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Vom römischen Tempel zum Kunsthaus: Fondation Pierre Gianadda

Als Kommunikationsmanagerin zuständig für die Deutschschweiz hat Olivia Vogt nur wenig Kontakt zu den Partnern in der Romandie. Um das zu ändern, macht sie sich auf den Weg nach Martigny in die Fondation Pierre Gianadda – eines von 20 ausgewählten RailAway-Jubiläumsangeboten.

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Zugegeben, die Anreise von Luzern nach Martigny ist mit drei Stunden kein Katzensprung. Die Nase ans Fenster gedrückt, bestaune ich die schöne Landschaft entlang der  Zugstrecke. Als der Zugbegleiter mich auf Französisch nach dem Billett fragt, wird mir klar, dass wir den Röstigraben definitiv überquert haben.


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Verworfene Pläne und neue Ideen 

In Martigny angekommen, mache ich mich auf den Weg zur Fondation Pierre Gianadda. In einem ruhigen Quartier entdecke ich das Kunstmuseum und treffe am Eingang auf Martha Degiacomi. Seit 1986 arbeitet sie als Kunsthistorikerin für die Stiftung. Sie kommt direkt aus einer mehrstündigen Besprechung mit dem Gründer Léonard Gianadda. «Ein sehr interessanter Mann mit tausend Ideen», erzählt Martha Degiacomi.

Dafür ist die Stiftung Beweis genug: Denn ursprünglich wollte Léonard Gianadda ein Wohnhaus bauen. Beim Aushub anfangs der 70er-Jahre stiess man auf Überreste eines römischen Tempels. Kurzerhand entschied sich Gianadda für den Bau eines Kunsthauses und stellte die archäologischen Funde in einem gallo-römischen Museum aus, das sich im obersten Stock befindet. Ich erfahre von Martha auch die tragische Geschichte hinter dem Namen der Stiftung: Pierre Gianadda, der Bruder von Léonard, kam in jungen Jahren bei einem Flugzeugunfall ums Leben. Zum Gedenken an Pierre wurde die Stiftung nach ihm benannt.

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Von Bildern über Oldtimern zu Skulpturen 

Wer vom gallo-römischen Museum die Treppen hinuntersteigt, gelangt ins Zentrum der Ausstellung. Hier steht eine kleine Bühne, auf der schon weltbekannte Musiker konzertierten – inmitten der Sonderausstellung mit Schweizer Meisterwerken aus der Privatsammlung des Altbundesrates Christoph Blocher. Dazu gehören vor allem die Bilder von Albert Anker (1831–1910) und Ferdinand Hodler (1853–1918). Ankers Bilder erzählen ganze Geschichten und vor allem die Detailtreue fasziniert mich. So erkennt man beim genauen Betrachten des Bildes «Der Gemeindeschreiber» sogar den Dreck unter dessen Fingernägeln. Insgesamt sind in Martigny 127 Bilder aus Blochers Privatsammlung ausgestellt. Ich traue mich, nach den Preisen der Bilder zu fragen. Martha Degiacomi schmunzelt nur und erwidert, dass dies ein Berufsgeheimnis sei. Sie zitiere aber gerne den Maler Félix Vallotton: «Was zählt, ist weniger der Preis als das Werk: Ein mittelmässiges Gemälde ist stets zu teuer; ein gutes Gemälde kann seinen Preis wert sein, und eine sehr gute Sache ist nie zu teuer.»  

Noch ein Stockwerk tiefer betreten wir die ursprünglich angedachte Tiefgarage. Diese hat Léonard Gianadda in ein Oldtimermuseum verwandelt. Rund fünfzig Autos aus den Jahren 1897 bis 1939 reihen sich auf. Auch der Garten ist einen Besuch wert: gehört er doch zu einem der schönsten Skulpturengarten Europas.  

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Während der Privatführung durch die Ausstellung versorgt mich Martha immer wieder mit spannenden Informationen zu den Kunstobjekten und der Stiftung. Kein Wunder, sie selbst schreibt die Informationstexte der Ausstellungen und spricht fünf Sprachen. Nebst ihrer Tätigkeit in der Fondation hält sie oft auch Vorträge im In- und Ausland.  

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Da meine Zeit nicht ausreicht, um das ganze Haus zu besuchen, gibt mir Martha Degiacomi einen Katalog mit auf die Rückreise. Im Zug lese ich die Hintergründe und Geschichten der ausgestellten Bilder nach. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Gäste teilweise einen ganzen Tag lang in der Fondation Pierre Gianadda in Martigny verweilen. Mit vielen Eindrücken über die (Kunst-)Vielfalt der Schweiz fahre ich zurück nach Luzern.


Olivia Vogt

Mit Olivia Vogt nach Martigny

Olivia ist zuständig für die Kommunikation im Bereich Gruppen und Schulen und erstellt dabei die jährlichen Ausflugsbroschüren für Vereine und Lehrer. Die Westschweiz kennt Olivia bis anhin kaum. Der Besuch in der Fondation Gianadda hat sie inspiriert, weitere Ausflüge in der Romandie zu unternehmen.