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Frauen am Zug - mit Potenzial nach oben

Stolz auf die Lohngleichheit? Oder frustriert über den geringen Frauenanteil? Die Wahrheit liegt dazwischen: In Sachen Gleichstellung hat die SBB viel erreicht, doch es gibt noch einiges zu tun. Zum Frauenstreiktag sechs Behauptungen, eingeordnet von Fachpersonen und Mitarbeitenden.

Behauptung 1:
Der Frauenanteil in der SBB beträgt 17,3 Prozent. Das ist mickrig, und es geht nur langsam vorwärts.  

«Natürlich bin ich mit diesem Wert überhaupt nicht zufrieden», sagt Stephanie Escher. «Wie könnte ich auch?» Gesamthaft arbeiten in der Schweizer Wirtschaft 47 Prozent Frauen und 53 Prozent Männer. Als Leiterin Kultur und Leadership ist Stephanie Escher zusammen mit ihrem Team verantwortlich fürs Thema Diversity & Inclusion in der SBB. Sie ist überzeugt: Jedes Geschlecht hat seine spezifischen Kompetenzen, und gemischte Teams funktionieren am besten. Sandro Borrelli, Marketingleiter Personenverkehr, kann dies nur bestätigen: Bei seinen 85 Mitarbeitenden liegt der Frauenanteil bei 61 Prozent. «Frauen, die notabene ihren männlichen Kollegen leistungsmässig völlig ebenbürtig sind, bringen eine herzliche, emotionale Stimmung ins Team», sagt Borrelli. Männer hingegen seien – vielleicht aufgrund eines ausgeprägteren Karrierebewusstseins – manchmal ein bisschen verbissen. 

« Das Thema Diversität muss stärker im Bewusstsein verankert werden. »
Stephanie Escher, Leiterin Kultur und Leadership

In einer perfekten Welt wünschte sich Stephanie Escher einen Frauenanteil von 50 Prozent. «Aber warum nicht 30 Prozent als Ambition anstreben?» Dieser Wert mache auch aus wissenschaftlicher Sicht Sinn: Erst wenn eine spezifische Gruppe rund 30 Prozent erreicht, wird sie nicht mehr als Minderheit wahrgenommen. Und wie soll das erreicht werden? «Unter anderem muss das Thema Diversität stärker im Bewusstsein von Entscheidungsträgern verankert werden», sagt Escher. Führungskräfte müssten aber auch bereit sein, Mehranstrengungen in Kauf zu nehmen und zum Beispiel Jobsharing-Modelle ermöglichen. Nicht nur Führungskräfte sollten in die Pflicht genommen werden. Corinne Kuhn, Verantwortliche Personalmarketing: «Wir müssen es schaffen, die SBB bei Frauen noch besser als attraktive Arbeitgeberin interessant zu machen.» Dazu sind bereits einige Projekte in der Planung. 

Stephanie Escher verantwortet den Bereich Diversity & Inclusion

Behauptung 2:
In der SBB werden Frauenkarrieren gebremst, und nur wenige schaffen es an die Spitze.  

«Der Frauenanteil im Topkader liegt bei 20,3 Prozent. Darauf können wir stolz sein», sagt Stephanie Escher und widerlegt damit die Behauptung, dass Frauen in ihrer Karriere gebremst würden. In den meisten anderen Unternehmen nehme der Frauenanteil in den höheren Hierarchiestufen kontinuierlich ab. Allerdings sieht es im mittleren Kader der SBB mit einem Frauenanteil von 11,5 Prozent düsterer aus. Beim Basiskader liegt der Frauenanteil bei 12,6 Prozent. 

Cornelia Mellenberger ist eine SBB Topkaderfrau. Sie wechselte 2009 von einer internationalen Beratungsfirma zur SBB und ist seit Anfang dieses Jahres Mitglied der Geschäftsleitung Personenverkehr und Leiterin Fernverkehr. Ihre Laufbahn habe sie nicht gezielt vorangetrieben, erzählt sie. Einige Angebote habe sie überraschend erhalten, so zum Beispiel die beiden Führungsfunktionen, die ihr jeweils nach ihren beiden Mutterschaftsurlauben angeboten wurden. Ihren jüngsten Karriereschritt habe sie sich aber sehr wohl überlegt, so Mellenberger. «Nicht die konkrete Funktion hatte ich im Fokus, aber ich war bereit für eine Veränderung.» Dafür habe sie sich intensiv mit ihren Interessen, ihrer Rolle als Mutter und ihren Prioritäten auseinandergesetzt. 

« Frauen sollten aufgrund der Familie nicht automatisch die eigene Karriere vernachlässigen. »
Cornelia Mellenberger, Leiterin Fernverkehr

Ermutigt, diesen Karriereschritt zu machen, habe sie auch die Tatsache, dass trotz Spitzenposition die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit bestand – Cornelia Mellenberger hat ein Pensum von 80 Prozent. «Aufgrund der digitalen Möglichkeiten, die uns bei der SBB zur Verfügung stehen, ist es auch in einer höheren Position möglich, ein Teilzeitpensum auszuüben.» Natürlich sei es eine grosse Herausforderung, jeweils alles zu organisieren. «Aber dank dem spürbaren Bemühen von Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen und auch Mitarbeitenden, Flexibilität für Terminfindungen und anderes mehr zu zeigen, können Kinderbetreuung, Schultermine und ähnliches meist gut nebeneinander organisiert werden.» So sei es möglich, Beruf und Familie zu kombinieren. 

Dennoch müsse sie sich als Frau aufgrund ihrer Arbeit hin und wieder rechtfertigen. Damit hat Mellenberger aber gelernt umzugehen. «Nicht alle verstehen, dass ich viel arbeite. Wohingegen mein Mann oft gelobt wird, dass er viel zu den Kindern schaut», sagt sie. In einem «längeren Prozess» habe sie auch gelernt, Ansprüche zurückzuschrauben. «Ich kann nicht im Beruf eine Führungsposition innehaben und gleichzeitig das Haus stets saisongerecht dekorieren. Frau muss sich bewusst sein: Es geht nicht alles – und damit gut umgehen können.» 

Cornelia Mellenbergers Ziel ist es, eine Vorbildrolle einzunehmen und andere Frauen zu ermutigen: «Frauen sollten aufgrund der Familie nicht automatisch die eigene Karriere vernachlässigen. Die SBB als Arbeitgeberin bietet dabei viele verschiedene Möglichkeiten, Beruf- und Familienleben optimal zu kombinieren. Wir sollten diese nutzen.» 

Behauptung 3: Bei der SBB verdienen Männer und Frauen für gleiche Arbeit gleich viel. Es gibt also keine Geschlechterdiskriminierung beim Lohn.  

Stimmt! Das Lohnsystem der SBB wurde bereits zum dritten Mal hintereinander mit dem Label «Excellence in Fair Compensation» ausgezeichnet. «Experten haben damit der SBB bescheinigt, dass es weder in Bezug auf das Geschlecht noch auf die Nationalität ein systematisches Diskriminierungspotenzial gibt», erklärt Sibylle Hug, Leiterin HR Beratung und Personalpolitik. «Ich freue mich, dass die SBB bezüglich Lohngleichstellung im schweizerischen Vergleich ganz vorne mit dabei ist», sagt Hug.  

« Lohngleichheit in einer gewachsenen Struktur zu erreichen, ist nicht ganz einfach. »
Sandro Borrelli, Marketingleiter Personenverkehr

In der Praxis sieht die Sache mit der Lohngleichheit jedoch etwas anders aus. In einigen Teams gibt es Mitarbeitende, deren Lohn historisch bedingt sehr hoch ist. Neuen Mitarbeitenden können die Vorgesetzten jedoch keinen solchen Lohn offerieren. «Lohngleichheit in einer gewachsenen Struktur zu erreichen, ist nicht ganz einfach», sagt zum Beispiel Sandro Borrelli, Marketingleiter Personenverkehr. Sibylle Hug kennt die Problematik. Es gebe tatsächlich in der SBB Lohndifferenzen aufgrund des Dienstalters. Mitarbeitende mit Besitzstandgarantien würden manchmal als Besserverdienende wahrgenommen. Diesem Umstand wurde mit dem neuen GAV durch eine Anpassung im Lohnsystem Rechnung getragen. In Ausnahmefällen steht den Führungskräften aber mit der unterjährigen Lohnerhöhung ein gutes Instrument zur Verfügung, um grosse Ungleichheiten abzufedern.

Sie kümmern sich um den guten Mix bei der SBB (v.l.) Aicha Happi, Lukas Aeschlimann und Stephanie Escher.

Behauptung 4
Teilzeitstellen nützen vor allem den Frauen und sind ein Karrierekiller.  

Dieser Behauptung widerspricht Markus Gygli, Organisationsentwickler bei der SBB. Er arbeitet selbst seit drei Jahren Teilzeit und gehört damit zu den 20,9 Prozent Mitarbeitenden mit reduziertem Pensum. Für seine Teilzeitstelle hat Gygli seine damalige Führungsfunktion abgegeben. Er wollte mehr Zeit für seine Tochter haben und zudem das mit 20 Prozent dotierte Präsidium von männer.ch übernehmen, dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen. Mit einem Pensum von 60 Prozent bei der SBB bringe er alles gut unter einen Hut. 

« Ich glaube nicht, dass ich mir mit der Reduktion des Arbeitspensums eine Karrierechance verbaut habe. »
Markus Gygli, Organisationsentwickler

Markus Gygli glaubt nicht, «dass ich mir mit der Reduktion des Arbeitspensums eine künftige Karrierechance verbaut habe». Karrieren verliefen heute ohnehin in vielen Fällen nicht linear. Ausserdem: Selbst wenn er eine Chance verloren haben sollte, habe er dank Teilzeitarbeit auch etwas gewonnen, nämlich eine alltagsnahe Beziehung zu seinem Kind. Als Teilzeit arbeitender Mann und Vater hofft er, ein Vorbild zu sein. findet Markus Gygli. Schliesslich liegt der Anteil der Teilzeit arbeitenden Männer bei der SBB lediglich bei 13,7 Prozent, während er sich bei den Frauen auf 55,6 Prozent beläuft.  

Stephanie Escher würde sich freuen, stiege der Anteil der Teilzeit arbeitenden Männer immer weiter an. «Am liebsten auf 50 Prozent – dann wäre Teilzeit für Männer und Frauen einfach normal.» Die Befürchtung, dass Teilpensen ein Karrierekiller sind, könnte so entkräftet werden. Escher weiss, dass dies nicht innert kurzer Zeit realistisch ist.  

Behauptung 5:
Bei Reorganisationen sind Frauen die Verlierer.  

Das ist teilweise richtig, sagen Doris Matyassy, Leiterin HR beim Personenverkehr und Rainer Ducrey, Leiter HR bei der Infrastruktur. Die Behauptung treffe bei Reduktionen in der Verwaltung zu. Bei diesen Reduktionen waren in der Vergangenheit Teilzeitstellen vermehrt betroffen – und die meisten Teilzeitstellen sind von Frauen besetzt. Zudem sei der Frauenanteil in der Verwaltung besonders hoch, womit auch prozentual mehr Frauen betroffen seien. Es gibt laut Matyassy aber auch Reorganisationen, in denen «bewusst definiert» wurde, keine Änderungen beim Beschäftigungsgrad vorzunehmen. Ducrey betont, dass mit dem Programm I2.0 bezüglich Nominierung für und Besetzung von Stellen auf Diversity speziell geachtet wird. «Wir haben damit einen Fokus auf dieser Thematik», so Ducrey.  

Behauptung 6:
Männer können nichts zur Chancengleichheit beitragen.

Stimmt nicht. 52 Männer, davon einer mit Kleinkind, trafen sich am Morgen des Frauenstreik-Tags, um über ihre Rolle in Sachen Chancengleichheit zu diskutieren. Spontan eingeladen hatte CEO Andreas Meyer: Er selbst wolle nicht im Vordergrund stehen, es sei schliesslich der Tag der Frauen – das Thema Gleichstellung sei aber für die SBB wichtig; deshalb wolle er heute Beiträge von Männern mobilisieren.
Diese diskutierten, was sie selbst tun können, was sie benötigen, um in Sachen Gleichstellung vorwärts zu kommen, und wie dies über den heutigen Tag hinaus zu gestalten sei. Eine Reihe von Ideen kamen so zusammen, sie werden in die Konzernleitungssitzung vom nächsten Dienstag einfliessen. So regte ein junger Vater an, spezielle «Plus-Kind-Büros» zu schaffen für Männer und Frauen, die für einmal den Nachwuchs spontan mit ins Büro nehmen müssen. Ein anderer rief auf, bei Projekten bewusst Frauen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen – diese würden in unserer männlich geprägten Kultur allzu oft an den Rand gedrängt. Und immer wieder wurde auf den Wert von Job-Sharing, Co-Leitungen und Teilzeitarbeit hingewiesen, auch im Umfang von 40, 50 oder 60 Prozent – dies komme den Mitarbeitenden und dem Unternehmen zugute. Wie wär’s, wenn sämtliche Berufsgruppen auf die Möglichkeit von Teilzeitarbeit analysiert würden? Auf Vorbildwirkung setzte dieser Mann: «Je mehr erfolgreiche Frauen wir haben, desto mehr fühlen sich ermutigt».

Zeige dein Engagement für die Gleichberechtigung oder die Frauenpower bei der SBB mit einem Bild auf Twitter oder Instagram. Verwende beim Post die Hashtags: #sbbcffffs und #bewegdieschweiz – wir freuen uns auf viele Beiträge. 

Die Gleichstellung von Mann und Frau und ein Ende der Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts: Das sind die wichtigsten Forderungen am heutigen nationalen Frauenstreiktag. Die SBB unterstützt diese Forderungen. Die Mitarbeitenden wurden im Vorfeld des heutigen Streiktags aufgefordert, sich mit der Thematik zu befassen und ermutigt, an Kundgebungen und Aktionen Farbe für die Chancengleichheit in der Schweiz zu bekennen.