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Ein Tag mit meinem Papi, dem Lokführer

Julius durfte mit seinem Papi Markus Leutwyler am Zukunftstag 2019 zum ersten Mal im Führerstand mitfahren. Was die beiden dabei erlebt haben, berichten sie in ihrem gemeinsamen Beitrag.

Ein Tag mit meinem Papi, dem Lokführer
Ein Tag mit meinem Papi, dem Lokführer

Markus: Als ich mitten in der Ausbildung zum Lokführer steckte, brachte meine Frau unseren Sohn Julius zur Welt. Nach elf langen Jahren war es dieses Jahr endlich soweit, und er durfte mich am Zukungftstag auf einer Tour im Führerstand begleiten.

Um zehn vor vier standen wir auf, und es folgte die pure Lokführerromantik: Vater und Sohn beim gemeinsamen Morgenessen. Durch die Sternennacht ins schlafende Zürich fahren. Mond, Morgennebel und vom Raureif weisse Felder.

Julius: Als mein Papi und ich im Führerstand angekommen waren, durfte ich nach seinen Anweisungen den Zug einschalten. Ich dachte: Wow! Wegen mir kann mein Papi den Zug mit ganz vielen Leuten steuern! Mein Papi zeigte mir die grünen Blitze, die es bei unserem Zug bei den Stromabnehmern gab. Ich sah, wie viel Strom so ein Zug braucht. Das machte sogar, dass die Landschaft erhellt wurde.

Im Bahnhof Oerlikon bekam mein Papi einen Anruf. Ich fragte mich, ob das Zuhören und das Aufschreiben in ein Formular normal für seinen Beruf waren. Ich half ihm dann, auf die Schienen zu sehen, denn er musste «Fahrt auf Sicht» fahren.

Markus erhält Hilfe im Führerstand

Markus: Nachdem die Passagiere in Oberwinterthur aus- und eingestiegen waren, durfte Julius die Türschliesstaste drücken. Doch die rote Türkontrolllampe erlosch nicht. Türstörung!

Julius: Mein Papi und ich mussten nach hinten gehen und die Leute aus dem betroffenen Wagen in die anderen Wagen schaufeln. Dann half ich ihm, die Trittbretter von Hand einzuschieben. Ich fand: Es ist toll, meinem Papi bei seiner Arbeit zu helfen. Ich helfe generell gerne. Nun wurde aber von der Betriebszentrale eine Durchsage gemacht, unser Zug falle aus. Der Zug hatte schon zu viel Verspätung.

Deswegen machte mein Papi die Türen frei, dass die Passagiere in den anderen Zug konnten, der gerade angekommen war.

Markus: Ich war den Passagieren so dankbar, dass sie ruhig, verständnisvoll und freundlich reagiert haben. Kein einziges böses Wort bekamen wir zu hören.

Ich fuhr den leeren Zug auf ein Abstellgleis in Winterthur. Hier hatte ich genügend Zeit, um Julius das korrekte Verhalten im Gleisbereich zu lehren. Wir schauten ausserdem unseren RABe 514 genau an, studierten einen Hemmschuh, und ich liess kurz das Typhon ertönen.

Julius' Bericht über den Zukunftstag

Julius: Als ich auf dem Boden stand, auf dem die Schienen waren und nicht auf einem Perron, dachte ich, das sei ein Riesenexemplar dieses Zuges. Früher fand ich alte Dampflokomotiven viel grösser als heutige Züge, jetzt finde ich, sie sind ähnlich gross. Etwas später ging die Tour wieder wie geplant weiter.

Markus: Von Winterthur führten wir eine S7 nach Zürich. Der letzte Tourenteil war eine Fahrt mit der S14 nach Affoltern am Albis und zurück.

Julius: Ich sah, wie mein Papi beim Einfahren in die Bahnhöfe aufpassen musste, dass er an die richtige Stelle fährt. Wenn ich heute Züge von aussen sehe, denke ich: Das Einfahren ist nicht völlig normal, sondern es ist sehr schwierig und spannend für den, der es tut.

Markus: Am Mittag war die Tour zu Ende und wir gingen in das Restaurant, die «Oase», wo Julius Spaghetti von der SBB offeriert bekam. Auf der Heimfahrt im Auto fielen ihm die Augen zu.

Am Abend im Bett sagte er: «Ich sehe immer diese vorbeiziehenden Landschaften und die entgegenkommenden Züge vor mir. Und weisst Du was? Es gibt so viele nette Leute auf dieser Welt!»

 

Entgegenkommende Züge:


Markus Leutwyler. Foto: Gian Vaitl.

Markus über sich

Mein Leben ist ein Mosaik. So habe ich Umweltnaturwissenschaften studiert, jedoch anschliessend als Werbefilmer gearbeitet. Im Jahr 2008 konnte ich mir einen (weiteren) Traum verwirklichen und wurde Lokführer. Mit meinen Berichten möchte ich die normalerweise geschlossene Führerstandstüre öffnen und die schönen Erlebnisse mit Euch teilen. Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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