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«Krokodil»-Parade am Gotthard begeistert das Publikum

Eine geballte Ladung Bahngeschichte: Gleich drei «Krokodil»-Lokomotiven ziehen zehn historische Wagen. Der Anlass: SBB Historic hatte zum 100. Geburtstag des ältesten «Krokodils» zur Publikumsfahrt am Gotthard geladen. Impressionen der Fahrt und Fakten zur legendären Lokomotive.

Drei «Krokodil»-Lokomotiven ziehen historische Bahnwagen
Drei «Krokodil»-Lokomotiven ziehen historische Bahnwagen

Bei dieser Fahrt kamen Bahnfans auf ihre Kosten: SBB Historic liess am 19. Oktober 2019 eine historische Komposition von Erstfeld nach Bellinzona und wieder zurück fahren. Dabei wurde die braune Ce 6/8 II 14253 eingesetzt – besser bekannt unter dem Namen «Krokodil». Die legendäre Lok feiert heuer ihren 100. Geburtstag. Die Jubilarin bekam Unterstützung von den beiden Nachfolgemodellen Ce 6/8 III 14305 (Baujahr 1925) und Be 6/8 lll 13302 (Baujahr 1926). So verkehrte der Zug als Dreifachtraktion mit zehn Wagen, von denen der älteste auch bereits fast 70 Jahre auf dem Buckel hat. Rund 500 Bahnfans – viele Senioren, aber auch Familien – konnten sich ein Billett für diese Fahrt sichern und in den historischen Zug steigen. «Da schlägt mein Herz höher», kommentierte ein älterer Passagier, der im Speisewagen Platz genommen hatte, das Erlebnis.

Stolz, mit den geschichtsträchtigen Lokomotiven fahren zu dürfen: Lokführer Stefan Landenberger (links) und Pascal Mangold.

Entlang der Strecke und in den Bahnhöfen hatten sich zahlreiche Bahnfans versammelt. Ausgerüstet mit Kamera, Stativ und teilweise sogar mit Warnweste, verfolgten sie die das einmalige Ereignis und hielten es fest. Sogar ein Fahnenschwinger hat sich zu Ehren des Ereignissens an der Strecke postiert und schickte beschwingte Grüsse in Richtung des Zuges.

 

Impressionen der Jubiläumsfahrt

 

Was macht das «Krokodil» eigentlich so besonders? Hier einige Fakten zu dieser historischen Lokomotive.

DER NAME
Um die langen Lokomotiven in den engen Kurven am Gotthard fahrbar zu machen, wurde die Ce 6/8 II 14253 aus drei Teilen zusammengesetzt, die mit Gelenken verbunden waren. Diese Beweglichkeit in Verbindung mit der Dreiteilung in «Schnauze», «Körper» und «Schwanz» dürfte zur Entstehung des Spitznamens «Krokodil» beigetragen haben.

DER AUFTRAG
Im Frühjahr 1918 bestellte die SBB insgesamt 20 neue Elektrolokomotiven für den Einsatz am Gotthard. Teil dieser Bestellung waren zehn Maschinen der «schweren Gebirgs-Güterzugslokomotive» Ce 6/8 II, also eben «Krokodile». Sie war eine Neukonstruktion. Ihr Pflichtenheft sah vor, dass sie innerhalb von 28 Stunden zweimal die Strecke Goldau-Chiasso mit einem Zug von 860 Tonnen Anhängegewicht zurücklegen konnten – bei jeweils 15 Minuten Aufenthalt an den Endbahnhöfen.

DER BESTAND
Drei «Krokodil»-Exemplare sind betriebsfähig erhalten geblieben und sind Eigentum von SBB Historic. Zum einen die Jubiläumslok Ce 6/8 II 14253 mit Baujahr 1919, zum anderen die Lok Ce 6/8 III 14305 mit Baujahr 1925. Die dritte im Bunde und mit Jahrgang 1926 die jüngste ist die Be 6/8 III 13302.

DIE BESONDERHEIT
Die «Krokodile» sind mehr als nur «alte Lokomotiven»: Sie sind Teil des kulturellen Erbes der Schweiz. Der Einsatz eines «Krokodils» im Schweizer Erfolgsfilm «Mein Name ist Eugen» von 2005 unterstreicht diese Verbundenheit. Kein anderer Lokomotivtyp der SBB geniesst einen so hohen Bekanntheitsgrad wie die «Krokodile».

DER EINSATZ
Die leistungsstarken «Krokodile» gehören zu den langlebigsten Lokomotiven der SBB. Nachdem sie am Gotthard ab Mitte der 1950er Jahre durch die leistungsstärkeren Ae 6/6 abgelöst wurden, übernahmen sie unter anderem die Beförderung von bis zu 1200 Tonnen schweren Kieszügen im Mittelland. Die «Krokodile» wurden so zum Synonym für Kraft, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit.

DIE PFLEGE
Die letzten «Krokodile» wurden in den 1980er-Jahren ausrangiert bei der SBB. Die noch erhalten gebliebenen «Krokodile» haben heute in erster Linie Symbolkraft und verkörpern vor allem auch das Zeitalter der Elektrifikation am Gotthard. Mitunter sind sie für Spezialfahrten im Einsatz. Im Unterhalt sind die Fahrzeuge heute enorm aufwändig, da sie mit ihren 100 Jahren etwas gebrechlicher werden. Die Beschaffung von Ersatzmaterial ist beispielsweise oft schwierig, weil viele Teile heute nicht mehr hergestellt werden. Manchmal müssen Ersatzteile extra angefertigt werden.

Geburtstagsgeschenk

Genau richtig zum Geburtstag des ältesten «Krokodil» erreicht SBB Historic die Nachricht, dass die Lokomotive nächstes Jahr als «Technical Landmark» ausgezeichnet wird. Die American Society of Mechanical Engineers (ASME) betrachtet das «Krokodil» nämlich als Meilenstein des Maschineningenieurswesen. Weltweit gibt es 258 Objekte, Sammlungen oder historische Orte, die als «Technical Landmarks» ausgezeichnet wurden, davon folgende vier in der Schweiz:

  • Giessbachbahn: erste Standseilbahn mit automatischer Ausweiche (Abt’sche Weiche), gebaut 1879

  • Pilatus Zahnradbahn: Zahnsystem Locher, gebaut 1882

  • Dampfschiff Uri: älteste betriebsfähige Dampfmaschine mit Kreuzkopf, gebaut 1901

  • Gasturbine Neuchâtel: erste stromerzeugende Gasturbine der Welt, gebaut 1939

Die feierliche Aufnahme des «Krokodils» in das Landmark-Programm erfolgt im Spätsommer 2020 mit der offiziellen Auszeichnung der Lokomotive als «Technical Landmark».