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50 Kilometer auf dem Laufband: Im Lockdown zum Weltrekord

Matthias Kyburz, 30, ist Projektmitarbeiter im Team Nachhaltigkeit und mehrfacher Weltmeister im Orientierungslauf. Im Lockdown knackte er nun mit einer Zeit von 2 Stunden, 56 Minuten und 35 Sekunden den Laufband-Weltrekord über 50 Kilometer.

Matthias Kyburz auf dem laufband
Matthias Kyburz auf dem laufband

Herzliche Gratulation zum Weltrekord! Was hat dich zu diesem Lauf bewogen?
Nach dem Wintertraining war ich in Topform. Ich freute mich sehr auf die bevorstehende Saison und die WM im Juli. Dann kam Corona und durchkreuzte alle Pläne. Unser Nationaltrainer bat uns, ein Projekt anzupacken, das uns während dem Lockdown sportlich und mental herausfordert. Da kam die verrückte Idee meines Teamkollegen, den bestehenden Weltrekord zu knacken, gerade richtig.

Zudem wollte ich aufzeigen, dass es trotz der aktuell schwierigen Zeiten möglich ist, grosse Herausforderungen anzugehen und das Beste aus der Situation zu machen. Mit einem starken Durchhaltewillen ist vieles möglich.

Du hast den Lauf zeitlich auf den nationalen Solidaritätstag der Glückskette gelegt. Was hat es damit auf sich?
Die Coronakrise trifft die gesamte Gesellschaft. Ich wollte etwas Gutes tun und Spenden für diejenigen sammeln, die unter den gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus leiden. Ich habe der Glückskette einen Betrag von 8500 Franken überwiesen. Das freut mich sehr.

Wie schaffst du es, Job und Profisportlerkarriere zu vereinbaren?
Mit einem Teilzeitpensum von 40 Prozent kann ich beides unter einen Hut bringen. Dank Jahresarbeitszeit und sehr flexiblem Einsatz kann ich meine An- und Abwesenheiten meinem Wettkampfplan anpassen. Ich bin für diese Lösung sehr dankbar. Es braucht jedoch von mir und dem Team eine gewisse Flexibilität. Bis jetzt gab es diesbezüglich keine Probleme.

«Als Nachhaltigkeits-Team wollen wir Diversity leben. Dabei soll nicht nur Familienarbeit, sondern auch Spitzensport mit dem Beruf vereinbar sein.»
Christina Meier, Vorgesetzte von Matthias und Leiterin Nachhaltigkeit
Matthias kurz vor dem Lauf, bereit den Weltrekord zu knacken.

Zurück zum Lauf. Du läufst normalerweise draussen in der Natur. Hast du während dem Lockdown deine gesamte Zeit auf dem Laufband verbracht?
Nein, ich trainierte an der frischen Luft. Ich hatte nicht viel Zeit für die Vorbereitungen. Da ich bereits in sehr guter körperlicher Verfassung war, musste ich mein Training nicht speziell anpassen. Ich lief vorbereitend jedoch ein paar längere Einheiten als üblich. Ich habe noch nie versucht, 50 Kilometer am Stück zu laufen.. Ich wusste, dass ich bis Kilometer 30 gut durchhalten würde, aber was käme danach? Wie würde mein Körper reagieren? Würde ich mental stark genug sein? Würde ich mich auf dem Laufband langweilen? Fragen über Fragen…  Ich wurde leicht nervös.

«Matthias ist bei der Arbeit so schnell wie beim Rennen.»
Christina Meier, Vorgesetzte von Matthias und Leiterin Nachhaltigkeit.

Haben sich deine Sorgen bewahrheitet?
Obwohl der Lauf monoton war, empfand ich die knapp drei Stunden als kurzweilig. Dank meinen Sponsoren konnten wir den Lauf live übertragen. Während der Übertragung kamen spannende Gäste wie Viktor Röthlin zu Wort. Zwischendurch konnte ich mich damit etwas ablenken.

Ansonsten ging es mir sehr lange sehr gut. Klar gab es Höhen und Tiefen. Gegen Schluss wurde es richtig hart. Ich verlor jedoch nie das Ziel aus den Augen. Ich wollte den Weltrekord knacken.

Noch lacht er. Matthias auf den ersten Metern seines Weltrekordversuchs.

Im Nachhinein, was denkst du über das Projekt?
Ich weiss nicht, ob ich mich auf ein solches Experiment nochmals einlassen würde (lacht). Aber ich bin sehr stolz, was ich geschafft habe. Die Resonanz war unbeschreiblich. Von überall her kamen Anfragen von Journalisten, gar bis nach Schweden schaffte ich es in die Sportnachrichten. Freunde, Bekannte und Unbekannte, Familie – ich erhielt unzählige Nachrichten. Das schönste aber waren die grosszügigen Spenden, die ich sammeln und der Glückskette übergeben konnte.

Wie geht es nun weiter?
Ich versuche mich zu halten. Solange die Coronakrise anhält, ist eine Planung schwierig. Ich warte gespannt die News des Bundesrats und des Verbands ab. Sobald ich weiss, wann ich wieder Wettkämpfe bestreiten darf, kann ich neue Ziele setzen und mich danach ausrichten. Wer weiss, vielleicht trainiere ich ja für einen neuen Weltmeistertitel…

Herzlichen Dank für das Interview Matthias.

Anmerkung der Redaktion: Die Lockerungsmassnahmen für Einzelsportarten wurden vom Bundesrat nach Aufzeichnung dieses Interviews angekündigt.