Aem 940: ein Elefant auf vier Achsen

Die neue Rangier- und Streckenlokomotive, die Aem 940, wird seit Mitte Juni im Rangierbahnhof Limmattal erprobt. Und bald ist es soweit: Ab Dezember ersetzt sie die alten Am 6/6 und kommt zudem auf dem ganzen SBB Netz als Lok für Bauzüge zum Einsatz.

Aem 940.
Aem 940.

Fünf Jahre sind seit der Ausschreibung vergangen. Nun ist sie da und wird erprobt – die Aem 940. Eine Rangierlokomotive, die auch eine Streckenlokomotive ist. Oder umgekehrt. Denn die Aem 940 wurde für viele Einsatzgebiete beschafft: Einerseits soll sie in den Rangierbahnhöfen Limmattal und Lausanne dafür sorgen, dass die Güterzüge neu formiert und rangiert werden. Sie ist also ein kräftiger Elefant, der schwere Lasten ziehen kann. Und nicht nur das: Der Elefant läuft auch ziemlich schnell, wenn es sein muss. Denn die Aem 940 kommt andererseits im Streckendienst zum Einsatz, wo sie mit bis zu 120 Stundenkilometern Bauzüge zu ihren Baustellen führt. Ausserdem kann sie schön ruhig und in konstantem Tempo vor sich hin trotten, was beim Einschottern während Gleisarbeiten sehr wichtig ist, wenn sie die Bauwagen hinter sich her zieht.

Die Aem 940 ist eine vielseitige Lokomotive: Sie kommt ebenso als Rangierlok bei SBB Cargo zum Einsatz (10 Fahrzeuge) wie in der Fahrbahnerneuerung bei SBB Infrastruktur Instandhaltung (37 Fahrzeuge).

Und der Elefant hat es nicht leicht: Für SBB Cargo muss er in den Rangierbahnhöfen Züge ziehen, die teilweise bis zu 2500 Tonnen wiegen. Die Am 6/6, seine Vorgängerin, hatte solche Züge jeweils alleine den Ablaufberg im Rangierbahnhof hochgezogen. Doch das Mammut wird aussterben: Die Am 6/6 ist über 40 Jahre alt und am Ende ihrer Lebensdauer angelangt, Ersatzteile für die alte Lokomotive sind nur sehr schwer zu beschaffen.

Einheitliche Zweikraft-Lok für unterschiedliche Bedürfnisse

Deshalb war schon seit Längerem klar, dass eine neue Lokomotivenflotte beschafft werden muss. Der Gesamtprojektleiter Peter Schenker von SBB Infrastruktur erklärt: «Ziel dieser Flottenerneuerung war es, die veralteten Rangier- und Streckenlokomotiven mit einer einheitlichen Flotte zu ersetzen. Dies hilft auf lange Dauer Kosten zu sparen – bei der Ersatzteilbeschaffung sowie bei der Ausbildung und dem zu erhaltenden Know-how.» Schliesslich müssten die Triebfahrzeugführer so nur auf eine Lok geschult werden und nicht auf mehrere neue Typen. Deshalb habe man auf eine vielseitige Lok gesetzt. Und auf eine nachhaltige: Die Zweikraft-Lokomotive verfügt über einen elektrischen Antrieb als Ergänzung zum Dieselmotor, wodurch sich nicht nur der Dieselverbrauch, sondern der gesamte Energieverbrauch der Flotte reduziert, weil die Lokomotive auch im effizienteren Fahrleitungsbetrieb unterwegs ist.

Der junge Elefant wird sich im Rangierbetrieb beweisen müssen.
Die Aem 940 lässt sich etwas feiner lenken, auch wenn der moderne Führerstand gewöhnungsbedürftig ist.
Für die Cargo-Mitarbeitenden ist die Umstellung auf die Aem 940 gross.
Die neue Rangier- und Streckenlokomotive wird seit Mitte Juni im Rangierbahnhof Limmattal erprobt.

Der junge Elefant wird sich im Rangierbetrieb beweisen müssen.

Die Aem 940 lässt sich etwas feiner lenken, auch wenn der moderne Führerstand gewöhnungsbedürftig ist.

Für die Cargo-Mitarbeitenden ist die Umstellung auf die Aem 940 gross.

Die neue Rangier- und Streckenlokomotive wird seit Mitte Juni im Rangierbahnhof Limmattal erprobt.

Der junge Elefant will sich beweisen

Nun ist die Testphase überstanden und die Erprobung beim Rangierbahnhof Limmattal läuft. Die Triebfahrzeugführer gewöhnen sich langsam an den jungen Elefanten: Schliesslich lässt er sich etwas feiner lenken – auch wenn der moderne Führerstand gewöhnungsbedürftig ist. Trotzdem stösst die Lok gerade am Rangierbahnhof nicht nur auf Begeisterung. Der Elefant ist kein Mammut: Bei nassen Verhältnissen kann er nicht dieselbe Leistung wie die gewohnte Am 6/6 erbringen. So kann die Aem 940 «nur» rund 1800 Tonnen bewältigen. Doch diesen Kompromiss ist die SBB bewusst eingegangen – zu Gunsten einer einheitlichen Flotte. Ein neues Mammut anzuschaffen hätte bedeutet, auf viele gute Eigenschaften des Elefanten zu verzichten, die in anderen Einsatzgebieten absolut notwendig sind.

Und es gibt Lösungen für den Rangierbetrieb: Für die zwei bis drei langen und schweren Züge pro Tag könnte das Cargo-Team für die Arbeit am Ablaufberg zwei Loks einsetzen, also in Doppeltraktion fahren – mit einem «Elefanten»-Zweispanner sozusagen. Dies ist für die Mitarbeitenden aber nicht immer einfach. Deshalb ist Cargo daran, den Betrieb so auf die neue Lok umzustellen, dass die Aem 940 ab Dezember in voller Cargo-Produktion eingesetzt werden kann. Der junge Elefant ist also angekommen. Er wird sich in den nächsten Monaten im Rangierbetrieb beweisen müssen und bald seine Stärken in der Instandhaltung der Strecke ausspielen.

Projektleiter Peter Schenker: «Ziel dieser Flottenerneuerung war es, die veralteten Rangier- und Streckenlokomotiven mit einer einheitlichen Flotte zu ersetzen.»

Über die Aem 940

Mit der Zweikraft-Lokomotive Aem 940 erneuert SBB Infrastruktur ab Sommer 2019 ihre Rangier- und Streckenlokomotivenflotte: Insgesamt 47 neue Fahrzeuge des Produzenten Alstom kommen im Rangier- und Streckenbetrieb zum Einsatz. Dank des elektrischen Antriebs – zusätzlich zu zwei redundanten Dieselmotoren – reduziert die SBB mit der neuen Lokomotivenflotte den Kohlendioxid-Ausstoss um 6000 Tonnen. Die Aem 940 ersetzt die veralteten Lokytypen Am 6/6, Ee 6/6, Am 841 und Am 842.