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Früher war alles anders – oder doch nicht?

Dichtestress, Tempo, strapazierte Gleise, Handy oder Zigarette als Reisebegleiter: Die Selbstdarstellung der SBB damals misst sich an der Wirklichkeit von heute. Ein Zeitsprung über sieben Jahrzehnte in vier Bildpaaren.

Dichter Fahrplan, schnelle Züge

Die SBB fährt mit den modernsten Zügen: Diese Botschaft vermittelt eine Broschüre von 1952. Vermittler eines neuen Reiseerlebnisses war einst, zum 50-Jahr-Jubiläum der SBB, der Städteschnellzug mit Lokomotive Re 4/4 I und Leichtstahlwagen. Sein Pendant von heute ist der harzig eingeführte Fernverkehrs-Doppelstockzug. Und was den «dichten Fahrplan» betrifft, mit dem die SBB am Beispiel der Hauptlinie Bern–Thun ihr Image polierte: Auch dieser Trumpf von 1952 hat sich seither relativiert. Damals rollten pro Richtung täglich 33 Züge, verglichen mit 12 im Jahr 1902. Heute sind es deren 103.

Leichtschnellzug 1952 und...
FV Dosto 2019.
Broschüre von 1952 und...
Magazin von 2018.

Leichtschnellzug 1952 und...

FV Dosto 2019.

Broschüre von 1952 und...

Magazin von 2018.

Stosszeit in der Zürcher Bahnhofhalle

Der Blick in die Halle des Zürcher Hauptbahnhofs belegt: Dichtestress gab es schon längst, bevor das Wort erfunden worden war. Aufgenommen wurde das Foto an Pfingstmontag 1944. Nach dem Bau zweier unterirdischer Durchgangsbahnhöfe und mehrerer Unterführungen findet das Gedränge heute woanders statt. Von der Bahnhofhalle hat es sich auf Perrons und Zugängen verlagert. Aber eng ist es auf vielen Bahnhöfen zu den Stosszeiten trotzdem. Kein Wunder, fahren doch heute zweieinhalb Mal so viele Personen mit der SBB wie 1944. Nur die Schlangen vor den Schaltern rechts im historischen Bild sind kürzer geworden – dank Apps und Automaten.

Zürich HB 1944 und...
2019.

Zürich HB 1944 und...

2019.

Ultimativer Kunstlederkomfort von 1952

Ade Holzbänke: Die moderne Frau von 1952 macht es sich – bei offenem Fenster – auf einem gepolsterten Sitz bequem. «Heute ist das Reisen in den Leichtstahlwagen ein Genuss», steht in der Broschüre. Die Polstersitze aus braunem Kunstleder in der dritten Klasse sind der letzte Schrei. Noch handelt es sich allerdings um «Versuchsobjekte», wie der Text einschränkt, ebenso wie «Wagen mit Gummibereifung», die sich nie durchsetzen werden. Von Klimaanlage und Steckdosen am Platz wie heute im «FV-Dosto» träumt die Reisende von 1952 noch nicht einmal. Zum Zeitvertrieb dient ihr statt des Handys eine Zigarette.

Reisende 1952 und...
2019.

Reisende 1952 und...

2019.

Helden der Arbeit oben ohne

Der Fotograf der SBB inszenierte die Gleisarbeiter von 1945 am Genfersee als Helden der Arbeit. Er lichtet sie mit schwerem Werkzeug und nacktem Oberkörper beinahe aus einer Froschperspektive ab. Die Legende zum Bild: «70 km des Bahngeleises sollten jährlich erneuert werden. Im Krieg reichte es wegen Schienenmangels nur für 10 km. Durch vermehrten Geleiseunterhalt ist die Sicherheit trotzdem gewährleistet.» Heute übernehmen grosse Maschinen einen Teil der Heldenrolle. Oft sind es sogar ausgewachsene Bauzüge von mehr als einem Kilometer Länge, die das Gleis komplett erneuern – im letzten Jahr 226 Streckenkilometer.

Gramper 1945 und...
Gleisbau 2019.

Gramper 1945 und...

Gleisbau 2019.