Eben noch in der Lok und im Büro – jetzt auf der Showbühne

Bei der SBB gibt es Menschen mit besonderen Talenten: Lokführer Hanspeter Zweifel und Einkäufer Christoph Brötie etwa können so gut singen, dass sie es in die Castingshow «The Voice of Switzerland» geschafft haben. Am 23. März entscheidet sich, ob es sogar fürs Finale reicht.

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Eigentlich singt Christoph Brötie nur für sich alleine. «Zu Hause – und, ja, auch unter der Dusche.» Er lacht herzhaft, als er das erzählt. Neben der Fliegerei – Christoph Brötie hat den Pilotenschein – ist der Gesang seine grosse Leidenschaft. Beim Singen könne er Emotionen verarbeiten. «Andere treiben Sport, ich singe und leite die Emotionen in eine Melodie ab. Danach fühle ich mich leichter.» 

Nicht nur erleichtert, sondern richtig euphorisch ist Christoph Brötie auch nach seinem ersten Auftritt bei «The Voice of Switzerland» - der übrigens bereits im vergangenen Herbst über die Bühne ging und aufgezeichnet wurde. Alle vier Jurymitglieder haben sich für ihn umgedreht (siehe Box am Schluss). Die Musikprofis überhäuften den 30-Jährigen mit Lob für seine Interpretation von «Say something», einer gefühlvollen Ballade von A Great Big World featuring Christina Aguilera.

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Christoph Bröties Ausbruch aus der Komfortzone 

Christoph Brötie ist gelernter Detailhandelsfachmann und arbeitet seit gut vier Jahren bei der SBB. Als Strategischer Einkäufer beschafft er für die SBB Dienstleistungen und evaluiert zusammen mit dem Fachbereich Rahmenvertragspartner oder Lieferanten im Bereich Dienstleistungen. Wenn zum Beispiel eine Werbeagentur den Auftrag für eine SBB Kampagne erhält, sorgt Christoph Brötie dafür, dass alle Vorgaben dabei eingehalten werden. 

«Ich leite die Emotionen in eine Melodie ab.»
Christoph Brötie

Auf einer richtigen Showbühne stand Christoph Brötie, der am liebsten Popsongs und Balladen mag, bei «The Voice of Switzerland» zum ersten Mal. Seine Auftrittserfahrung beschränkte sich zuvor auf einen Kompanieabend beim Militär. «Natürlich bekam ich immer wieder schöne Rückmeldungen zu meinem Gesang», erzählt er. Aber nie habe er geplant, im Bereich Musik konkret etwas zu erreichen. Die Anmeldung zur Castingshow sei denn auch recht spontan erfolgt – ganz, wie es seiner Art entspricht: die Komfortzone verlassen und «just do it».  

 

Der Auftritt von Christoph Brötie 

Hanspeter Zweifels lang gehegter Traum 

Ganz anders präsentiert sich die Ausgangslage bei Hanspeter Zweifel. Die Teilnahme an einer Castingshow sei ein «lang gehegter Traum», sagt er. Die Musik – er beherrscht das Tenorsaxophon und die Trompete – und speziell der Gesang spielen nämlich schon seit langem eine wichtige Rolle im Leben des heute 62-Jährigen. Nach der Lehre als Elektromechaniker und nach einigen Monaten bei den Pilatuswerken hat er sich zusammen mit einem Gefährten sogar als Berufsmusiker verpflichten lassen. «Unsere erste Station war ein Lokal in Grindelwald», erinnert sich Hanspeter Zweifel. Ingesamt drei Jahre waren die beiden danach gemeinsam unterwegs. 

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Als Lokführer bei der SBB arbeitet Hanspeter Zweifel nunmehr seit 38 Jahren – in all der Zeit hat er seine musikalischen Engagements stets weiter gepflegt, und das sind einige: Er spielt in diversen Formationen mit, tritt an Anlässen auf und macht auch zusammen mit der SBB Band Musik. Vor der Jury von «The Voice of Switzerland», die er mit dem Tom-Jones-Song «It’s not unusual» überzeugte, stellte er klar: «Ich bin nicht Lokführer, der nebenbei noch Musik macht. Ich bin ein Musiker, der auch noch Lokomotive fährt.» Daraus dürfe aber nicht abgeleitet werden, dass er nicht gerne Lokführer sei, fügt er später hinzu. «Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit.» 

Die männliche Stimme in «Welcome home» 

Auf eine musikalische Stilrichtung mag sich Hanspeter Zweifel nicht festlegen: Klassik und Kirchenmusik gehören ebenso zu seinem Repetoire wie Rock’n’Roll und Hardrock. Wie in der Musik ist er auch sonst ein Hansdampf in allen Gassen. Er war in der Gemeindepolitik aktiv, treibt Sport, kümmert sich um Familie und Hund, fährt Motorrad und packt darüber hinaus immer wieder Neues an. «Es würde den Rahmen sprengen, zählte ich hier alles auf.» 

«Ich bin Musiker, der Lokomotive fährt.»
Hanspeter Zweifel

Einem breiten Publikum dürfte Hanspeter Zweifel bereits vor seinem Auftritt bei «The Voice of Switzerland» bekannt gewesen sein – wenn vielleicht auch nicht wissentlich: Ihm gehörte die männliche Stimme des SBB Songs «Welcome home», den das Unternehmen 2012 lancierte.  

 

Der Auftritt von Hanspeter 

«The Voice of Switzerland»: So geht es weiter 

Die Casting-Show «The Voice of Switzerland» auf dem TV-Sender «3plus» startete Ende Januar mit den «Blind Auditions», die allerdings bereits Wochen zuvor aufgezeichnet worden waren. Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Christoph Brötie und Hanspeter Zweifel, schafften diese Hürde und qualifizierten sich für die nächste Runde. In den «Battles» – jene von Hanspeter Zweifel und Christoph Brötie werden am 23.3.2020 ausgestrahlt – müssen jeweils zwei Talente gegeneinander antreten. Danach wird das Feld der Teilnehmer noch einmal ausgedünnt und insgesamt acht Finalisten werden bestimmt. Das Finale war als Liveshow mit Publikum für den 30.3.2020 geplant; diese wird aufgrund der Restriktionen wegen des Coronavirus jedoch nicht durchführbar sein. In welcher Form und an welchem Datum das Finale nun stattfindet, ist gemäss Sender noch unklar.

Die Jury von «The Voice of Switzerland» bilden Anna Rossinelli, Noah Veraguth von «Pegasus», DJ Antoine und die «Büetzer Buebe» mit Gölä und Trauffer. In der ersten Phase des Castings konnte die Jury die Talente nicht sehen, sondern nur hören – was die Eigenheit von «The Voice of Switzerland» ist. Gefällt ihnen, was sie hören, drehen sie sich mit ihrem Stuhl um und wählen den Kandidaten so in die nächste Runde. Die Kandiaten ihrerseits wählen eines der Jurymitglieder, das sich für sie umgedreht hat, als Coach. Christoph Brötie hat sich für Noah Veraguth entschieden, Hanspeter Zweifel für die «Büetzer Buebe».