Der Kreislauf einer PET-Mineralflasche

Wasser sickert durch Erde und Stein, bevor es in der Walliser Ortschaft Aproz als Mineralwasser abgefüllt wird. Über 90 Prozent seiner Getränke liefert der gleichnamige Migros-Betrieb umweltfreundlich mit SBB Cargo aus. Die alten PET-Flaschen werden in Glarus wieder vollständig weiterverwendet.

Zug von SBB Cargo fährt über die Brücke der Firma Aproz.
Zug von SBB Cargo fährt über die Brücke der Firma Aproz.

Bevor man die riesige Produktionshalle von Aproz betreten darf, muss man aus hygienischen Gründen eine Plastikjacke und eine weisse Mütze überziehen. In der Halle wird auf einer Produktionslinie gerade Mineralwasser abgefüllt. Etwa zehn Zentimeter lange Vorformlinge aus PET, sogenannten Preforms, werden erhitzt, gestreckt, und dann in Sekundenschnelle durch eine Maschine aufgeblasen, bis sie die Grösse einer 1,5 Liter-Flasche erreichen. Dann kommen sie auf ein grosses Rad, in dem sie mit Mineralwasser aufgefüllt werden.

Weiter hinten in der Produktionslinie stellt eine Maschine die Flaschen zu Sixpacks zusammen und umschweisst sie mit Plastikfolie. Schliesslich gibt es drei Roboter, welche die Sixpacks auf Paletten stapeln und mit Plastikfolie umwickeln. An den Produktionslinien sind nur vereinzelt Mitarbeitende zu sehen. «Sie erledigen vor allem Kontrollaufgaben», erläutert Aproz-Sprecher Julien Dubois. «Die Automatisierung der Anlage ist weit fortgeschritten.»

Unverzichtbar ist natürlich auch eine ausgeklügelte Logistik, wie die Fortsetzung der Betriebsführung zeigt. Hunderte von Paletten mit Mineralwasser stehen auf einer Rampe. Nebendran wartet ein Güterzug mit zwölf Wagen auf die Verladung. Zwei Männer auf gelben Gabelstaplern sind daran, die Durstlöscher mit grosser Geschwindigkeit in die Schiebewandwagen von SBB Cargo zu verladen.

Aproz und die Migros setzen seit Jahrzehnten auf den Bahntransport.
Die Migros, Aproz und die SBB haben die Brücke über die Rohne 1961 errichtet, um die Fabrik ans Eisenbahnnetz anzuschliessen

Aproz und die Migros setzen seit Jahrzehnten auf den Bahntransport.

Die Migros, Aproz und die SBB haben die Brücke über die Rohne 1961 errichtet, um die Fabrik ans Eisenbahnnetz anzuschliessen

Aproz und die SBB als Pioniere in Sachen Nachhaltigkeit

Schon im Jahr 1961, drei Jahre nachdem Aproz mehrheitlich durch die Migros übernommen worden war, haben der Grossverteiler, Aproz und die SBB eine 135 Meter lange Brücke über die Rhone gebaut, um die Mineralwasserfabrik ans Eisenbahnnetz anzuschliessen. Seither werden die Getränke – das produzierte Volumen hat sich inzwischen vervielfacht – zu über 90 Prozent mit der Bahn transportiert. Bald schon werden die beladenen Eisenbahnwagen abgeholt und im Wagenladungsverkehr über die Rangierbahnhöfe in Renens und Limmattal in die einzelnen Betriebszentralen der Migros-Genossenschaftsbünde gefahren. Dort wo viel verkauft wird, werden gleich ganze Paletten ausgeliefert - sogenannte «Schnelldreher».

Die Migros ist der grösste Kunde von SBB Cargo

Pro Jahr rollen für den orangen Detailhändler über eine Million Tonnen Fracht auf den Schienen. «Auch im Jahr 2019 sind die Mengen bisher stabil, und unsere Lieferungen erfolgen mit einer hohen Pünktlichkeit», erklärt Yves Tschopp am Telefon, der bei SBB Cargo als Senior Key Account Manager für die Migros zuständig ist. Die Vorteile der Bahn kommen generell beim Transport grosser Mengen auf langen Strecken zum Tragen, hält er fest. Um den Umweltvorteil gegenüber der Strasse zu halten, passt SBB Cargo das Netz regelmässig auf Kundenbedürfnisse an und investiert in Innovation und Automation. So hat SBB Cargo für den Rangierbetrieb kürzlich bei Alstom zwölf neue Hybridloks des Typs H3 bestellt, drei sind schon im Einsatz. Die Maschinen fahren sowohl mit Diesel wie mit Strom. «So können wir den Dieselverbrauch unserer Flotte ungefähr um die Hälfte senken», hält er fest.

Von der PET-Sammelstelle zur Sortierungsanlage per Bahn

Wenn eine PET-Flasche Mineralwasser schliesslich in einer Migros-Filiale gelandet ist und dort im Regal steht, ist ihre Reise noch nicht zu Ende. Nehmen wir an, eine Kundin kauft ein paar Halbliter-Flaschen und trägt sie zusammen mit ihren anderen Einkäufen nach Hause. Ein paar Tage später nimmt sie eine Flasche auf eine kleine Wanderung, löscht ihren Durst, und wirft sie bei der Heimkehr am Bahnhof Bern in eine PET-Sammelstelle.

Von den Sammelstellen werden die PET-Flaschen in die Sortieranlagen in Frauenfeld, Grandson und Neuenhof (AG) überführt, welche die Flaschen nach Farben sortieren und Fremdstoffe ausscheiden. Die ersten beiden Standorte sind am Bahnnetz angeschlossen, wodurch einen umweltfreundlichen Transport mit SBB Cargo ermöglicht wird. Laut Lukas Schumacher, Marketingleiter von PET Recycling Schweiz, ist der Anteil des mit der Bahn transportierten Sammelguts in den letzten Jahren auf 26 Prozent gestiegen.

Zunächst jedoch müssen die PET-Flaschen in Sortieranlagen überführt werden.
Diese ordnet die Flaschen nach Farben und sortiert Fremdstoffe aus.
Der Anteil des per Bahn transportierten Sammelguts ist in den letzten Jahren auf 26 Prozent gestie-gen.

Zunächst jedoch müssen die PET-Flaschen in Sortieranlagen überführt werden.

Diese ordnet die Flaschen nach Farben und sortiert Fremdstoffe aus.

Der Anteil des per Bahn transportierten Sammelguts ist in den letzten Jahren auf 26 Prozent gestie-gen.