Corona-Alltag: Zwischen Telefonkonferenz und Schulaufgaben

Von neugierigen kleinen «Kollegen», langen Mittagspausen und dem Rückzug in den Keller: Wie drei Mitarbeitende in der Corona-Krise den Spagat zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung erleben.

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«Es ist wichtig, dass wir aufeinander Rücksicht nehmen.»

Claudia Marti
Funktion: SBB Cargo, Businesspartnerin HR und Leiterin Facility Management
Aktueller Arbeitsort: alternierend Esstisch und Bastelraum
Alter Kinder: 9 Jahre und 11 Jahre

Bei Familie Marti ist nun der Esstisch Begegnungszone: Hier erledigen die Kinder teils ihre Schulaufgaben, während ein Elternteil arbeitet. «Mein Mann ist ebenfalls im Homeoffice. Wir haben im Bastelraum einen Arbeitsplatz, an dem einer von uns ungestört arbeiten kann.» Von Montag bis Freitag folgt das Familienleben einem gemeinsam definierten Tagesrhythmus. Alle wissen, wann Haushaltsarbeiten, spielen, lernen oder arbeiten anstehen. «Es ist wichtig, sich gut abzusprechen, damit jeder Zeit für sich hat und wir gut aufeinander Rücksicht nehmen.» Claudia hat ihren üblichen Tagesablauf ebenfalls angepasst: «Ich stehe jeden Tag um 5 Uhr auf. So habe ich mindestens eine halbe Stunde für mich und kann zwischen 6 Uhr und 8 Uhr konzentriert arbeiten.» Dafür sei die Mittagspause länger, um mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen. Wenn sie arbeitet, bekommt sie ab und an Besuch: Der elfjährige Sohn schaut dann über Mamas Schulter. «Videokonferenz mit Skype und E-Mails schreiben findet er spannend.» Der herausfordernden Situation gewinnt sie auch Positives ab: «Wir sehen uns mehr und die Kinder lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen.»

«In der Familie tut es gut, gemeinsam Zeit zu verbringen.»

Bastian Pochon
Funktion: SBB, Entwickler Solution Center Infrastruktur
Arbeitsort: Büro in der eigenen Wohnung
Alter Kinder: 3 Monate, 6 Jahre und 8 Jahre

Bastians grosse Herausforderung besteht darin, den richtigen Rhythmus zu finden, um sich einerseits um seine Kinder kümmern und gleichzeitig seine Arbeit erledigen zu können. Zwar ist seine Frau zurzeit im Mutterschaftsurlaub, doch es versteht sich von selbst, dass der Kleinste der Pochons mit seinen drei Monaten viel Aufmerksamkeit beansprucht. «Deshalb kümmere ich mich hauptsächlich um die beiden Grossen.» Dank seiner flexiblen Arbeitszeiten kann Bastian immerhin einfach zwischen seiner Rolle als Papi und Mitarbeiter wechseln. Für die Arbeit hat er sich ein separates Zimmer eingerichtet. «Die Kinder lassen mich weitgehend in Ruhe arbeiten und stören mich nicht, wenn sie sehen, dass ich die Kopfhörer aufhabe und in einer Telefonkonferenz bin.» Sein Ältester macht manchmal auch seine Aufgaben im gleichen Raum. «Er interessiert sich sehr für Technik und ist sehr neugierig», sagt Bastian.

Trotz aller Schwierigkeiten kann Bastian der Situation auch Vorteile abgewinnen: «Was die Arbeit angeht, muss man den Kollegen besser zuhören, wenn man sie nicht sieht. Und in der Familie tut es gut, gemeinsam Zeit zu verbringen und die kleinen, einfachen Dinge zu geniessen.» Seiner Meinung nach sollte man die Dinge nicht zu ernst nehmen und sich keine zu hohen Ziele setzen – sei es für sich persönlich, die eigene Arbeit oder auch die Aufgaben der Kinder.

«Mit zwei Kleinkindern braucht es eine räumliche Trennung.»

Gerhard Hurni
Funktion: SBB, Technologischer Anlagenmanager für Beleuchtung im Bahnzugang 
Aktueller Arbeitsort: Hobbyraum im Keller
Alter Kinder: 10 Monate und 2 Jahre

Für Gerhard ist klar: Mit zwei Kleinkindern zuhause sind Arbeit und Familienleben zu trennen. Doch das häusliche Büro reiche dafür nicht. «Die Grosse macht mittlerweile die Türen auf und eine verschlossene Bürotüre ist für eine Zweijährige natürlich äusserst reizvoll.» Deshalb hat er sich «ausser Reichweite» im Hobbyraum im Keller eingerichtet. Bürotisch, Internetanschluss, Heizofen, Bildschirm – alles da, um während der Corona-Krise arbeiten zu können. Alles? Fast. «Natelempfang habe ich keinen, aber durch die Arbeit mit Skype und Teams ist das für mich keine grosse Einschränkung.» Dafür sei er im Keller ungestört und die Kinder lenken weder ihn noch Gesprächspartner ab. «Ich finde, Kindergeschrei in Telefonkonferenzen geht auch in dieser speziellen Situation nicht.» Ob mit oder ohne Kinder – so lange alle permanent im Homeoffice arbeiten, leide die Kreativität in Workshops schon etwas. «Aber alle geben sich sehr grosse Mühe.» Gerhard trennt das neue Familienleben nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich. Während die Grosseltern «Zwangsferien» haben, kümmert nun er sich an den Tagen, an denen seine Frau arbeitet, um seine zwei Kleinen.

Corona-Alltag bei der SBB

Ein Virus wirbelt den Alltag durcheinander: Die Corona-Pandemie beeinflusst auch die Arbeit bei der SBB. Wie gehen die Mitarbeitenden damit um? Wie haben sich ihre Abläufe und Routinen verändert? Antworten auf diese Fragen gibt es in diversen Beiträgen, die in loser Folge auf SBB News erscheinen.