SBB News

«Ich bin und bleibe Eisenbahner mit Leib und Seele.»

Ob Berufskleidung, Lokfilter oder Bodenmopp: In der Textilreinigung von SBB Anyway wird alles wieder sauber. Sie ermöglicht Mitarbeitenden, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, eine Weiterbeschäftigung. Einer von ihnen ist Roland Klodel.

Start of an Imagegalery

Es ist warm. Eine leichte Schwüle schlägt den Besuchern der Textilreinigung von SBB Anyway entgegen. Hier liegt ein Stapel oranger Schutzkleidung, dort ein Haufen hellgrauer Laken, während die Waschmaschinen und Tumbler leise in ihrem Rhythmus klopfen. 

Start of an Imagegalery

In einer ruhigen Ecke sortiert ein Mitarbeiter Kopfkissen: die roten aus den Erstklasswagen der SBB. Er untersucht jedes einzelne sorgfältig. «Bevor ich sie in die Wäsche gebe, prüfe ich, ob sie beschädigt sind oder ob eine spezielle Vorbehandlung bei Flecken nötig ist», erklärt Roland Klodel. Er ist hier der Spezialist für die Kopfkissen und kennt die verschiedenen Ausführungen und die jeweiligen Pflegevorschriften aus dem Effeff. Denn: Je nach Zug sehen die Kopfkissen und Kopfschutztücher anders aus. Turnusmässig landen sie alle vier bis sechs Wochen in der Textilreinigung der SBB. 

Start of an Imagegalery

Seit rund einem halben Jahr arbeitet Roland in der Textilreinigung von SBB Anyway. SBB Anyway bietet rund 120 Mitarbeitenden über 50, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, einen Arbeitsplatz. Roland ist einer von ihnen – und von der Pike auf Bähnler: Vor 38 Jahren begann er bei der SBB seine Laufbahn als «Betriebslehrling». 17 Jahre lang arbeitete er an den Standorten Winterthur und Schaffhausen in der Wagenreinigung als Teamleiter – bis 2017 nichts mehr ging. «Ich musste ein halbes Jahr lang pausieren», sagt Roland leise. Eine schwierige Zeit, in der er auf die Unterstützung seiner Familie und seines Arbeitgebers zählen konnte. «Ich hatte einen sehr guten Case Manager und meine Familie hat mir viel Kraft gegeben.» Danach wagte er behutsam den Wiedereinstieg in der Serviceanlage Herdern. «Doch es war bald klar, dass ich nicht mehr in meinen Job als Teamleiter zurückkehren werde.» Er fügt nachdenklich hinzu: «Es ist schwierig, sich selbst einzugestehen, dass es nicht mehr geht.» 

Start of an Imagegalery

Wie eine zweite Chance 

Heute arbeitet er mit einem 50-Prozent-Pensum und ist zufrieden mit seiner neuen Tätigkeit. «Ich bin sehr dankbar, dass mir die SBB diese zweite Chance gibt.» Mit Mitte 50 sei es schwierig, im Arbeitsmarkt wieder Fuss zu fassen, insbesondere nach längerer Krankheit. «Für mich ist die SBB immer noch ein super Unternehmen. In 38 Jahren habe ich immer pünktlich am 25. meinen Lohn erhalten – wo gibt es das noch?» 

Die Arbeit in der Textilreinigung macht ihm Spass. Jeden Tag fährt er von Schaffhausen nach Zürich-Altstetten. «Ich pendle gerne und freue mich auf meine Arbeitstage. Hier kann ich selbstständig und in Ruhe arbeiten, der Chef hat Vertrauen in mich und ich trage nur noch für mich selbst und meine Produkte die Verantwortung», erklärt er. «Vor allem kann ich hier immer noch eine Leistung erbringen für unsere Kunden. Ich bin und bleibe Eisenbahner mit Leib und Seele», sagt er stolz. Und noch etwas gefällt ihm: Der gute Teamgeist. «Ich fühle mich sehr wohl. Es gibt immer etwas zu tun und das Team ist super.»  

Start of an Imagegalery

«Wir haben Zeit» 

Jeder der rund 25 Mitarbeiter hat seine ganz eigene Geschichte. Betriebsleiter Thomas Käppeli kennt sie alle. Er legt Wert auf eine angenehme Arbeitsatmosphäre. «Ich sage immer: Wir haben Zeit. Mir ist wichtig, dass die Mitarbeiter sich hier weniger unter Druck fühlen. Wenn einer eine Pause braucht, dann kann er sie sich auch nehmen.» Trotzdem hat auch Thomas Käppeli Erwartungen an sein Team. «Auch hier kommt man nicht darum, mit dem Computer zu arbeiten. Nicht alle Bewerberinnen und Bewerber können das.» 

Start of an Imagegalery

Rund 250 Tonnen Textilien verarbeiten die Mitarbeiter in Altstetten jedes Jahr: von Kopfpolstern und Schutzkleidung über Bodenmopps, Putzlumpen und Bettwäsche der Ruheräume bis hin zu Luftfiltern aus Loks oder dem Gotthardbasistunnel. Waschen ist jedoch nicht alles: Auch flicken gehört zu ihren Leistungen. Roland Klodel zeigt auf ein Stück Stoff mit ein paar Zickzack-Nähten neben der Nähmaschine. Ein Übungsmuster. Noch läge ihm die Arbeit mit Faden und Nadel nicht so. «Ich bin noch am Lernen.»  

Für den Moment konzentriere er sich aufs Waschen. «Zuhause wäscht aber meine Frau», sagt er schmunzelnd. 

Start of an Imagegalery

Über SBB Anyway 

SBB Anyway beschäftigt rund 120 SBB Mitarbeitende über 50, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können oder die während ihrer beruflichen Neuorientierung eine Tagesstruktur benötigen. SBB Anyway erbringt in allen drei Sprachregionen Dienstleistungen für die SBB, ihre Kundinnen und Kunden sowie für externe Firmen: 

  • Textilreinigung: u.a. Berufskleider, Reinigungsutensilien, Kopfschutz 1. Klass-Sitze, etc. 

  • Relaismanagement: Revision, Lagerung und Transport 

  • Sattlerei: u.a. Herstellung von Taschen für Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter, Blasbälge für Loks, Tragsysteme für Funk  

  • Handwerk: u.a. Vormontage- und Fertigungsarbeiten für Fahrbahn- und Rollmaterial-Instandhaltung, Recycling von Elektroschrott 

  • Administrative Tätigkeiten: u.a. temporäre Einsätze in administrativen Diensten, Archivarbeiten, Organisation und Durchführung von Seh- und Hörtests, Post- und Büromaterial-Service am Hauptsitz. 

  • Betreuung der pensionierten Mitarbeitenden