32 000 Menschen, 150 Berufe, eine SBB

Sie schrauben und hämmern, wischen und schleppen: 32 000 Mitarbeitende sorgen täglich dafür, dass das Unternehmen SBB funktioniert – viele fernab der öffentlichen Wahrnehmung und Wertschätzung. Dennoch ist klar: Ohne ihren Beitrag ginge es nicht. Fünf Beispiele.

Beginn einer Bildergalerie

Beruflich immer unter Strom: Marco Meng

Die «Stromer» bei der SBB? Das sind doch die, die sich um die Lampen und Uhren in den Bahnhöfen kümmern. Elektroinstallateur Marco Meng, 30, ist so ein «Stromer». Und tatsächlich kümmert er sich um Lampen und Uhren. Aber auch noch um ganz viel mehr. Als Mitarbeiter im Elektroteam Zürich ist er unter anderem zuständig für die Wartung der Mittelspannungsanlagen, die die Stromversorgung auf den Bahnstrecken sicherstellen. Bei Störungen an den Infrastrukturanlagen muss das Elektroteam ebenfalls ausrücken. Knapp die Hälfte seiner Arbeitszeit setzt Marco Meng für die Behebung von Störungen ein. Die restliche Zeit steht für Unterhalt und Wartung, für den Bau von neuen Anlagen sowie für die Datenpflege zur Verfügung.

«Die Aufgaben sind enorm vielfältig», sagt Marco Meng. Genau deswegen habe er auch vor drei Jahren von einer privaten Firma zur SBB gewechselt. Das hat er nicht bereut: Der Inhalt der Arbeit gefällt ihm ebenso wie der Zusammenhalt im rund 15-köpfigen Team. Aus Sicherheitsgründen müssen viele Arbeiten zu zweit ausgeführt werden. «Da ist es wichtig, dass man sich gut versteht und sich aufeinander verlassen kann.» Marco Meng, der im Bündnerland aufgewachsen ist und jetzt im Thurgau lebt, schätzt die SBB als Arbeitgeberin. «Wir können uns die Zeit nehmen, die nötig ist, um unsere Arbeit in der bestmöglichen Qualität zu erledigen.»

Auch wenn im beruflichen Umfeld gerade alles passt: Stillstand ist nicht, was der 30-Jährige anstrebt. Darum hat er im Herbst 2019 die zweijährige Ausbildung zum Elektro-Projektleiter in Angriff genommen. Jeweils am Freitagabend und Samstag drückt er nun die Schulbank. «Es ist mir wichtig, mich weiterzuentwickeln.» Sagt’s, schnappt sich die Leiter und verschwindet im Technik- und Rettungsgebäude für den Weinbergtunnel, wo gerade Unterhaltsarbeiten anstehen.

Bereit für den Notfall: Patrizia Sütterlin

Gleichförmige Arbeitstage im Büro: Das ist definitiv nichts für Patrizia Sütterlin. Arbeitstage, die Überraschungen parat halten, die niemals gleich verlaufen, die Adrenalin ins Blut pumpen: Das hingegen mag die 25-Jährige. Und eine Stelle mit genau solchen Arbeitstagen hat die gelernte Geomatikerin seit Sommer 2018: Patrizia Sütterlin arbeitet als Lokführerin bei der Intervention Region Mitte. Als sie bei der SBB anheuerte, hatte sie in der Freizeit bereits seit einigen Jahren bei der Milizfeuerwehr Bern mitgemacht und brachte für die Arbeit auf dem Lösch- und Rettungszug also Vorkenntnisse mit. Die Lokführerausbildung machte sie nach ihrem Stellenantritt. «Ich komme jeden Tag gerne zur Arbeit», sagt sie. Man glaubt es ihr aufs Wort; in ihren Arbeitskleidern wirkt sie stolz und glücklich.

Der Lösch- und Rettungszug kommt zum Einsatz, wenn defekte Züge abgeschleppt oder Personen evakuiert werden müssen, wenn ein Brand zu löschen ist, wenn es zu einer Entgleisung kam oder wenn es einen Unfall mit Personen oder Tieren gab. Bis zu 600 Alarme gehen am Interventions-Standort Bern jährlich ein. Nicht alle Ereignisse sind leicht wegzustecken. «Dann ist es hilfreich, im Team darüber zu sprechen», sagt Patrizia Sütterlin.

Überhaupt – das Team: Während einer 24-Stunden-Schicht oder eines Pikett-Wochenendes verbringt man viel Zeit zusammen. Es ist wichtig, dass man sich gut versteht. Im 20-köpfigen Interventions-Team in Bern ist Patrizia die einzige Frau. Kein Problem für die 25-Jährige. «Ich wurde gut aufgenommen und fühle mich wohl.» Jeweils zu fünft wird eine Schicht absolviert: zwei Lokführer und drei weitere Feuerwehrleute sind in Bereitschaft. Muss der Lösch- und Rettungszug nicht ausrücken, nutzt das Team die Zeit für Unterhaltsarbeiten am Zug, für die Kontrolle der Gerätschaften und für Übungen. Auch müssen dreimal die Woche Übungsfahrten unternommen werden. Langweilig wird es bei der Intervention also auch ohne Alarm nicht.

Zwischen Kabeln und Papier: Edin Sabic

Alle zehn Tage kommt es im SBB Werk Yverdon-les-Bains zum Fahrzeugwechsel. Hier kümmern sich die Fachspezialisten für die schwere Instandhaltung um Züge und Lokomotiven. Einer davon ist Edin Sabic. Sein Auftrag? Die Kabel auf den Loks und die Qualitätskontrolle der Elektroarbeiten. Edin ist 33-jährig und arbeitet seit zehn Jahren bei der SBB. Als gelernter Automechaniker hat er sich mit zusätzlichen Kursen spezialisiert. «Das Auto kennt weder Hochspannung noch Drehstrom», meint er mit einem Augenzwinkern. Was ihm bei der SBB gefällt? Die Abwechslung. «Kein Tag ist wie der andere. Jeden Morgen freue ich mich auf die Arbeit.»

Damit meint er im Moment die Modernisierung der Re460-Loks. Nach 20 Jahren auf den Schienen werden sie komplett auseinandergenommen, saniert, neu gestrichen und wieder zusammengesetzt. So sind sie im neuen Kleid bereit für die nächsten 20 Jahre. Bevor sie wieder losfahren, prüft Edin, ob die Elektroarbeiten den Normen entsprechen. In einer Lok schreibt er auf einen pfeilförmigen Aufkleber: «Hier Etikette anbringen.» So kennzeichnet er Mängel, die er findet, und spricht danach mit den Kollegen. «Kommunikation ist wichtig. Man muss sich seiner Aussagen sicher sein», schmunzelt er. Jeder Eingriff wird akribisch dokumentiert und in einem Ordner, liebevoll «Lokbibel» genannt, abgelegt. Edin prüft sie auf Vollständigkeit, bevor sie an das Bundesamt für Verkehr BAV geht, das die Fahrbewilligung erteilt. Für Edin ist Qualität weit mehr als eine Aufgabe aus dem Pflichtenheft. Sie ist für ihn eine persönliche Priorität. «Meine Familie fährt täglich mit dem Zug. Ich will, dass sie dank funktionierender Loks sicher ans Ziel kommt.»

Eine saubere Sache: Roland Feller

Zwei Pendler rempeln sich im morgendlichen Gedränge im Bahnhof Bern an, Kaffee ergiesst sich über den Boden: Ein Fall für Roland Feller. Der Reinigungsfachmann rollt mit seinem Putzwagen heran und wischt die braune Lake weg. Keine grosse Sache für den 53-Jährigen.

Roland Feller hat die damalige Betriebslehre bei der SBB gemacht und ist dem Unternehmen sein ganzes Berufsleben treu geblieben. Dass er vor rund 16 Jahren zum Facility-Management-Team kam, dem die Sauberkeit im Bahnhof Bern obliegt, habe sich «einfach so ergeben». Davor arbeitete er als Schienentraktorführer-Ablöser, beim Wagenreinigungsdienst und auch als Reinigungsfachmann an einigen ländlichen Bahnhöfen.

Im Gegensatz zu den Kleinbahnhöfen, wo sich nur wenige Leute tummeln, steht er in Bern unter ständiger Beobachtung. «Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.»

Heute ist seine Arbeit inmitten von Pendlerinnen und Pendlern Routine. Zu Roland Fellers Aufgaben gehört die Reinigung der Handläufe bei den Treppen, der Zeitungsboxen, der Personaltoilette und der Lifte. Auch pickt er mit der Greifzange auf, was gerade so am Boden herumliegt. Immer wieder sprechen ihn Passanten oder Touristen an, fragen nach einer Fahrplanauskunft oder einer Wegbeschreibung. Roland Feller hilft gern – und antwortet, wenn nötig, auch in Englisch oder Französisch.

Von der Sinnhaftigkeit seiner Arbeit ist Roland Feller überzeugt. «Ohne Reinigungsfachleute wäre der Bahnhof Bern ja fürchterlich schmutzig.» Gerade am Wochenende sehe es manchmal aus wie auf einem Schlachtfeld. Umso schöner für den 53-Jährigen, wenn er hin und wieder ein «Dankeschön» von einem Kunden erhält – oder sogar ein Trinkgeld, wie es auch schon vorgekommen ist.

In der richtigen Reihenfolge: Luca Bonecher

Luca Bonecher vom regionalen Cargo-Produktionsteam (RCP) in Cadenazzo macht Notizen. Nicht etwa auf dem Laptop oder Tablet, sondern mit einem Stift auf Papier. Mit diesen handschriftlichen Notizen weist der 50-Jährige seine Kollegen vom Rangierteam an, wie sie die abgehenden Züge zusammenstellen sollen, begleitet von allen nötigen mündlichen Erklärungen. Dies erscheint in einer Zeit, in der das Wort Digitalisierung in aller Munde ist, etwas rückständig, zumal auch SBB Cargo stark auf moderne Informationstechnologien setzt. «In manchen Bereichen ist es nach wie vor besser, direkt von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren», sagt Bonecher. Vom Terminal Cadenazzo aus steuert er die Zugvorbereitung. Zudem pflegt er die Kontakte zu den Kunden im ganzen Sopraceneri, also im nördlichen Kantonsteil, und sorgt dafür, dass die Ware pünktlich am Bestimmungsort ankommt.

In seinen 32 Jahren bei der SBB hat Luca Bonecher viele Veränderungen erlebt. «Vor allem in den letzten Jahren änderte sich jeden Monat etwas.» Und es gehe noch weiter: «Demnächst erhalten wir neue Kompetenzen, wir wissen aber noch nicht genau, welche.» Dies scheint ihn aber nicht besonders zu beunruhigen: Er ist immer offen für Neues. Er stellt es unter Beweis, wenn er seinen Kollegen bei Bedarf bei Aufgaben unter die Arme greift, die nicht direkt zu seiner Funktion gehören, so etwa beim Umschlag von Containern mit dem Reachstacker. Für diesen Greifstapler besitzt Luca Bonecher nämlich den Führerschein. «Herausforderungen machen unsere Arbeit interessant», betont er.

«Heute arbeiten wir in der RCP-Umgebung mit NeTS, dem netzweiten Trassensystem. In diesem System kann ich ausserordentliche Trassen bestellen oder löschen. Ausserdem prüfen wir die Machbarkeit von Transporten, die die Zentrale in Olten bestellt». Eines fürchtet Luca Bonecher allerdings: Lokdefekte. «Wenn uns das geplante Rollmaterial nicht zur Verfügung steht, bekommen wir ernsthafte Probleme.»

Im Lauf seiner Laufbahn hat er direkt mitbekommen, wie der Güterverkehr zugenommen hat, und er hat auch historische Momente erlebt. «Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels hat uns die Arbeit erleichtert, weil wir nun schwerere Züge zusammenstellen können. In gut einem Jahr folgt der Ceneri-Basistunnel, und auch dieser wird Erleichterungen mit sich bringen.»

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