Mehr Platz für den Spinnen-Ragwurz und die Aspisviper in St. Ursanne

Die SBB verfügt über einen 3000 Kilometer langen «grünen Korridor» entlang der Schienen. Seltenen Tieren und Pflanzen dienen diese Grünflächen häufig als wertvolle Lebensräume. In St. Ursanne hat die SBB für Fauna und Flora mehr Platz geschaffen.

Die Magerwiese in St. Ursanne wird gemäht.
Die Magerwiese in St. Ursanne wird gemäht.

Steil ist die Magerwiese «Paquoilles» in St. Ursanne, die sich vom Bahnhof hinunter Richtung Doubs erstreckt. Die Pflege der Wiese ist nicht ganz einfach. Und Pflege ist durchaus nötig, denn so anspruchslos, wie der Name vermuten lässt, sind Magerwiesen nicht. Werden sie einfach sich selbst überlassen, breiten sich Büsche und nicht heimische Pflanzen aus, was schlecht für die Biodiversität ist.

Blüht dank umsichtige Pflege in St. Ursanne: Männliches Knabenkraut.

Mehr Platz für die Spinnenorchidee und den Mücken-Händelwurz

Die Magerwiese Paquoilles gehört zu den artenreichsten der Schweiz: Seltene Tierarten wie die Aspisviper oder die Zauneidechse finden in der Geröllhalde ein geeignetes Zuhause, und seltene Pflanzenarten wie das Grosse Zweiblatt oder der Mücken-Händelwurz wachsen auf der Wiese. Aktuell steht das Spinnen-Ragwurz in voller Blüte. Diese seltene Orchideenart kommt schweizweit nur noch in geringer Zahl vor und steht deshalb auf der roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten. Deshalb wurde ein Teil Paquoilles-Wiese als national geschützte Trockenwiese ausgeschieden und geniesst besondere Pflege. Im letzten Herbst hat die SBB entschieden, dass sie künftig nicht nur die nationale Schutzfläche Paquoilles ökologisch unterhält, sondern freiwillig auch daran angrenzende Zonen, die ebenfalls eine hohe Biodiversität aufweisen. Damit wird die Fläche, welche die SBB in St. Ursanne ökologisch pflegt, mehr als verdreifacht vergrössert.

Fruchtbäume tragen zur Biodiversität bei.
Ist gefährdet, blüht aber jetzt in St. Ursanne: kleines Spinnen-Ragwurz.

Fruchtbäume tragen zur Biodiversität bei.

Ist gefährdet, blüht aber jetzt in St. Ursanne: kleines Spinnen-Ragwurz.

Umfangreiche Unterhaltsarbeiten für mehr Biodiversität

Die SBB hat seit Herbst 2018 zahlreiche Unterhaltsarbeiten ausgeführt, damit die Magerwiese ihren ganzen Artenreichtum entfalten kann: Standortsfremde Baumarten, die zu viel Schatten werfen und damit die Wiesenarten verdrängen, wurden gerodet, nicht heimische Pflanzen (Neophyten) und Gestrüpp wurden entfernt und die Magerwiese wurde biotopgerecht gemäht. Ein Teil des Schnittgutes wurde als Asthaufen so aufgeschichtet, dass sich darunter Reptilien verkriechen können. Das Resultat lässt sich sehen: Die Geröllhalde erhält nun viel mehr Sonneneinstrahlung und wurde von zahlreichen Eidechsen und Schlangen besiedelt.

Die Zauneidechse hat auf der Geröllhalde ein Zuhause gefunden.
Die Aspenviper fühlt sich jetzt in St. Ursanne wohl.
Auf der Geröllhalde wächst die Bergaster.

Die Zauneidechse hat auf der Geröllhalde ein Zuhause gefunden.

Die Aspenviper fühlt sich jetzt in St. Ursanne wohl.

Auf der Geröllhalde wächst die Bergaster.

Pilotprojekt zur Umsetzung des Aktionsplans Biodiversität

Das Projekt in St. Ursanne ist Teil der Umsetzung des Aktionsplans Biodiversität Schweiz, der vom Bundesrat ratifiziert wurde. Eines der zehn Hauptziele ist die Umsetzung einer ökologischen Infrastruktur, die unter anderem voraussetzt, dass die SBB rund einen Fünftel ihrer Böschungen nach einem erhöhten ökologischen Standard unterhält. St. Ursanne ist damit eines der Pilotprojekte.

Auf dem über 3000 Kilometer langen «grünen Korridor» entlang der Schienen in der Schweiz sind auf einer Fläche von rund 9800 Fussballfeldern wertvolle, artenreiche Lebensräume entstanden. Dank dem extensiven Grünunterhalt können viele Kleintier- und Pflanzenarten überleben, die in der dicht besiedelten Schweiz kaum Lebensraum finden. So leben im renaturierten Gretzenbach Biber und Krebse, und Fische erhielten dank Uferbefestigungen mit Kastanien und Weiden am Luganersee einen neuen Lebensraum. Durch die Verlegung der Eisenbahnlinie CEVA in den Untergrund gewinnen die Natur und die Einwohner von Genf ein Naherholungsgebiet mitten in der Stadt. Die sogenannte «Voie verte» ist fünf Kilometer lang und mit über 400 Bäumen und einheimischen Sträuchern begrünt. Mit diesen und zahlreichen weiteren Massnahmen trägt die SBB aktiv zum Naturschutz in der Schweiz bei.