Happy Birthday, Bahnhofsuhr

Sie trotzt Wind und Wetter und wartet immer auf dem Perron: die Bahnhofsuhr. Seit 75 Jahren gibt sie Reisenden sowie dem Zug- und Lokpersonal den Takt vor. Damit ist sie das Symbol für eine pünktliche Bahn. Sieben Fakten zum Geburtstagskind.

Die Bahnhofsuhr gibt seit 75 Jahren den Takt vor.
Die Bahnhofsuhr gibt seit 75 Jahren den Takt vor.

Das letzte Wort hat die Uhr.

Auch wenn das Signal auf grün steht: Das letzte Wort zur Abfahrt hat die Uhr. So steht in den Schweizerischen Fahrdienstvorschriften: «Für die Abfahrt des Zuges ist die Bahnhofsuhr massgebend.» Heisst: Ohne pünktliche Uhr keine pünktliche Abfahrt. Dass die Uhr selbst einmal verspätet ist, wie das beispielsweise vor einiger Zeit in Lugano passierte, kommt zum Glück sehr selten vor. Damals fuhren alle Züge von Lugano mit einer Verspätung von vier Minuten ab – mit weit reichenden Konsequenzen für die Pünktlichkeit auf dem ganzen Netz.

Vor Abfahrt muss der Lokführer auch einen Blick auf die Uhr werfen.

Uhrenvergleich, bitte!

Eine «Hauptuhr» sorgt in Bahnhöfen mit mehreren Uhren dafür, dass alle Uhren genau die gleiche Zeit anzeigen. Die «Hauptuhr» ist dabei eigentlich keine Uhr, denn sie zeigt die Uhrzeit nicht an. Aber sie empfängt einmal pro Minute das Zeitsignal und verteilt dieses an die anderen Uhren am Bahnhof. Das Zeitsignal empfängt sie in der Regel per GPS vom Satelliten. Einige Hauptuhren nutzen DCF Funksignalempfänger, die das Zeitsignal des Funksenders aus Frankfurt empfangen. Diese Information sendet die Hauptuhr ein- bis sechsmal pro Minute an ihre «Verwandten» im Bahnhof. Denn diese zeigen – im Gegensatz zu ihr – die Zeit tatsächlich an.

Sieht nicht aus wie eine Uhr, gibt aber die Zeit vor: Die «Hauptuhr».

Ist es wirklich schon so spät?

An den SBB Bahnhöfen sorgen knapp 5000 Bahnhofsuhren und rund 760 Hauptuhren dafür, dass Reisende, Kundenbegleiter und Lokführer wissen, wann es Zeit für die pünktliche Abfahrt ist. Übrigens: An den SBB Uhren dreht in der Regel niemand. Denn dank des Zeit-Codes, den sie via Hauptuhr empfangen, richten sie sich selbst.

Präzision und Pünktlichkeit der 4. Generation.

Vor 75 Jahren eroberten die ersten Bahnhofsuhren von Hans Hilfiker, einem SBB Mitarbeiter und Ingenieur die Bahnhöfe. Von den ersten Uhren ist heute keine mehr im Einsatz, da diese noch nicht automatisiert waren. Hinzu kommt: Die Bahnhofsuhr wartet immer auf dem Perron. Zug um Zug. Und wer kann schon 75 Jahre lang ohne Pause zuverlässig und präzise Dienst leisten, während Wind, Nässe, Temperaturschwankungen und Bremsstaub einem zusetzen? Die Bahnhofsuhren können das in der Regel während rund 175 000 Stunden, oder anders ausgedrückt: rund 20 Jahre lang.

Swiss designed, swiss made – von Anfang an.

Die Bahnhofsuhr wird von der ersten Stunde an im Emmental von der Firma Moser-Baer gefertigt. Um die rund 700 Einzelteile zu einer SBB Bahnhofsuhr zusammenzubauen, braucht es rund zehn Mitarbeitende. Was sonst noch alles dazu gehört, erklärt das Video:

1,5 Sekunden Pause. Oder?

Das Merkmal der SBB Bahnhofsuhr, der Sekundensprung, ist historisch bedingt. Im Jahr 1947 war es nur so möglich, eine Uhr mechanisch mit Sekundenimpulsen genau laufen zu lassen. Eine Hauptuhr löste den Minutenimpuls für alle Bahnhofsuhren in der Schweiz aus. Dieser Impuls wiederum gab den Sekundenzeiger frei. Dafür musste der Sekundenzeiger den Weg einer Minute in 58½ Sekunden zurücklegen. Der Zeiger wartete dann auf der 12 auf den nächsten Minutenimpuls. Dank diesem Prinzip gelang es, alle Uhren an den Bahnhöfen exakt laufen zu lassen. Heute wäre dies technisch nicht mehr nötig. Mittlerweile werden die Uhren auf die Zehntelsekunde genau mit einem Signal versorgt.

Mehr Uhren, mehr Infos.

Die Uhr bleibt – auch technologisch – nie stehen. Deshalb erweitert die SBB deren Einsatzbereich. Künftig wird die Uhr zusätzlich auch digital verwendet, beispielsweise bei Abfahrtsbildschirmen. Erste digitale Informationsstelen sind beispielsweise in Zürich Altstetten zu finden.