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«Mehr als nur Plakate» – Was Design bei der SBB bedeutet

Andres Janser ist Kurator im Museum für Gestaltung in Zürich. Eine Gesamtausstellung thematisiert dort seit August 2019 erstmalig das Design der SBB. Dieses ist der visuelle und virtuelle Klebstoff, der dem Unternehmen nachhaltig ein Gesicht verleiht.

SBB Design
SBB Design

«Diese SBB Austellung ist seit Jahrzehnten überfällig» 

Andres Janser schildert im Video seine Beweggründe und Motivationen als Kurator für die Ausstellung. 

  • Die Sprache der Untertitel lässt sich über den CC-Knopf im Video ändern.
«Für das Publikum wird es interessant zu sehen sein, dass die SBB als nationales Unternehmen eine reiche Designgeschichte besitzt.»
Andres Janser, Kurator

Kurator Andres Janser dokumentiert im Museum für Gestaltung in Zürich die Designgeschichte der SBB seit ihren Anfängen im Jahr 1902. Zum Stichwort Design zählt die Einführung von elektrischen Zügen in der Schweiz sowie auch beispielsweise die Einführung des Taktfahrplans im Jahr 1982. Zu Design zählt Andres Janser auch die Entscheidung, das Halbtax-Abo Ende der 1980er-Jahren ausserordentlich preiswert anzubieten. Das lockte damals – und auch heute noch – viele Leute auf die Schiene und führte dazu, dass die SBB zu dem national angesehenen Reiseunternehmen wurde, das es bis heute ist. 

«Das ist eine immaterielle Form von Design.»
Andres Janser, Kurator

Design bei der SBB bedeutet also mehr als nur Plakate und Werbung. So ist auch die Ausstellung in Zürich vielseitig und abwechslungsreich. 

Was aber macht das Design der SBB so erfolgreich? 

Janser glaubt: «Bei einem Verkehrsunternehmen wie der SBB ist Design dann gut, wenn es nicht mehr wahrgenommen wird.» Darunter fällt etwa das Signaletiksystem mit den kleinen blauen Piktogrammen, die einen einheitlich Rahmen und Wiedererkennungseffekt schaffen. Das gilt ebenso für die Ergonomie eines Sitzes: Der ist dann bequem, wenn nichts zu spüren ist ausser Komfort. Ausserdem ist und war Design stets auch ein Kommunikations- und Marketinginstrument. 

Originale Bahnhofsschilder aus unterschiedlichen Zeiten werden zu einem Mobile zusammengehängt.
Hier befindet sich alles noch in der Aufbauphase. Zeitlich ist das 2 Wochen vor Ausstellungsbeginn.
Die Plakatgeschichte ist vielseitig...
… und innovativ.
Auch die Fahrplananzeige darf nicht fehlen.
Die Designs haben sich stets dem Zeitgeist angepasst.
Die rote Wand trägt die Farbe «Signalrot».

Originale Bahnhofsschilder aus unterschiedlichen Zeiten werden zu einem Mobile zusammengehängt.

Hier befindet sich alles noch in der Aufbauphase. Zeitlich ist das 2 Wochen vor Ausstellungsbeginn.

Die Plakatgeschichte ist vielseitig...

… und innovativ.

Auch die Fahrplananzeige darf nicht fehlen.

Die Designs haben sich stets dem Zeitgeist angepasst.

Die rote Wand trägt die Farbe «Signalrot».

Die SBB besitze eine lange und äusserst starke Illustrations- und Werbegeschichte, so Janser weiter. Herausforderungen bei der Konzeption der Ausstellung gab es deren zwei: einerseits sollten Objekte, Zeitzeugnisse präsentiert werden, die heute wie vom Erdboden verschluckt sind: «Wir wollten Sachen zeigen, von denen wir wussten, dass sie existierten, die aber heute in der Form nicht mehr auffindbar waren.»

Die zweite Herausforderung war dafür eine positive: An Austellungsgegenständen mangelte es Janser, ausser diesen verlorenen Stücken, trotzdem nicht. Im Gegenteil: «Es gibt sehr viele Menschen, sowohl Mitarbeitende bei der SBB als auch Aussenstehende, die viel Wissen und Objekte angesammelt haben. Hier hatten wir die Qual der Wahl und mussten aus einem grossen Fundus an möglichen Themen entscheiden, welche Aspekte wir in die Ausstellung einbringen wollten.» Die SBB sei sehr emotional. Die Schweiz und alle verbinden etwas mit der Bahn und folglich auch mit deren Design.

Blick in die Zukunft 

Zum Schluss stellt sich noch eine Frage, die sowohl die SBB als auch Andres Janser als Kurator der ersten schweizweiten SBB Design Ausstellung beschäftigt: Wird das Zugfahren in der Schweiz auch künftig seinen hohen Stellenwert beibehalten? Andres Janser ist sich sicher: «Das Massentransportmittel Eisenbahn wird immer wichtig bleiben. Die schnelle und bequeme Reise von A nach B funktioniert in der Schweiz nun mal am besten mit dem öffentlichen Verkehr.» Sicherlich würden auch Neuerungen kommen. «Beispielsweise werde noch mehr an der Mobilitätskette, an der Kombination von verschiedensten Verkehrsmitteln, gearbeitet.» Eines bleibt aber gewiss: «Bahnfahren wird auch in 50 Jahren hochaktuell sein.» 

Die SBB Design Ausstellung im Museum für Gestaltung lädt Interessierte noch bis zum 3. Januar 2020 zu einem Besuch ein. Eine Reise nach Zürich lohnt sich also. Selbstverständlich mit dem Zug.

Buchtipp: Im SBB Shop können Hobbyhistoriker und Bahnfans übrigens den Nachdruck des Kulthandbuchs «Fahrgastinformationssystem» von Josef Müller-Brockmann, dem «Erfinder» der heutigen Signaletik, erwerben.