SBB hat Sofortmassnahmen nach tödlichem Unfall in Baden eingeleitet

Die SBB hat nach dem tragischen Unfall eines Chefs Kundenbegleitung den Abfertigungsprozess überprüft: Dieser ist für Mitarbeitende und Reisende sicher. Als weitere Sofortmassnahme unterzieht die SBB alle Türen des Wagentyps EW IV einer Sonderkontrolle.

 Die SBB kontrolliert alle Türen des Wagentyps EW IV gesondert.
Die SBB kontrolliert alle Türen des Wagentyps EW IV gesondert.

Sicherheit ist das höchste Gut für SBB Mitarbeitende und Kunden und das zentrale Ziel der neun Konzernziele. Die SBB unternimmt alles sinnvoll Mögliche, damit Reisende und Mitarbeitende stets sicher sind. Obwohl die genaue Unfallursache noch nicht vorliegt (siehe Box), hat die SBB nach dem Unfall vom 4. August Sofortmassnahmen eingeleitet.

Abfertigungsprozess überprüft

Die SBB hat den bestehenden Abfertigungsprozess überprüft und auch den Sozialpartnern erläutert. Resultat: Der Abfertigungsprozess ist für Mitarbeitende und Reisende sicher. Er bewährt sich in der Praxis. Die Kundenbegleiterinnen und -begleiter der SBB fertigen täglich tausende Züge ab. Am Wochenende hat die SBB sämtliche Kundenbegleiterinnen mit einem Schreiben nochmals über den genauen Prozessinhalt informiert. Dieser Prozess wird auch in der Ausbildung geschult. Jede Kundenbegleiterin, jeder Kundenbegleiter hat eine entsprechende Checkliste bei sich.

Stephan Spörri, Chef Kundenbegleiter und Fachleiter PEX, demonstriert in der Bilderstrecke den Abfertigungsprozess.

20 Sekunden vor Abfahrt verlangt der Chef-Kundenbegleiter mit einem Achtungspfiff von den anderen Kundenbegleitern die Bereitschaftsmeldung. Alle verlangen das Einsteigen der Reisenden.
Zehn Sekunden vor Abfahrt melden die Kundenbegleiter mittels gelber Folie oder weissem Licht zurück: Wir sind bereit. Spätestens fünf Sekunden vor Abfahrt nimmt der Chef Kundenbegleiter die Bereitschaftsmeldung entgegen.
Beim Zeigersprung erteilt der Chef-Kundenbegleiter die Abfahrerlaubnis, in diesem Fall per SMS, und steigt zügig ein.
Der Chef-Kundenbegleiter schliesst mit seinem Vierkant-Schlüssel die Türen des Zuges. Seine Türe bleibt noch offen.
Er beobachtet den Schliessvorgang bei der nächsten Einstiegstüre, bevor…
… der Chef seine eigene Türe mit der Türschliesstaste schliesst.
Dann erlischt im Führerstand das im Bild noch rote Licht. Der Lokführer weiss: Alle Türen sind zu, er kann fahren – sofern alle anderen betrieblichen Bedingungen passen.

20 Sekunden vor Abfahrt verlangt der Chef-Kundenbegleiter mit einem Achtungspfiff von den anderen Kundenbegleitern die Bereitschaftsmeldung. Alle verlangen das Einsteigen der Reisenden.

Zehn Sekunden vor Abfahrt melden die Kundenbegleiter mittels gelber Folie oder weissem Licht zurück: Wir sind bereit. Spätestens fünf Sekunden vor Abfahrt nimmt der Chef Kundenbegleiter die Bereitschaftsmeldung entgegen.

Beim Zeigersprung erteilt der Chef-Kundenbegleiter die Abfahrerlaubnis, in diesem Fall per SMS, und steigt zügig ein.

Der Chef-Kundenbegleiter schliesst mit seinem Vierkant-Schlüssel die Türen des Zuges. Seine Türe bleibt noch offen.

Er beobachtet den Schliessvorgang bei der nächsten Einstiegstüre, bevor…

… der Chef seine eigene Türe mit der Türschliesstaste schliesst.

Dann erlischt im Führerstand das im Bild noch rote Licht. Der Lokführer weiss: Alle Türen sind zu, er kann fahren – sofern alle anderen betrieblichen Bedingungen passen.

Sonderkontrolle beschlossen

Alle sieben bis zehn Tage kommen die Einheitswagen (EW) IV in die Instandhaltung. Dort prüfen Techniker standardmässig den Einklemmschutz bei allen Türen. Ausserdem führt die SBB in regelmässigen Abständen Unterhaltsarbeiten an den Türen aus. So wird zum Beispiel alle 240 Tage der Antrieb geschmiert. Die SBB hat beschlossen, aufgrund des tragischen Unfalls diese Prüfung zu erweitern und eine Sonderkontrolle der EW IV durchzuführen. Dabei werden alle Sicherheitselemente der Einstiegstüren kontrolliert und bei Feststellen von Fehlern instandgesetzt. Es wird voraussichtlich sechs bis sieben Wochen dauern, bis alle Wagen kontrolliert sind. Pro Tag werden 15 bis 20 Wagen kontrolliert.

Alle sieben bis zehn Tage kommt ein Wagen in die Instandhaltung.
Techniker Andreas Passannante prüft an jeder Tür mit dem Fuss, ob der Einklemmschutz grundsätzlich funktioniert.
Alle 60 Tage prüfen die Techniker mit einem Prüfkörper den Einklemmschutz auf Achsel- und Kniehöhe.
Wenn der Einklemmschutz in Ordnung ist, geht die Türe wieder auf.
Aufgrund des tragischen Unfalls hat die SBB beschlossen, zusätzliche Sonderkontrollen am Einklemmschutz der EW IV durchzuführen.
Es wird voraussichtlich sechs bis sieben Wochen dauern, bis alle Wagen kontrolliert sind. Pro Tag werden 15 bis 20 Wagen kontrolliert.

Alle sieben bis zehn Tage kommt ein Wagen in die Instandhaltung.

Techniker Andreas Passannante prüft an jeder Tür mit dem Fuss, ob der Einklemmschutz grundsätzlich funktioniert.

Alle 60 Tage prüfen die Techniker mit einem Prüfkörper den Einklemmschutz auf Achsel- und Kniehöhe.

Wenn der Einklemmschutz in Ordnung ist, geht die Türe wieder auf.

Aufgrund des tragischen Unfalls hat die SBB beschlossen, zusätzliche Sonderkontrollen am Einklemmschutz der EW IV durchzuführen.

Es wird voraussichtlich sechs bis sieben Wochen dauern, bis alle Wagen kontrolliert sind. Pro Tag werden 15 bis 20 Wagen kontrolliert.

Versteckter Mangel aufgetaucht

Aufgrund des Unfalls analysiert die SBB zurzeit die gesamte Einklemmschutz Technik im Detail. Dabei haben erste Tests einen bisher versteckten Mangel zutage gefördert: Dieser hat zur Folge, dass der Einklemmschutz bei EW-IV-Wagen im so genannten UIC-Modus zwar funktioniert, aber weniger sensibel reagiert als vorgegeben. Im UIC-Modus leitet der Kundenbegleiter den Schliessvorgang aller noch offener Türen ausser der eigenen ein, nachdem er sich vergewissert hat, dass alle Reisenden eingestiegen sind.

Die SBB hat das BAV und die SUST über diesen bisher versteckten Mangel informiert. Die SBB ist daran, die Ursache zu finden, um den Mangel zu beheben. Gemäss jetzigem Wissensstand und der Sicherheitseinschätzung der SBB ist es nicht nötig, alle EW IV-Wagen ausser Betrieb zu nehmen. Zum tragischen Unfall vom 4. August 2019, bei dem ein Chef Kundenbegleiter sein Leben verlor, besteht gemäss dem heutigen Stand der SUST-Untersuchung kein Zusammenhang.

Sofortmassnahmen gewährleisten die Sicherheit

Die SBB hat eine Taskforce zur Koordinierungder Arbeiten eingesetzt, Die Sofortmassnahmen, welche die SBB bis jetzt beschlossen hat, gewährleisten nach heutigem Kenntnisstand die Sicherheit von Reisenden und Mitarbeitenden. Die Taskforce wird diese Einschätzung aufgrund der Sonderkontrollen und Untersuchungen der SUST laufend überprüfen. Sollte sich die heutige Einschätzung verändern, wird die SBB geeignete Massnahmen ergreifen, unabhängig von den Auswirkungen auf den Betrieb.

Die EW IV-Wagen stehen voraussichtlich noch bis in die 2030er-Jahre im Einsatz – ab den 2020ern nur noch als Verstärkungsmodule zusammen mit IC2000. Entsprechend werden dann noch rund 200 Fahrzeuge im Einsatz stehen. Die Zeitspanne hat keinen Zusammenhang mit den Verzögerungen bei der Einführung des FV-Dostos. Seit einiger Zeit führt die SBB an den EW IV im Werk Olten werterhaltende Massnahmen aus. Sie beseitigt Korrosionen, setzt Komponenten instand und lackiert die Wagenkästen neu. Aus Kapazitätsgründen finden dieselben Arbeiten an weiteren 93 Wagen ab 2020 voraussichtlich in Deutschland statt.

SBB-Rollmaterial der neuen Generation verfügt im Bereich der Türen über weitere Sicherheitselemente wie Lichtschranken und Sensoren.

Unfalluntersuchung erfolgt durch Staatsanwaltschaft und SUST

Die Staatsanwaltschaft und die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST untersuchen den tragischen Unfall vom 4. August. Unabhängig davon führt die SBB eigene Analysen durch. Nach ersten Aussagen der SUST war der Einklemmschutz der betroffenen Wagentür zum Zeitpunkt des Unfalls nicht funktionsfähig.
Der Grund dafür ist Gegenstand der laufenden Untersuchung. Die SBB hat den betroffenen Wagen am 31. Juli zum letzten Mal kontrolliert und keine Auffälligkeiten festgestellt. Die SUST hat der SBB nach der Überprüfung des Wagens keine Sofortmassnahmen angeordnet.