eine Besonderheit: Cailler-Schokolade mit Honig, der von den Bienen des Parks stammt.

Café/Restaurant

Im «The Tramp», das in einem hübschen Nebengebäude untergebracht ist, lässt es sich gemütlich bei einem Kaffee, Tee oder Snack pausieren oder ein richtiges Mittagessen geniessen – ganz wie’s beliebt. 

Mehr Infos zu Chaplin’s World

Route de Fenil 2
CH-1804 Corsier-sur-Vevey

www.chaplinsworld.com

Inge Jucker ist seit vielen Jahren als Reisejournalistin für verschiedene Printmedien und einen Buchverlag tätig und führt zusammen mit Heinz Jucker, ihrem Gatten und Fotograf, den Reiseblog www.travelexperience.ch.