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Von Störchen und anderen Zugvögeln

Bei seiner Tätigkeit als Lokführer ist Markus Leutwyler ganz nah dran an der Natur und an den Jahreszeiten. Wieso für ihn ein spezielles Storchenpaar das Frühlingserwachen zu einem besonderen Erlebnis macht, erzählt er in seinem Beitrag.

Mama-Storch am Brüten, Papa-Storch am Hüten.
Mama-Storch am Brüten, Papa-Storch am Hüten.

Das Grau ist nicht nur aus der Landschaft verschwunden, auch über die Gesichter meiner Passagiere huscht wieder öfter ein Lächeln. Sattes Grün breitet sich auf den Wiesen aus, und da und dort erscheinen die ersten Farbtupfer. Obwohl ich mich während der Fahrt hauptsächlich auf die Signale und den Fahrweg konzentriere, gibt es den einen oder anderen Punkt, wo ich ohne Risiko einen Blick auf die Landschaft erhaschen kann.

Einer davon das Heidenried zwischen Dübendorf und Schwerzenbach. In den letzten Jahren brütete dort regelmässig ein Storchenpaar auf einer grossen Pappel. Vereinzelt blieben die beiden über den Winter hier. Während einer strengen Kältewelle habe ich mit ihnen mitgelitten und gehofft, dass sie durchkommen.

Papa-Storch fliegt los und holt das Abendessen.

Wenn im Winter die Nahrung knapp wird

«Die Kälte ist nicht das Problem», erklärt mir Livio Rey von der Vogelwarte Sempach am Telefon. Störche sind mit ihrem dichten Gefieder gut dagegen geschützt. Kritisch wird es, wenn alles zugefroren ist und die Nahrung knapp wird. In solchen Fällen können grosse Zugvögel mit einer so genannten «Fluchtbewegung» in kurzer Zeit beachtliche Distanzen zurücklegen und dem Hungertod entfliehen.

Störche bleiben ihrem Horst treu, das heisst, sie kehren zum Brüten jedes Jahr an den gleichen Ort zurück. Dies führt auch dazu, dass sich die Partner lebenslänglich treu sind. Vom Paar in Dübendorf ist der eine Storch beringt. Seinen Ring erhielt er im Jahr 2003 in Avenches. Seit seiner Erfassung sind elf Junge ausgeflogen, schreibt Margrith Enggist, Geschäftsführerin der Gesellschaft «Storch Schweiz».

Einige Gemeinsamkeiten

Ich fühle mich mit Störchen sehr verbunden. Vor einigen Jahrzehnten war ihr Anblick selten. Nur gerade in ein paar vom Mensch geschaffenen Kolonien konnte man sie sehen. In den letzten Jahren habe ich aber immer mehr Störche auf Feldern und Wiesen entdeckt. Meine eigene Beobachtung stimmt mit wissenschaftlichen Zählungen überein. 1950 gab es kein einziges Storchenpaar mehr in der Schweiz. In den 80er-Jahren waren es um die hundert, und letztes Jahr wurden 515 gezählt. Es ist schön, dass es auch gute Nachrichten in Bezug auf unsere Umwelt gibt.

Störche sind mir aber auch aus einem anderen Grund sympathisch. Sie sind Zugvögel — das bin ich ja eigentlich auch. Und ihr Farbschema ist mit dem meiner Lieblingszüge identisch. Schwarz, weiss, rot.

Etwa alle 30 Minuten steht der brütende Storch auf und wendet die Eier.

Vor einigen Tagen hatte ich grossen Grund zur Freude: Ich erblickte meine gefiederten Freunde in ihrem Horst am Brüten! Willkommen zurück! Was sie wohl im Winterquartier erlebt haben? Sind sie in der Schweiz geblieben oder waren sie in Spanien oder sogar in Afrika?

Markus Leutwyler. Foto: Gian Vaitl.

Markus über sich

Mein Leben ist ein Mosaik. So habe ich Umweltnaturwissenschaften studiert, jedoch anschliessend als Werbefilmer gearbeitet. Im Jahr 2008 konnte ich mir einen (weiteren) Traum verwirklichen und wurde Lokführer. Mit meinen Berichten möchte ich die normalerweise geschlossene Führerstandstüre öffnen und die schönen Erlebnisse mit Euch teilen. Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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