Das Schloss Chillon ganz für mich

Zum 20-jährigen Jubiläum von RailAway besucht François Torche das Schloss Chillon und wirft einen Blick hinter die Kulissen. Mit der bekannten Sehenswürdigkeit am Genfersee verbindet er viele schöne Kindheitserinnerungen.

Beginn einer Bildergalerie

Ein grauer, feuchter Herbstmorgen dämmert, als ich beim kleinen Bahnhof Veytaux-Chillon aussteige. Auf dem Weg dem See entlang begleiten mich einzig das Plätschern der Wellen und ein feiner Nieselregen. Nach ein paar hundert Metern stehe ich vor dem imposanten Gebäude. Die Stimmung ist etwas schaurig, aber genau richtig, um praktisch allein in diesem Schloss zu sein und den Wärtern zu helfen, es für die Türöffnung vorzubereiten.


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Vorbereitung für die Türöffnung

Jean-Marc ist seit 19 Jahren beim Schloss Chillon als Wärter angestellt. Er öffnet die Holztüre, die den Eingang versperrt, und begrüsst mich herzlich. Man merkt sofort, dass er von «seinem» Schloss und dessen Geschichte begeistert ist. Wir beginnen unsere Kontrollrunde, um das Schloss für die Besucher bereit zu machen. Dazu brauchen die drei Wärter rund anderthalb Stunden. Es ist eine gewöhnliche Türöffnung ohne die zusätzlichen Arbeiten, die zum Beispiel nach einem Bankettabend anstehen. Das Licht wird eingeschaltet, einzelne Möbelstücke werden an ihren Platz gerückt, die Touchscreens abgewischt, es wird abgestaubt. Periodisch werden auch grössere Arbeiten vorgenommen: Einmal pro Jahr werden beispielsweise alle Fenster geputzt und die Decken von Spinnweben befreit.

Gesundheit und Schlaf

Ich bekomme eine begeisternde Privatführung durch viele Säle und Zimmer. Jean-Marc erinnert mich daran, dass die Betten im Mittelalter relativ kurz waren, weil die Menschen nicht flach lagen, sondern halb sitzend mit erhöhtem Oberkörper schliefen. Diese Position förderte die Verdauung. So oder so, vermutlich haben die Menschen gut geschlafen, tranken sie doch bis zu zwei Liter Wein am Tag. Selbst die Kinder tranken Wein. Wenn auch der Alkoholgehalt deutlich geringer war als heute.

Übrigens gehört zum Schloss ein eigener Weinberg, aus dem der Weisswein «Clos de Chillon Grand Cru» und seit kurzem auch der Rotwein «Clos de Chillon» produziert werden. Die edlen Tropfen lagern in Fässern im Schlosskeller.

Ein Arbeitsplatz ohne seinesgleichen

In der warmen Jahreszeit kümmern sich die Wärter auch um die Umgebung des Schlosses und den kleinen Strand. Dieser ist von einem Turm aus zu sehen, in dem mir Jean-Marc berichtet, wie sehr er hier die unterschiedlichen Perspektiven auf den See, die Berge und das gegenüberliegende französische Ufer geniesst. Die Stimmungen verändern sich im Laufe der Jahreszeiten und mit dem Wetter ständig. Er mag es auch gern, ganz allein im Schloss zu sein: diese Ruhe und Stille, aber immer wieder auch das unheimliche Knacken und Knarren.


François: Als Kind und heute zu Besuch im Schloss Chillon.

Kindheitserinnerungen

Auf unserem Rundgang zeige ich Jean-Marc ein Bild, auf dem ich als Kind vor einer Rüstung stehe, und frage, ob die Rüstung immer noch da sei. Wir finden den Ort, aber nicht dasselbe Modell. Dafür öffnet mir Jean-Marc eine Tür und ich darf andere Rüstungen aus nächster Nähe bewundern, die sonst hinter Plexiglas geschützt sind. Eine weitere prägende Kindheitserinnerung: die berühmt-berüchtigten Latrinen aus dem Mittelalter; einfache Holzbretter mit Löchern hoch über dem See. Ich staune nicht schlecht, als mir Jean-Marc erzählt, dass schon mehrmals Besucher dabei überrascht wurden, wie sie hier ihre Notdurft verrichteten!

Die Türöffnung

Jetzt ist das Schloss bereit für die Besucher. Ich bin beim Tagesbriefing des ganzen Teams dabei und verbringe dann eine Weile an der Kasse, wo mir die Logistik der verschiedenen Eintrittskarten erklärt wird – insbesondere die für die RailAway-Kundschaft. Ein wirklich spannender Tag mit vielen Einblicken hinter die Kulissen des Schloss Chillon.


François Torche

Mit François im Schloss Chillon

François arbeitet seit 13 Jahren im RailAway-Team in Lausanne. Er betreut die Westschweizer Leistungspartner aus den Bereichen Veranstaltungen, Kunst & Kultur und Tourismus.