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Zweite Hitzewelle: So hat sich die SBB vorbereitet

Mitte Juli kehrte die Hitze mit Temperaturen über 30 Grad zurück. Die anhaltende Hitze stellte auch das Roll- und Schienenmaterial der SBB auf die Probe. Wie hat sich die SBB diesen Herausforderungen gestellt? Antworten zu den wichtigsten Fragen.

Gleisfeld
Gleisfeld

Vor welche Herausforderungen stellt eine anhaltende Hitzewelle die SBB?

Der Sommer fängt für die SBB schon im März mit den Vorbereitungsmassnahmen an. Die Infrastruktur wird kontrolliert und spezifische Einstellungen für hohe Temperaturen, beispielsweise an den Weichen, werden vorgenommen. Ist die Hitze dann da, geht es vor allem darum, die Temperatur in den Zügen für die Kundinnen und Kunden angenehm zu halten und das Schienennetz auf Gleisverwerfungen zu kontrollieren.

Wie werden die Züge der SBB bei dieser Hitze runtergekühlt?

Die Flotte verfügt über 7200 eingebaute Klimageräte in über 4100 Fahrzeugen (Triebzüge, Reisezugwagen und Loks) und diese laufen bei dieser Hitze alle auf Hochtouren. Somit sind 94 Prozent der Personenzüge klimatisiert unterwegs. Klimatisiert heisst, dass die Züge zwischen fünf und sieben Grad unter der Aussenlufttemperatur mit den Klimageräten runtergekühlt werden. Bis 2020 möchte die SBB 97 Prozent aller Züge im Fernverkehr mit Klimageräten versorgen. Das sind dann 8000 Klimageräte, die für angenehme Reisetemperaturen sorgen.

Kann die Temperatur in den Zügen vom Personal auf dem Zug reguliert werden?

Das Lokpersonal und die Kundenbegleiterinnen und Kundenbegleiter haben die Möglichkeit, die Temperatur um zusätzliche zwei Grad zu senken. Es wird alles Maschinen- und Menschenmögliche getan, um die Temperaturen auf einem angenehmen Niveau oder zumindest unter 30 Grad zu halten.

Wie reagieren die Schienen auf die Hitze?

Bei grosser Sommerhitze werden die Schienen bis zu 70 Grad heiss und Verformungen der Gleise, im Fachjargon Gleisverwerfungen, sind möglich. Genau das ist bei der letzten Hitzewelle Mitte Juni an einer neuralgischen Stelle in Bern passiert. Die Schienen sind endlos miteinander verschweisst und wollen sich in der Hitze ausdehnen. Diese Kräfte nehmen im Normalfall die Schwellen und der Schotter auf. Bei der vergangenen Hitzeperiode war das aber in einzelnen Fällen nicht mehr möglich und es kam zu einem seitlichen Ausknicken des Gleises – einer Gleisverwerfung. 

Was muss im Fall einer Gleisverwerfung getan werden?

Als Sofortmassnahme reicht meist eine Reduktion der Geschwindigkeit auf dem betreffenden Abschnitt. Im Anschluss wird eine Korrektur der Gleislage durchgeführt. Zum Teil ist auch ein Schienenwechsel erforderlich. In unserem gesamten Netz werden aber durchschnittlich fünf bis fünfzehn solcher Gleisverwerfungen pro Jahr registriert und beseitigt.

Welche Massnahmen unternimmt die SBB, um die Gleisverwerfungen zu minimieren?

Das Risiko für Gleisverwerfungen kann durch Beton- anstelle von Holzschwellen gesenkt werden. Diese setzt die SBB bereits vermehrt ein. Diese Betonschwellen können quer wirktende Kräfte besser aufnehmen: Sie federn den Druck besser ab, der durch das sich bei Hitze ausdehnende Metall der Schienen entsteht.

Welche Massnahmen prüft die SBB, um in Zukunft für die Hitze noch besser gewappnet zu sein?

Erhöhung der Neutralisierungstemperatur 
Die Neutralisierungstemperatur ist die Temperatur, auf die eine Schiene erhitzt wird, bevor sie im Gleisbett verschweisst wird. Hier prüft die SBB, diese um fünf Grad zu erhöhen. So könnten die künftigen temperaturbedingten Kräfte über die Schienen, die Schwellen und den Schotter noch besser abgefedert werden.

«Weisse Schienen» 
Die SBB analysiert die Möglichkeit der «weissen Schienen». Bei diesem Verfahren werden die Schienen seitlich mit weisser Farbe bemalt. Eine Studie der ETH Zürich hat ergeben, dass mit dem hellen Anstrich die Schienen bis zu sieben Grad kühler bleiben. Die Messungen führt die SBB während dieser Hitzeperiode durch. Wird eine wesentliche Wirksamkeit nachgewiesen, prüft die SBB, unter welchen Kriterien «weisse Schienen» auf den insgesamt 7000 Gleiskilometern Sinn machen.

Andere Bahnen, wie etwa die Rhätische Bahn und die ÖBB, haben bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von «weissen Schienen» gesammelt. Mit diesen Bahnen tauscht sich die SBB in den nationalen und internationalen Fachgremien regelmässig aus.

Weitere Informationen zu den Temperaturmessungen mit weissen Schienen sind im nachfolgenden Video und im Faktenblatt unter «Downloads» verfügbar.

Die SBB nutzt die aktuelle Hitzewelle, um auf einem Abstellgleis bei Solothurn die Auswirkungen von «weissen Schienen» auf die Schienentemperatur zu analysieren.
Für den Versuch wurden je zehn Meter Schiene mit weisser Farbe besprüht: einen Abschnitt mit konventionellem Anstrich, den anderen mit einer für diese Anwendung neuen Beschichtung.
Für die Analyse vergleicht die SBB die Temperaturentwicklung der eingefärbten Schienen mit denen einer unbehandelten Schiene am selben Standort.
Erste Messungen im Gleis zeigen, dass der konventionelle Anstrich die Schienentemperatur um etwa drei Grad reduziert. Mit dem isolierenden Anstrich wurde eine Reduktion von circa sieben Grad erreicht.
Der Einsatz von «weissen Schienen» ist eine von verschiedenen Möglichkeiten, die die SBB testet, um die Wahrscheinlichkeit von Gleisverwerfungen weiter zu senken.
Andere Bahnen, wie etwa die Rhätische Bahn und die ÖBB, haben bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von «weissen Schienen» gesammelt.
Kann eine wesentliche Wirksamkeit nachgewiesen werden, wird die SBB prüfen, unter welchen Kriterien auf den insgesamt rund 7000 Gleiskilometern «weisse Schienen» Sinn machen.

Die SBB nutzt die aktuelle Hitzewelle, um auf einem Abstellgleis bei Solothurn die Auswirkungen von «weissen Schienen» auf die Schienentemperatur zu analysieren.

Für den Versuch wurden je zehn Meter Schiene mit weisser Farbe besprüht: einen Abschnitt mit konventionellem Anstrich, den anderen mit einer für diese Anwendung neuen Beschichtung.

Für die Analyse vergleicht die SBB die Temperaturentwicklung der eingefärbten Schienen mit denen einer unbehandelten Schiene am selben Standort.

Erste Messungen im Gleis zeigen, dass der konventionelle Anstrich die Schienentemperatur um etwa drei Grad reduziert. Mit dem isolierenden Anstrich wurde eine Reduktion von circa sieben Grad erreicht.

Der Einsatz von «weissen Schienen» ist eine von verschiedenen Möglichkeiten, die die SBB testet, um die Wahrscheinlichkeit von Gleisverwerfungen weiter zu senken.

Andere Bahnen, wie etwa die Rhätische Bahn und die ÖBB, haben bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von «weissen Schienen» gesammelt.

Kann eine wesentliche Wirksamkeit nachgewiesen werden, wird die SBB prüfen, unter welchen Kriterien auf den insgesamt rund 7000 Gleiskilometern «weisse Schienen» Sinn machen.